Interview Gründerin von "intueat" über ihren Abnehm-Ansatz

Gründerin, Ernährungsmedizinerin, Mental-Coach und Hypnotiseurin Dr. Mareike Awe ist überzeugt: Unser Körper weiß, wann er welche Lebensmittel braucht. Und vor allem: wie viel davon. Foto: Farina Deutschmann

90 Prozent aller Diäten scheitern. Das sagt Dr. Mareike Awe. Ihr Abnehm-Ansatz ist ein anderer. Die Ernährungsmedizinerin ist der Meinung, dass wir verlernt haben, intuitiv zu essen. Mit ihrem Programm "intueat" will sie das ändern.

Hallo Mareike, erkläre uns doch bitte deinen Ernährungsansatz.

Dr. Mareike Awe: Während meines Medizinstudiums habe ich das intuitive Essen entdeckt - also beim Essen auf den Körper zu hören. Das war die Lösung, nach der ich lange gesucht habe. Ich spüre noch die Freude, als ich verstanden habe, dass ich mit meinem Körper arbeiten kann. Der Körper ist ein Wunderwerk und tut alles, dass es dir gut geht. Du musst aber auf ihn hören und ihn unterstützen. Ich fing an, meinem Körper zu vertrauen, strich Diätregeln und verließ mich auf meine natürlichen Hunger- und Sättigungssignale. Die Gedanken um Essen und Körper wurden weniger. Ich konnte meine Mahlzeiten wieder genießen und fühlte mich in meiner Haut wieder wohler. So hat sich nicht nur meine Lebensqualität gesteigert, ich habe nebenbei - ohne Verzicht und Verbote - abgenommen und mein Wohlfühlgewicht erreicht.

Und von deiner Entdeckung wolltest du allen erzählen?

Ja. Diesen Ansatz wollte ich teilen und eine Alternative zum Diätwahn aufzeigen. Mit meinem Online-Coaching-Programm "intueat" habe ich in vier Jahren über 15 000 Menschen auf ihrem Weg zurück zu einem befreiten intuitiven Essverhalten begleitet. Und dann gibt es noch meinen "Wohlfühlgewicht”-Podcast mit über 2,9 Millionen Downloads. Ich will Lebensfreude, positive Selbstannahme und Wissen rund um die natürlichste menschliche Ernährungsform vermitteln.

Was genau vermittelst du mit deinem Programm "intueat"?

Im Laufe der Zeit haben wir uns ein Essverhalten angewöhnt, das wenig mit der Intuition, sondern eher mit äußeren Ernährungsvorgaben und Diät-Regeln zu tun hat. Um herauszufinden, ob du intuitiv isst, kannst du bewusst deine Essgewohnheiten beobachten und hinterfragen. Esse ich bei körperlichem Hunger oder aus Gewohnheit? Muss es Schokolade sein, oder brauche ich eigentlich ein Stück Obst? Bin ich satt und esse nur weiter, weil es gut schmeckt? Du lernst, bei der Lebensmittelwahl die Antwort im Bauch statt im Kopf zu finden. Du orientierst dich nicht nach äußeren Vorgaben, sondern vertraust auf körperliche Signale. Für die Umstellung zum intuitiven Essen ist mentales Training sehr hilfreich. So kannst du zu den Nervenbahnen des intuitiven Essens, die in dir verankert sind, zurückfinden.

Wie merke ich, ob ich echten oder emotionalen Hunger habe?

Echter körperlicher Hunger ist geduldig. Er kündigt sich leise an und nimmt mit der Zeit zu. Zudem richtet sich körperlicher Hunger nicht auf bestimmte Lebensmittel. Emotionaler Hunger, also Hunger aus Langeweile, Frust oder anderen emotionalen Gründen, äußert sich häufig durch plötzliches, drängendes Verlangen nach Essen und richtet sich auf spezifische Lebensmittel. Versuche also, auf die echten körperlichen Hungersignale zu hören. Du solltest dann etwas essen, wenn du merkst, dass deine Konzentration nachlässt, du eine leichte Benommenheit und ein flaues, forderndes Gefühl in deiner Magengegend wahrnimmst.

Wie merke ich, wann ich satt genug bin?

Natürliche Sättigungssignale spürst du dadurch, dass dein Hunger nachlässt und das Essen nicht mehr so gut schmeckt wie zu Beginn. Deine Aufmerksamkeit wandert weg vom Essen und es kann sich anfühlen, als würde sich dein Magen schließen. Du fühlst dich wohlig satt und zugleich zufrieden und energiegeladen. Wenn diese Signale eintreten, ist das ein guter Zeitpunkt, die Mahlzeit zu beenden.

Hat es schlechte Auswirkungen, unregelmäßig zu essen?

Für deinen Körper hat es keine negativen Auswirkungen, wenn du diesen Mahlzeiten-Rhythmus verlierst. Der Körper weiß, wann er Energie in Form von Nahrung braucht. Beim intuitiven Essen orientierst du dich nach deiner inneren biologischen Uhr und versorgst dich zum richtigen Zeitpunkt mit der idealen Menge an Nahrung.

Wie sieht ein typischer "Essens-Tag" in deinem Leben aus?

Ich halte mich nicht an vorgegebene Essenszeiten, sondern esse, wenn mein Körper Nahrung braucht. Damit mich der Hunger unterwegs nicht überrascht, trage ich immer Snacks bei mir. Das kann ein Apfel, Nüsse oder ein Schokoriegel sein, je nachdem, worauf ich Lust habe. Zusätzlich habe ich immer meine Trinkflasche dabei. Ich versuche, meinem Körper mehrmals am Tag etwas zu trinken anzubieten, da sich Durst oft wie Hunger anfühlt.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading