Interview mit ADAC-Experte Rauchen im Auto: „Nicht alles über Verbote regeln“

Würde ein Rauchverbot im Auto zur Verkehrssicherheit beitragen? ADAC-Experte Alexander Kreipl ist skeptisch. Foto: Collage Peter Steffen/dpa/ADAC Südbayern

Kippe aus im Auto per Gesetz – zumindest wenn Kinder an Bord sind. Das fordert eine Initiative mehrerer Bundesländer.

Die gesundheitlichen Aspekte sind nicht von der Hand zu weisen – was aber sagen Verkehrsexperten zum Thema Rauchen im Auto? Würde ein Rauchverbot auch die Verkehrssicherheit verbessern? Wir haben nachgefragt bei Alexander Kreipl, dem verkehrspolitischen Sprecher des ADAC Südbayern.

Herr Kreipl, gesund ist das Rauchen im Auto natürlich nicht. Schadet es auch der Verkehrssicherheit? Was sagt die Statistik darüber?

Alexander Kreipl: Leider nichts, weil es bei Unfällen beispielsweise nicht gesondert erfasst wird, ob die Fahrerin oder der Fahrer geraucht hat. Zahlen haben wir dazu nicht. Sicher ist aber, dass es ablenkt – weil Asche oder die ganze Zigarette runterfällt und man versucht, sie aus dem Fußraum aufzuheben. Allgemein leidet die Konzentration, die Aufmerksamkeit kann dadurch eingeschränkt sein.

Wird man durch das Rauchen mit den Jahren ein schlechterer Autofahrer? Rauchen geht nachweislich auf die Sehkraft, außerdem sprechen manche Ärzte von einer geringeren nervlichen Belastbarkeit bei manchen Rauchern…

Kreipl: Das würden wir beides so nicht bestätigen wollen. Im Straßenverkehr gilt zunächst mal der Vertrauensvorschuss an den Fahrer, dass er seine Fähigkeiten und seinen Gesundheitszustand richtig einschätzt. Wer schlecht sieht, muss sich selbst darum kümmern, dass er eine Brille bekommt und die beim Fahren aufsetzt. So würde ich es auch mit möglichen Folgeschäden durch Zigaretten sehen.

Klingt fast so, als ob der ADAC kein Fan von einem Rauchverbot im Auto wäre...

Kreipl: Wir würden lieber an die Vernunft der Autofahrer appellieren, dass sie das Rauchen im Auto einfach besser bleiben lassen sollen. Weil es ablenkt und weil es schädlich ist. Wenn man aber mit einem Verbot an die Sache rangehen wollte, müsste man gleichzeitig über andere Sachen sprechen, die im Auto erlaubt sind und auch die Konzentration nicht gerade fördern. Essen und Trinken zum Beispiel, einen Radiosender suchen oder das Navi bedienen. Jeder weiß, dass er dabei vorsichtig sein muss. Ein Verbot wäre außerdem nur dann wirksam, wenn man es auch kontrollieren könnte. Das ist bei einem Rauchverbot im Auto praktisch nicht möglich. Nicht alles im Straßenverkehr muss aus unserer Sicht über Verbote geregelt werden.

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