Interview "Ich bin ich": David Mayonga über Rassismus und Hoffnung

David Mayonga ist vielen auch als Roger Rekless bekannt. Er ist Musiker, Moderator, Pädagoge und Buchautor. Foto: Philipp Wulk

David Mayonga ist Bayer und schwarz. Rassistische Bemerkungen begleiten ihn sein ganzes Leben. Ein Gespräch über den Vorfall um George Floyd, Rassismus und Hoffnung.

Servus, David! Am 25. Mai kniete in den USA ein weißer Polizist acht Minuten und 46 Sekunden auf dem Hals des Schwarzen George Floyd und tötete ihn dadurch. Was ist seitdem in deinem Leben passiert?

David Mayonga: Unglaublich viel. Bei mir wurden so viele alte Wunden aufgerissen. Diese Selbstsicherheit in den Augen des Beamten, die kenne ich genauso von Beamten hier. All die Machtlosigkeit hat es wieder hervorgerufen.

Was war dein erster Gedanke, als du von dem Vorfall erfahren hast?

David Mayonga: „Schon wieder.“ Dieser Akt kann nicht als ein einziger gesehen werden, er ist Teil einer Kette von unglaublich vielen Akten rassistischer Brutalität. Was für mich dieses Mal aber anders ist: Weiße Menschen sehen die Notwendigkeit, ihren Blickwinkel zu ändern. Sie bekommen ein Gefühl, dass es andere Realitäten gibt.

Was meinst du damit?

David Mayonga: Ich bin in Bayern aufgewachsen und habe Dinge erlebt, die meine Freunde nie erleben mussten. Vorurteile, Anfeindungen. Früher haben die Leute mir das abgesprochen. Sie sagten, das bilde ich mir nur ein. Das machte die Erfahrungen noch schlimmer. Jetzt habe ich das Gefühl, dass die Leute merken, es gibt Menschen, die neben einem leben, aber ein ganz anderes Leben haben.

Du setzt dich schon lange gegen Rassismus ein und hast auch ein Buch geschrieben, in dem du viele deiner Erfahrungen schilderst. Wie blickst du auf diese zurück?

David Mayonga: Es waren so viele Vorfälle, mir sind nur ein paar im Kopf geblieben. Als ich zwölf oder 13 Jahre alt war, bin ich von der Nachhilfe nach Hause gekommen und von der Polizei auf Waffen und Drogen kontrolliert worden. Ich musste mich breitbeinig hinstellen und meine Hände auf die Motorhaube legen. Ich war noch ein Kind! Diese Kontrolle fand ich schon traumatisierend. Doch zwei Wochen später wurde ich wieder kontrolliert – einer der Beamten war auch noch derselbe. Meine Haltung zur Polizei wäre nachhaltig negativ, wenn ich nicht mit vielen Beamten beim Brazilian Jiu-Jitsu trainieren würde. Da habe ich gemerkt: Es gibt auch richtig coole.

Haben wir in Deutschland also auch ein Problem mit rassistischem Verhalten der Polizei?

David Mayonga: Ja, definitiv. Das Problem ist nicht, dass sie den Menschen etwas Böses wollen. Doch sie nehmen teilweise Realitäten an, die so nicht sind. Zum Beispiel, dass sie bei Menschen, die – in Anführungszeichen – nicht deutsch aussehen, eher was finden. Drogen oder eine Verwicklung in andere Straftaten.

Überall auf der Welt gab es in den vergangenen Wochen Proteste gegen Rassismus. Bei der Demo in München hast du selbst eine Rede gehalten. Wie hast du diesen Aufschrei verfolgt?

David Mayonga: Der Moment, als ich am Königsplatz die vielen Leute gesehen habe, hat mir so einen Hoffnungsschub gegeben. Es waren so viele weiße Menschen da, die wirklich was ändern wollen – auch an sich selbst. Das ist nachhaltig geblieben. Und was mir noch wichtiger ist: Ich habe zum ersten Mal die schwarze Community um mich herum gesehen. Vorher waren das Menschen hier und da. Es war so irre, das erst an diesem Tag zu erfahren. Auf einmal uns alle in unserer Verschiedenheit zu sehen. Zu sehen, dass ich nicht einfach nur ein schwarzer Mensch bin. Sondern ich bin ich. Ich bin Bayer und schwarz.

Wir haben die ganze Zeit gegen Rassismus gekämpft. Und dass Rassismus gesehen wird. Gegen das Schubladendenken zu kämpfen, da gewöhnt man sich schnell daran – so schlimm es ist. Aber immer wieder darauf hinzuweisen, dass man Rassismus erlebt, das ist so krass ermüdend. Und ich glaube, dass wir da ein Stück weiter sind.

Nimmst du aus solchen Momenten die Kraft für dein Engagement? Denn man könnte auch verstehen, wenn du sagst: Das bringt alles nichts.

David Mayonga: Puh, wie oft ich schon an diesem Punkt war ... Aber was ist die Alternative? Es hilft nichts, sich von Rückschlägen entmutigen zu lassen. Genauso wenig hilft es, sich von solchen Ereignissen vom Königsplatz nachhaltig enthusiastisch beeinflussen zu lassen. Man muss die Dinge rausnehmen, die einem wichtig sind. Das zählt.

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