Gerhard Polt und die Well-Brüder stehen seit 40 Jahren gemeinsam auf der Bühne: Der Anlass für ein neues Album.

Es sind nicht nur 40 gemeinsam auf der Bühne verbrachte Jahre, die mit einem Jubiläumsalbum gefeiert werden, sondern auch 36 Jahre Freundschaft zwischen den bayerischen Anarcho-Volksmusikanten der Biermösl Blosn, seit 2012 umfirmiert zu den Well-Brüdern, und dem rheinischen Deutsch-Punk von den Toten Hosen. Drei der 13 Titel auf "Gerhard Polt und die Well-Brüder 40 Jahre" entstanden beim gemeinsamen Musizieren der so unterschiedlichen Bands. Stofferl Well hat sogar Campino das Zitherspielen beigebracht, erzählen Michael Well und Gerhard Polt unter anderem im Gespräch.

Herr Polt, Herr Well, die Jubiläumsshow konnten Sie schon Ende Januar in den Münchner Kammerspielen zeigen und kamen dem Virus um wenige Wochen zuvor. Wie erging es Ihnen in der folgenden aufrittsfreien Zeit?

Michael Well: Am Anfang war ich noch recht optimistisch, dass dieser Spuk schnell vorbei ist. Ich habe es nicht als schlimm empfunden, zu Hause zu bleiben. Wir leben auf dem Land und ich habe Holz gemacht. Es war eigentlich eine schöne Zeit. Aber irgendwann fehlen die Auftritte schon. Wir hatten auch keine Lust, vor Autos zu spielen oder irgendwelche halben Sachen zu machen.

Gerhard Polt: Wir sind alte Zirkuspferde. Wenn man so lange auf der Bühne stand, hat man dann Entzugserscheinungen. Was mir eine Herzensangelegenheit ist, ist das Wort "Systemrelevanz". Als ich das zum ersten Mal hörte, fand ich das schlimm. Ich wundere mich darüber, dass dieses Wort so wenig erzürnt. Wo bleibt der Shitstorm? Was bedeutet "systemrelevant"? Und wenn man dann aus dem Umfeld erfährt, wie schlecht es manchen Musikern, Schauspielern oder auch Veranstaltern geht, aber Unternehmen wie die TUI drei Milliarden bekommen, kriege ich das nicht zusammen.

Und privat?