Immer wieder freitags? So bewerten Schulleiter den Schülerstreik #fridaysforfuture

Die Protestwelle #fridaysforfuture ist nun auch von Skandinavien nach Deutschland geschwappt. Ins Leben gerufen wurde die Kampagne von der 16-jährigen schwedischen Schülerin Greta Thunberg, um eine zukunftsorientierte Klimaschutzpolitik zu fordern. Im Rahmen der Initiative demonstrieren Schüler mittlerweile europaweit jeden Freitag. Foto: Volker Lannert, dpa

Eine Protestwelle schwappt derzeit von Skandinavien nach Deutschland. Losgetreten hat diese Welle die 16-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg. Mit ihrer Initiative #fridaysforfuture möchte sie sich für eine zukunftsorientierte Klimaschutzpolitik stark machen. Nun ist diese Protestbewegung auch in Niederbayern und der Oberpfalz angekommen. Wir haben uns bei Schulleitern in der Region umgehört, wie sie die Kampagne bewerten.

Immer wieder freitags gehen Schüler seit Dezember europaweit auf die Straßen und demonstrieren für eine nachhaltige Klimaschutzpolitik. Dies geschieht in etlichen Fällen während der Unterrichtszeit. Ein Freifahrtschein zum Schule schwänzen also? Mitnichten. Vielmehr sorgen sich die Jugendlichen um ihre Zukunft.

Wird sonst in der Öffentlichkeit oftmals das Bild der „Null-Bock-Generation“ von desinteressierten Jugendlichen gezeichnet, krempeln jetzt unzählige Schüler die Ärmel hoch und zeigen Engagement. Nicht alle schwänzen dafür den Unterricht. Einige Schüler demonstrieren erst ab Freitagmittag, um dadurch nur wenige Unterrichtsstunden zu versäumen. So auch vergangene Woche in Landshut und Deggendorf, wo sich vorab etliche Schüler über WhatsApp, Facebook und Co. organisierten. Insgesamt gingen deutschlandweit in mehr als 50 Städten tausende Schüler auf die Straßen und hielten entsprechende Transparente hoch. Darauf standen Botschaften wie „Warum lernen ohne Zukunft?“, „Opa, was ist ein Schneemann?“ oder „Das Klima ist aussichtsloser als unser Mathe-Abi“. Das konkrete Ziel: ein Zeichen gegen Treibhausgas-Emissionen und den Abbau von Öl, Kohle und Gas zu setzen. Die Schüler fordern von den europäischen Politikern einen nachhaltigen Klimaplan mit dem Ziel, die Erderwärmung auf weniger als 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Mit dieser mutigen Rede rechnete Greta Thunberg beim Weltklimagipfel 2018 mit der Politik ab:

„Das war eine einmalige Ausnahme“

Engagement, das von Schulleitern in Deutschland generell freilich begrüßt wird – allerdings nicht während der Unterrichtszeit. Sowohl Schulpflicht als auch Aufsichtspflicht haben Vorrang. An der Kundgebung am vergangenen Freitag in Deggendorf beteiligten sich rund 70 Schüler. Etwa 20 davon besuchen das Robert-Koch-Gymnasium. Der dortige Schulleiter Hans-Peter Meidinger hat zu der Initiative eine klare Meinung: „Politisches Engagement von Jugendlichen finde ich ganz wichtig. Allerdings sollte es langfristig ausgerichtet sein und sich im Rahmen des Erlaubten bewegen.“ Schüler einer 10. Klasse seien am vergangenen Freitag kurz vor 11 Uhr mit dem Wunsch an ihn herangetreten, an der Kundgebung teilnehmen zu dürfen. „Ich haben ihnen dann gesagt, dass ich sie nicht daran hindern kann. Als Bedingung habe ich jedoch einen Nachholtermin für die entfallene Unterrichtszeit gestellt“, berichtet Meidinger gegenüber idowa. Dieser Nachholunterricht im Fach Erdkunde soll einen ganz klaren Bezug zum Thema Klimaschutz haben und von den Schülern mitgestaltet werden. Und noch eines war Meidinger wichtig: „Das war eine einmalige Ausnahme. Ich habe den Schülern unmissverständlich klargemacht, dass wir ein künftiges Fernbleiben vom Unterricht an Freitagen nicht hinnehmen können und dann auch entsprechend sanktionieren müssen.“

Kein Freifahrtschein für Schulschwänzer

Die an sich sehr positive Kernaussage der Initiative soll schließlich nicht von notorischen Schulschwänzern unterwandert und als Freifahrtschein für mehr Freizeit missbraucht werden. „Aus Erfahrung kenne ich da meine Pappenheimer unter den Schülern schon, die gerne mal den Unterricht ausfallen lassen. Von diesen Kandidaten war aber am Freitag niemand dabei. Tatsächlich handelte es sich dabei ausschließlich um sehr engagierte Schüler, die in unserer Umweltgruppe aktiv sind“, so Meidinger. Bereits am kommenden Freitag steht die nächste Kundgebung der Bewegung #fridaysforfuture an. Schüler des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf müssen dann jedoch vorschriftsgemäß die Schulbank drücken. Meidinger: „Wir haben den positiven Ansatz erkannt. Alternativ haben wir daher gestattet, dass Schüler unserer Umweltgruppe vor Unterrichtsbeginn entsprechende Flyer verteilen und informieren dürfen. Davon abgesehen glaube ich ohnehin nicht, dass diese Demonstration in Deggendorf nun zur festen Institution wird. Das sehe ich eher in Großstädten wie München oder Würzburg.“

Auch in Regensburg war am vergangenen Freitag ursprünglich eine derartige Demo geplant. Dort entfiel sie jedoch kurzfristig. Bernhard Rothauscher, Schulleiter des Goethe-Gymnasiums in der Domstadt beurteilt die Kampagne grundsätzlich erst einmal positiv: „Es ist doch eine gute Sache, wenn sich Schüler für ihre Zukunft einsetzen.“ Wichtig ist ihm jedoch eine offene Kommunikation zwischen Schülern und Schulleitung. „Wenn die Teilnahme an einer solchen Demonstration vorab bei der Schulleitung angemeldet und besprochen wird, dann sehe ich da kein Problem“, so Rothauscher. Etwaige Alleingänge widersprächen dagegen völlig dem Credo der Schule und müssten je nach Einzelfall entsprechend bewertet werden.

Gilt das Demonstrationsrecht auch für #fridaysforfuture?

Betrachtet man die Aktion #fridaysforfuture genauer, dann wird deutlich, dass man sich hier in einer Grauzone bewegt. Zwar hat nach Artikel 8 des Grundgesetzes jeder Deutsche das Recht, sich friedlich und ohne Waffen zu versammeln, doch weisen Rechts-Experten darauf hin, dass Schüler während der Schulzeit kein Streikrecht haben. Daher liegt es im Ermessen der jeweiligen Schulleitung, wie sie mit unentschuldigtem Fehlen zugunsten des Klimaschutzes umgeht. Um keine Sanktionen in Form von Verweisen befürchten zu müssen, sollten sich Schüler deshalb zwingend vorab mit der Schulleitung in Verbindung setzen.

 

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