Professor Johannes Hübner von der Abteilung Infektiologie an der Ludwig-Maximilian-Universität München hält die Risiken einer Impfung für unbedenklich - genauso aber die Gefahr eines schweren Covid-19-Verlaufs bei Jugendlichen.

Herr Hübner, in Bayern sind laut RKI derzeit 46,6 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren mindestens einmal geimpft. Wie hoch ist aus epidemiologischer Sicht der Nutzen, wenn sich die Impfquote bei dieser Gruppe deutlich erhöht?

Johannes Hübner: Die Impfquote bei Kindern ist für den weiteren Verlauf der Pandemie relativ unerheblich, da Kinder einerseits nur einen relativ kleinen Anteil an der Bevölkerung ausmachen, sie aber vor allem andererseits an der Überlastung des Gesundheitssystems keinen Anteil haben. Ungeimpfte Kinder mit Covid-19 belegen keine Plätze auf den Intensivstationen und auch die Übertragungen kommen eher von den Erwachsenen zu Hause.

Wie hoch ist das Risiko für Kinder in diesem Alter, schwer an Corona zu erkranken, und steht es im Verhältnis zu den Risiken, die von einer Impfung ausgehen?

Hübner:  Sowohl das Risiko durch die Erkrankung, als auch das Risiko durch die Impfung sind für Kinder und Jugendliche minimal. Insofern spricht auch aus meiner Sicht nichts gegen eine Impfung - aber diese Entscheidung sollte von Eltern und Kinder frei getroffen werden können, ohne dass durch die Nichtimpfung Nachteile entstehen.

Mitte Oktober wurde von Studien israelischer Wissenschaftler berichtet, wonach das Risiko einer Herzmuskelentzündung bei Buben durch die Impfung mit Moderna oder Biontech höher liegt, als bisher angenommen. Muss sich die Risikobewertung des Stiko ändern?