Interview Jochen Köhler: Ein Strampler fürs Gäubodenvolksfest

Taxi mit Muskelantrieb: Jochen Köhler (rechts im Bild) ist zur Volksfestzeit mit seiner Rikscha in Straubing unterwegs. Foto: Stefan Karl

In der Oktoberfestzeit gehören in München die Rikschas praktisch schon zum Straßenbild dazu. In Straubing dagegen haben Rikscha-Fahrer Jochen Köhler und sein Muskelkraft-Taxi noch absoluten Exotenstatus: Jochen Köhler ist bisher der einzige Rikscha-Fahrer, der zur Volksfestzeit in Straubing für die Gäste strampelt.

Die Gründe für den Erfolg der Rikschas in der Landeshauptstadt dürften vielfältig sein. Im Großstadtverkehr sind Rikschas oft wendiger und damit schneller am Ziel, als normale Taxis. Dass sie sich in München zur Oktoberfestzeit als Verkehrsmittel etabliert haben, liegt sicher auch an einem gewissen Romantik-Faktor: So eine Fahrt mit der Rikscha hat schon viel von einer Kutschfahrt. Während in München die Rikschas in langen Schlagen am Festgelände anstehen und auf Fahrgäste warten, genießt Jochen Köhler es sichtlich, dass seine Rikscha in Straubing eine Attraktion und ein Hingucker ist.

In München ist es Gang und Gäbe, sich mit der Rikscha zum Oktoberfest fahren beziehungsweise vom Oktoberfest abholen zu lassen. Abgesehen vom Exoten-Status - wie unterscheidet sich Rikscha-Fahren in Straubing vom Rikscha-Fahren in München?

Jochen Köhler: Ein Unterschied ist, dass man in Straubing nicht direkt vom Haupteingang wegfahren kann und es hier viel bergiger ist. Das ist für die Rikscha schon ein Problem. Deswegen bin ich auch der einzige dieses Jahr und ich glaube, dass auch in den vergangenen Jahren nicht viele Kollegen sich getraut haben, hier zu fahren. 

Wie reagieren die Leute in Straubing auf die Rikscha?

Jochen Köhler: Generell ist Rikscha ein Wow-Erlebnis. Die Leute sagen: "Hey cool, das müssen wir ausprobieren!". Das ist überall dasselbe. Ich zumindest hab nicht den Eindruck, dass es in Straubing wirklich anders ist.

Sprechen die Fahrgäste viel über Umwelt- und Klimaschutz? Die Rikscha ist ja sozusagen ein CO2-neutrales Fortbewegungsmittel.

Jochen Köhler: Ja. Ich fahre seit neun Jahren. Es ist natürlich schön, wenn die Leute eine Fahrt mit der Rikscha auch unter diesem Gesichtspunkt sehen. Ob ich dadurch jetzt mehr Kundschaft kriege, weiß ich nicht. (lacht) Aber die Leute erzählen schon viel mehr davon. Die sagen dann zu ihren Freunden und posten in den sozialen Medien Dinge wie "Wir sind heute CO2-neutral unterwegs gewesen".

Also ist Social Media auch ein Werbemittel für die Rikscha?

Jochen Köhler: Ja natürlich. Viele Leute fangen bald nach dem Einsteigen an, Selfies zu machen. Ich war auch schon zwei Minuten nach einer Fahrt auf YouTube und wer weiß noch wo hochgeladen.

Sie sind alle zehn Volksfesttage mit der Rikscha unterwegs. Wo sollte man Ausschau halten, wenn man auch mal Rikscha fahren möchte?

Jochen Köhler: Am besten in der Fußgängerzone auf dem Stadtplatz. Man kann mich aber auch gerne auf der Straße ansprechen, wenn ich vorbei fahre.

Was sind die häufigsten Fahrziele der Rikscha-Kunden?

Jochen Köhler: Am Nachmittag ist die Route vom Bahnhof zum Fest natürlich die am meisten frequentierte. In den Abendstunden wollen die meisten dann nach Hause, ins Hotel - oder zu einer Kneipe oder Diskothek in der Stadt.

Also kennen Sie auch die Party-Locations in Straubing schon, oder?

Jochen Köhler: Die ganze Stadt scheint eine zu sein. (lacht) Ich war schon einen Tag vor dem Volksfest in Straubing. Da war schon alles sehr belebt und die Stimmung war sehr schön. Mir gefällt Straubing sehr gut.

Ist der "Exotenstatus" in Straubing ein Vorteil fürs Geschäft?

Jochen Köhler: Ja und nein. Es gibt keine ausgewiesenen Stände, deswegen kann ich nicht direkt vom Festplatz wegfahren. Das macht es natürlich schwierig, weil dort die Besuchermassen rauskommen. Auf der anderen Seite hab ich den Vorteil, dass ich ganz alleine bin und keine 20 Kollegen am Stand vor mir stehen. Von daher gleicht sich das aus.

Dann viel Erfolg weiterhin. Haben Sie auch vor, einmal privat aufs Volksfest zu gehen?

Jochen Köhler: Nee, ich glaube nicht. Dafür wird wohl keine Zeit sein.

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