Industrie in Bayern BIHK erwartet Rezession und steigende Inflation

Die BIHK blickt wegen der Inflation mit großer Sorge in de nähere Zukunft. (Symbolbild) Foto: Monika Skolimowska/dpa

Die bayerische Wirtschaft erwartet harte Zeiten. Preisschocks und Lieferprobleme machen große Sorgen, und das dürften die Verbraucher bald noch stärker zu spüren bekommen.

Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) rechnet mit einer Rezession in Deutschland und mit einem Anstieg der Inflationsrate auf 10 Prozent. Nahrungsmittel dürften sogar um 15 bis 20 Prozent teurer werden: "Das wird massiv nach oben gehen müssen", sagte BIHK-Präsident Klaus Josef Lutz am Donnerstag in München.

Viele Firmen sind laut BIHK-Konjunkturumfrage zwar mit ihrer aktuellen Geschäftslage "noch weitgehend zufrieden", aber die Geschäftserwartungen sind eingebrochen, vor allem in der Industrie und im Baugewerbe. "Die Unternehmen wissen angesichts von Preissteigerungen sowie von Lieferschwierigkeiten bei Rohstoffen und Materialien oftmals nicht, wann sie die Aufträge erfüllen können und ob sich die Geschäfte am Ende noch rechnen werden", sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. "Der Aufschwung ist abgesagt."

"Klar ist, es wird noch teurer werden"

Die Erzeugerpreise seien um rund 30 Prozent gestiegen. Als größtes Risiko für die kommenden zwölf Monate nannten 75 Prozent der Unternehmen die Energie- und Rohstoffpreise. "Klar ist, es wird noch teurer werden", sagte Gößl. Die US-Notenbank trete geldpolitisch auf die Bremse, der Dollar werde stärker, Energie und Rohstoffe würden in Dollar abgerechnet. Die Europäische Zentralbank dagegen gebe geldpolitisch weiter Gas. "Bis zum Sommer müssen wir mit einer Inflationsrate von 10 Prozent rechnen."

Der BIHK-Konjunkturindex sank im Vergleich zum Jahresbeginn von 124 auf 112 Punkte und liegt damit knapp unter seinem langjährigen Durchschnitt. Die Preisschocks und die Lieferprobleme verunsicherten die Unternehmen massiv, hieß es. Nicht nur das Baugewerbe und die Industrie, auch der Handel und die Dienstleistungsbranche "blicken skeptisch auf die kommenden Monate. Lediglich der Tourismus erwartet eine gute Sommersaison", sagte Gößl.

Hälfte der Unternehmen traut sich keine Einschätzung zu

Ein Drittel aller befragten Unternehmen rechne mit einer Verbesserung der Lage erst nächstes Jahr, neun Prozent erwarte diese überhaupt nicht mehr, und die Hälfte traue sich keine solche Einschätzung mehr zu. "Bei einem solchen Einbruch müssen wir im zweiten Halbjahr mit einer Rezession rechnen in Bayern, in Deutschland", sagte Gößl.

Störfaktoren seien auch die rigide Corona-Politik in China, Bayerns wichtigstem Beschaffungsmarkt, und die kritische Konjunkturlage in den USA, Bayerns wichtigstem Exportmarkt. Der Fachkräftemangel bleibt für 61 Prozent aller Unternehmen eine große Sorge. Die Unsicherheit sorge für spürbare Zurückhaltung bei den Investitionen. Die Beschäftigungspläne seien dagegen nur wenig korrigiert worden. "Der Stellenaufbau wird also weitergehen, wenn auch mit schwächerer Dynamik", teilte der BIHK mit. Bis Ende April hatte er 3500 Unternehmen befragt.

Lutz mahnte, die Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Wirtschaft müsse absolute Priorität haben. Der Ausbau erneuerbarer Energien müsse drastisch beschleunigt werden, dürfe aber unter keinen Umständen weitere Energie-Preisschübe auslösen, "wenn wir Bayern als Industriestandort erhalten wollen". Die Politik sollte den Unternehmen bei der Diversifizierung ihrer Beschaffungsmärkte durch neue Freihandelsabkommen mit Lateinamerika, Indien, Australien und Neuseeland helfen.

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