Inntal Neue Bahntrasse: Inn-Unterquerung möglich aber teuer

Mehr Güter auf die Schiene klingt erst einmal gut. Doch der Bau neuer Gleise zum künftigen Brenner Basistunnel sorgt in Bayern seit langem für Proteste. Nun geht es um ein Teilstück bei Rosenheim - und die Region ist mit den Ergebnissen der Bahn erneut unzufrieden.

Für die Anwohner an der geplanten neuen Bahnstrecke bei Rosenheim Richtung Brenner ist es aus Sicht örtlicher Politiker keine allzu gute Nachricht: Eine von ihnen gewünschte Unterquerung des Inns nördlich von Rosenheim ist zwar möglich, aber hochkomplex und teuer. Auf dem Abschnitt entstünden Mehrkosten von rund drei Milliarden Euro, teilte die Deutsche Bahn am Dienstag mit.

"Trotz hoher Kosten und Risiken ist die technische Machbarkeit allerdings nicht ausgeschlossen", erläuterte die Bahn. Im Rahmen der parlamentarischen Befassung habe die Region nun die Möglichkeit, die Inn-Unterquerung als Kernforderung in den Bundestag einzubringen.

Weil das Gelände ansteige, liege eine Herausforderung darin, die Strecke nach der Unterquerung des Flusses wieder auftauchen zu lassen. Dabei seien auch querende Gewässer, Schutzgebiete und Erdgasspeicher zu beachten. Die Bauzeit für die Strecke würde sich um zwei bis drei Jahre über 2038 hinaus verlängern. Schon länger war für eine mögliche Fertigstellung das Jahr 2040 im Raum.

Der Rosenheimer Landrat Otto Lederer (CSU) äußerte sich "sehr enttäuscht". Die Kosten allein sollten nicht der ausschlaggebende Punkt sein. Er sehe keinen Spielraum für eine verträgliche oberirdische Neubautrasse. Davon wären zahlreiche Bürger, sensible Naturräume und landwirtschaftliche Existenzen massiv betroffen. Die Bahn müsse nachbessern und eine Optimierung der Querung vornehmen, damit sie technisch und finanziell machbar sei. Er verwies auf Pläne in Tirol, wo der Inn drei Mal gequert wird - zwei Mal unterirdisch.

"Was in Tirol möglich ist, muss auch bei uns möglich sein", sagte auch die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. "Diese Ergebnisse sind keine guten Nachrichten für unsere Region und für mich auch in dieser Form nicht akzeptabel. Wir bleiben dabei: Der Brenner-Nordzulauf muss soweit wie möglich unterirdisch verlaufen." Der Schutz von Mensch und Natur müsse oberste Priorität haben. Die Ergebnisse der Bahn ließen Fragen offen. "Hier sind gründliche Nacharbeiten und Verbesserungen angesagt." Etwa seien für sie die Mehrkosten anhand der Aussagen nicht nachvollziehbar.

Kritisch sahen die Politiker auch, dass eine vorgeschlagene Verlagerung einer Verknüpfungsstelle für alte und neue Gleise offenbar nicht geprüft wurde. Das würde die Trassenführung vereinfachen, sagte der Rosenheimer Oberbürgermeister Andreas März (CSU).

Die neuen Gleise sollen in zwei Planungsabschnitten von Grafing im Landkreis Ebersberg bis zur österreichischen Grenze verlaufen und die Kapazitäten zum Brenner Basistunnel erhöhen, an dem in Österreich und Italien gebaut wird. Die Bahn hat für beide Abschnitte favorisierte Trassen vorgestellt und treibt die Planungen voran. Südlich von Rosenheim ist eine Inn-Unterquerung schon geplant. Voraussichtlich 2025 soll der Bundestag über den Brenner Nordzulauf entscheiden.

Bürgerinitiativen kämpfen seit Jahren gegen den Neubau. Sie halten eine Modernisierung der bestehenden Trasse für ausreichend. Neue Gleise brächten mehr Verkehr und Lärm ins stark belastete Inntal.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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