Intensivstationen überlastet Bayern im Anti-Corona-Kampf: Intensivpatienten ausgeflogen

Auf dem Flughafen Münster-Osnabrück steht eine Maschine der Luftwaffe mit sechs Coroa-Patienten aus Süddeutschland. Foto: Guido Kirchner/dpa/Archivbild/dpa

Die vierte Corona-Welle tobt weiter in Bayern. Auch am Samstag sind Intensiv-Patienten in andere Bundesländer gebracht worden, weil es in weiten Teilen des Freistaats kaum mehr Kapazitäten gibt.

In Bayern kämpfen Ärzte, Pfleger und Politik weiter mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die ausgeuferte Corona-Welle, während sich die Anzeichen für einen bevorstehenden Lockdown mehren. Nach einem Vorschlag der wissenschaftlichen Akademie Leopoldina für einen Lockdown auch für Geimpfte fordern Ministerpräsident Markus Söder und sein Gesundheitsminister Klaus Holetschek (beide CSU) rasche Beratungen auf Bund-Länder-Ebene.

Die Vorgaben der Leopoldina bezeichnete Söder als "Warn- und Weckruf an Berlin". Söder spielte damit auf das neue Infektionsschutzgesetz an, das er für zu wenig schlagkräftig hält und das aus seiner Sicht rasch nachgebessert werden muss. In Bayern, dem Bundesland mit dem nach Sachsen und Thüringen heftigsten Infektionsgeschehen, gelten noch bis Mitte Dezember ohnehin verschärfte Maßnahmen, vor allem in den Hotspots, wo die Sieben-Tage-Inzidenzen bei mehr als 1000 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern liegt.

Die Leopoldina hatte vorgeschlagen, rasch mehrwöchige Kontaktsperren auch für Geimpfte zu verhängen. Außerdem müssten bis Jahresende 30 Millionen Menschen in Deutschland eine Booster-Impfung erhalten. Eine Impfpflicht, zumindest für Bedienstete im Gesundheitswesen, sei notwendig.

Unterdessen gingen am Samstag die Verlegungsflüge aus besonders strapazierten bayerischen Krankenhäusern in den Regierungsbezirken Schwaben, Niederbayern und Oberbayern weiter. Bereits am Freitag hatte ein Bundeswehr-Airbus sechs bayerische Intensivpatienten ausgeflogen. Am Samstag sollten rund 20 weitere Patienten nach Hamburg und Nordrhein-Westfalen gebracht werden, hieß es aus dem Innenministerium.

Am Sonntag sollte auch der Bundeswehr-Airbus mit seiner "fliegenden Intensivstation" wieder eingesetzt werden. Er hatte bereits am Freitag die ersten sechs Intensivpatienten aus Bayern zum Flughafen Münster/Osnabrück in Nordrhein-Westfalen gebracht.

Die Intensivstationen vieler Krankenhäuser im Freistaat sind überlastet, weil dort viele schwer an Corona erkrankte Menschen versorgt werden müssen. Das Münchner Universitätsklinikum meldete, es sei gelungen, einige zusätzliche Intensivbetten zu mobilisieren, weil Personal mit Intensiverfahrung aus anderen Abteilungen habe herausgelöst werden können.

Unterdessen sank die Sieben-Tage-Inzidenz in Bayern am Samstag leicht. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche am Samstagmorgen mit 634,5 an - am Tag zuvor lag der Wert bei 652,3.

13.422 neue Infektionen und 72 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona meldeten die bayerischen Gesundheitsämter laut RKI innerhalb von 24 Stunden (Stand: Samstag, 9.45 Uhr).

Die höchste Inzidenz wies demnach der Landkreis Freyung-Grafenau mit 1.410,2 aus - gefolgt von den Kreisen Rosenheim und Rottal-Inn. Insgesamt lagen neun Landkreise und Städte über der 1.000er-Marke. Am Freitag waren es noch zwölf Regionen.

Nachdem am Freitag nach RKI-Daten auch im Landkreis Deggendorf die Inzidenz erstmals seit Geltung der neuen Hotspot-Regelung über der 1.000er-Schwelle gelegen hatte, griffen nun auch dort die Vorgaben für einen regionalen Hotspot - Restaurants, Hotels, Sport- und Kulturstätten müssen schließen, obwohl die Inzidenz am Samstag wieder unter der 1.000er-Grenze lag (950,0).

Der Sozialethiker Andreas Lob-Hüdepohl hat sich gegen eine Benachteiligung ungeimpfter Patienten bei der Behandlung von Covid-19-Erkrankungen ausgesprochen. Entscheidend sei nur die Dringlichkeit einer Behandlung, weniger die Erfolgsaussicht, sagte das Mitglied des Deutschen Ethikrats im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2).

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