Interview Lieder an Verflossene: Carina Haller aus Deggendorf spricht über ihre Musik

Carina Haller verarbeitet mit ihren Liedern Liebeskummer, erzählt aber auch mal lustige Geschichten. Foto: Julian Höcher

Selbstständig mit drei Firmen und dann noch musikalisch unterwegs: Carina Haller aus Deggendorf richtet ihre Lieder oft an Personen, die sie verletzt haben. Im Interview erzählt sie, warum ihr das hilft.

Hallo Carina, du bist selbstständig mit drei Firmen. Wie findest du da noch Zeit für die Musik?

Carina Haller: Die Musik ist der Ausgleich, den ich brauche, damit ich nicht rund um die Uhr an die Firmen denke. Sie gibt mir Kraft und ich komme auf neue Gedanken.

Wir haben dich beim Regensburger Song-Slam in der Alten Mälzerei entdeckt. Was gefällt dir an diesem Konzert-Format?

Man bekommt eine Bühne, auf der man sich einfach ausprobieren kann. Außerdem spielt man vor völlig fremden Leuten und kann schauen, wie sie auf die eigenen Lieder reagieren. Mir geht es da auch nie ums Gewinnen. Ich sehe Song-Slams eher als Spaß, zum Üben.

Beim Song-Slam hast du bairische Lieder gesungen. Singst du auch auf Englisch?

Beides, bisher aber nie vermischt. Auf Englisch schreibe ich meine Songtexte vor allem dann, wenn mir das Thema eines Songs sehr nah geht. Durch die Sprache gewinne ich so Distanz. Es kommt auch immer darauf an, für wen ich das Lied schreibe. Für den einen muss es einfach Bairisch sein, für den anderen vielleicht Englisch oder eher Hochdeutsch, weil er das Lied sonst nicht verstehen würde.

Worum geht es in deinen Liedern?

Meine Songs sind autobiografisch und handeln von Liebe, Trauer oder lustigen Geschichten. Manchmal singe ich von Dates, die total schiefgehen. Ein Beispiel dafür ist mein Lied "Zweiter Eindruck". Da singe ich über jemanden, von dem ich mir viel erhofft habe, aber dann war er ein totaler Reinfall. Es geht in meinen Liedern auch um Liebeskummer. Das hilft mir, darüber nachzudenken und Abstand zu gewinnen. Das ist wie eine Selbsttherapie, nach der es mir wieder besser geht. Und ich schicke die Lieder dann auch denjenigen, an die sie sich richten.

Mutig! Wie reagieren sie darauf?

Verschieden. Oft bekomme ich keine Antwort, oft reagieren sie auch ziemlich scheiße, dann frage ich mich, warum ich wieder mal so dumm war und das Lied verschickt habe. Mit manchen kann ich aber auch gut darüber reden. Das ist dann sehr befreiend, finde ich. Das hängt immer vom Lied ab - ob es einen bösen Grundton hat oder eher lieb gemeint ist. Ist ein Song zu verletzend, halte ich ihn aber auch zurück. Generell finde ich es aber einfach schade, wenn man ein Lied schreibt für jemanden, der es dann gar nicht selbst hören kann.

Von einem Soloprojekt von dir ist bisher noch nichts zu finden. Hast du vor, deine eigene Musik weiter auszubauen?

Bisher gibt es nur ein paar Videos von Auftritten auf YouTube, mehr nicht. Das liegt daran, dass ich mich nicht als Künstlerin sehe, sondern eher als Hobbymusikerin. Ich will da aber demnächst mehr machen und dann gibt es auch die klassische Facebook-Seite zum Liken. Ich überlege gerade auch, ob ich ein Album aufnehmen soll.

Am Samstag, 21. September, spielst du bei unserem Sommernachts-Slam in Straubing. Was kommt da auf die Besucher zu?

Spaß! Ich beziehe das Publikum auf jeden Fall mit ein, damit ich mich oben auf der Bühne nicht so alleine fühle. Außerdem will ich ein paar Denkanstöße geben!

Infos zu unserem Poetry Slam

Der Sommernachts-Slam Freischnauze findet am Samstag, 21. September, um 17 Uhr auf der Freiluftbühne des Alten Schlachthofs in Straubing statt. Neben der Musik von Carina Haller tragen bei dem Dichterwettstreit bis zu acht Poeten selbstgeschriebene Texte vor. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos zum Open-Air-Slam von Freistunde und dem Jugendzentrum Straubing gibt es hier.

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