Interview Christopher Kloiber ist der Erfinder von Tracht Man

Christopher Kloiber ist in Erding aufgewachsen, lebt in Bamberg und ist 32 Jahre alt. Dank des Erfolgs von Tracht Man kann er vom Comic-zeichnen leben. Foto: Sebastian Quenzer

Hoch über Bayern auf dem Luftschiff „Oktoberfestung“ wacht er über den Freistaat. Wenn Gefahr droht, ist er mit seiner Knödelkanone zur Stelle: Tracht Man, der bayerische Superheld. Christopher Kloiber ist der Erfinder der Figur. Die Idee kam von seiner Mama.

Hallo, Chris, wer ist denn dein Lieblings-Superheld?

Christopher Kloiber: Batman, dicht gefolgt von Superman.

Nicht Tracht Man?

Christopher Kloiber: Ich versuche da, bescheiden zu sein (schmunzelt). Aber natürlich gefallen mir meine Kreationen.

Im Juni vor zwei Jahren ist dein erster Tracht-Man-Comic erschienen. Wie entstand die Idee?

Christopher Kloiber: Ich habe 2008 meinen Verlag gegründet und viele Comics gemacht. Irgendwann wollte ich meine eigene Superheldengeschichte zeichnen. Dann habe ich überlegt. Ich wollte keinen typischen Ami-Superhelden erschaffen. Das finde ich total öde und es gibt sie schon in tausendfacher Ausführung. Die Initialzündung lieferte meine Mutter. Sie hat gesagt, dass ich doch was mit Bayern machen soll.

So kamst du zu Tracht Man.

Christopher Kloiber: Genau, ich habe die Idee weitergesponnen und mir das Kostüm überlegt. Es musste etwas Catchiges sein. So bin ich auf Tracht Man gekommen. Dann habe ich losgelegt. Ich wollte mit Ausgabe eins direkt Action machen.

Was macht Tracht Man aus?

Christopher Kloiber: Der typische Bayer mit Superkräften. Anders kann man ihn nicht beschreiben. Wenn eine Bedrohung da ist, ist er halt der Einzige, der diese bockfotzn kann.

Was unterscheidet ihn von den großen Superhelden von Marvel und DC?

Christopher Kloiber: Das Geld (lacht). Nein, im Grunde gar nicht so viel. Batman und Superman gibt es schon lange. Darum sind sie so angesehen. In den USA gehören Comics dazu. In Deutschland sind sie für Kids. Da muss man Überzeugungsarbeit leisten. Mit Tracht Man aber weniger.

Er ist in unserem Alltag unterwegs.

Christopher Kloiber: Genau. Ich bringe Sachen, die die Leute kennen. Das Oktoberfest, den Wolpertinger ... sowas lesen auch Nicht-Bayern gerne. Die Hefte gehen in Japan und den USA gut. Es gibt sie auch auf Englisch.

Hat Tracht Man also schon internationale Fans?

Christopher Kloiber: Ja, mittlerweile schon. Ich habe einen Stammladen in Las Vegas, da ist der Besitzer aus Deutschland. Den beliefere ich regelmäßig. Das Witzige ist: Die Comics werden mehr auf Deutsch verkauft. Die englische Version ist eher ein Beiwerk für die, die sich auch wirklich für die Story interessieren.

Und Japan?

Christopher Kloiber: Da hat mich ein Professor aus Japan auf einer Comicmesse besucht. Er hat die Comics mit nach Japan genommen, um sie in einem Vortrag vorzustellen. Total irre!

Hast du mit dem Erfolg von Tracht Man gerechnet?

Christopher Kloiber: Ehrlich gesagt nicht. Für mich war Tracht Man eine meiner vielen Schmarrn-Ideen. Ich habe den Lokalpatriotismus ein bisschen unterschätzt, dass die Leute und die Medien das so cool finden. Aber ich hab mich natürlich total gefreut. Das gibt mir Antrieb. Seit Tracht Man gestartet ist, bin ich nur dabei, Tracht-Man-Comics zu machen. Auch Merchandise und so. Die Leute fordern und ich komme manchmal kaum hinterher.

Wie entsteht eine einzelne Ausgabe?

Christopher Kloiber: Bei der aktuellen Ausgabe hat mir die Wirklichkeit ein wenig in die Karten gespielt. Die reale Geschichte über Bavaria One (Raumfahrtprogramm des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, Anm.d.Red.) war meine Basis. Ich wollte das in eine Story bringen, weil ich die Idee so irrwitzig fand. Ich habe mir noch zusammengewurschtelt, was man auf dem Mond machen könnte. Es muss sich ja auch ein wenig um Bier drehen. Das, was der Leser erwartet. Ich spiele da mit Ideen und auf meinem schwarzen Brett steht, was in eine Ausgabe rein muss. Das vernetze ich und schreibe einen groben Umriss. Das unterteile ich dann in Seiten und mein Spezl Henning untergliedert mir das in einzelne Bilder. Wir machen auch die Dialoge zusammen.

Wie lange brauchst du für eine Ausgabe?

Christopher Kloiber: Von der Idee bis zum fertigen Heft dauert es ungefähr drei Monate.

Du bringst oft die bayerische Geschichte in deine Comics ein. Da steckt viel Recherche dahinter, oder?

Christopher Kloiber: Zum Teil ja. Die Ausgabe mit den Guglmännern war rechercheintensiv, weil sie auf wahren Begebenheiten basiert. Das sind eigentlich Verschwörungstheoretiker, aber bei mir im Heft sind sie Schurken und cooler, weil sie Ninjas ähneln. Etwas Wahrheit und Fiktion sind in den Geschichten drin, das ist gemischt.

Deine Zeichnungen sind nah am Original. Fährst du vor dem Zeichnen zu den Schauplätzen?

Christopher Kloiber: Ja, auf alle Fälle – bis auf die Mondausgabe (schmunzelt). Da habe ich aber auch recherchiert, wie die Oberfläche aussieht. Regensburg war die umfangreichste Expedition, bei der ich viele Fotos gemacht habe, weil sich Tracht Man ja durch die ganze Stadt prügelt. Ich musste mir Schauplätze anschauen, die gut dafür geeignet sind. Location-Recherche ist mir sehr wichtig. Mich nervt sowas als Leser, wenn ich tatsächlich schon an dem Ort war und der sieht dann im Comic nicht so aus. Das ist nicht authentisch. Das will ich nicht in meinen Comics.

In der aktuellen Ausgabe war Tracht Man auf dem Mond. Wie geht’s weiter?

Christopher Kloiber: Der nächste Teil spielt wieder auf der Erde. Es geht weiter mit Bavariana, der Schwan ist auch da (zwei Figuren aus den Comics, Anm.d.Red.) und Tracht Man hat es mit dem Boandlkramer zu tun.

Wird es Tracht Man auch mal in unsere Region verschlagen?

Christopher Kloiber: Freilich! Irgendwann schon. Ich arbeite ja mit YouTuber Birger aus Landau an der Isar zusammen. Er hat mir von ein paar urbanen Legenden erzählt, die man verwenden könnte. Ich habe eine superlange Liste mit Locations und Geschichten, die ich noch bringen will. Aber ich werde das sicher irgendwann aufgreifen.

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