Die Fronten im Konflikt westlicher Demokratien mit Russland wegen der Stationierung Tausender russischer Soldaten an der Grenze zur Ukraine sind verhärtet. Weder die Nato noch Moskau rücken von ihren Positionen ab. Ganz unschuldig sei das Verteidigungsbündnis aber nicht an dieser Situation, sagt Horst Teltschik, ehemals Mitarbeiter und Berater von Helmut Kohl (CDU), im Interview mit unserer Redaktion. Der Westen habe in den vergangenen Jahren oft zu einseitig agiert und Russland nicht mehr für so wichtig erachtet, kritisiert er.

Herr Teltschik, Russland wirft der Nato und den USA vor, gegen Abmachungen verstoßen zu haben. Seit der Annexion der Krim im Jahr 2014 sind vor allem osteuropäische Staaten sehr besorgt - diese Staaten stützen ihre Sicherheit auf die Nato. Russland fordert jetzt, dass es keine Nato-Aktivitäten in den neuen Mitgliedstaaten geben solle. Auch deshalb gibt es nun diesen Aufmarsch an der Grenze zur Ukraine. Als Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) 1990 mit dem russischen Präsidenten Michail Gorbatschow über die deutsche Einheit verhandelte, wurde allerdings zugesagt, dass die Nato nicht weiter nach Osten ausgedehnt wird. Hat der Westen sein Versprechen gebrochen?