Im Schnitt um 20 Prozent Frauen verdienen weiterhin deutlich weniger als Männer

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt verdienen Frauen weiterhin deutlich weniger Geld als Männer. Foto: Tobias Kleinschmidt/dpa/dpa

In Deutschland verdienen Frauen immer noch viel weniger Geld als Männer. Das ändert sich nur sehr langsam, weil die Ursachen tief in der Gesellschaft verwurzelt sind.

Wiesbaden - Die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland werden nur langsam kleiner.

Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Bruttostundenlohn der Frauen mit 17,72 noch um 20 Prozent niedriger als der von Männern mit 22,61 Euro, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden berichtete.

Vor einem Jahr hatte der Unterschied 21 Prozent betragen und 2014 waren es 22 Prozent. Europaweit liegt Deutschland damit auf dem vorletzten Platz. Nur in Estland fiel im Jahr 2018 der Lohnunterschied noch größer aus.

Die Lohnlücke fiel im Osten mit 7 Prozent erneut deutlich geringer aus als im Westen mit 21 Prozent. Hier wirkt sich immer noch aus, dass Frauen in der früheren DDR besseren Zugang auch zu besser bezahlten technischen Berufen hatten und häufiger auf vollen Stellen arbeiteten.

Drei Viertel der Gehaltslücke - die auch als Gender Pay Gap bezeichnet wird - lassen sich auf strukturelle Gründe zurückführen, wie das Bundesamt ausführte. So werden in frauentypischen Berufen historisch gewachsen durchweg geringere Gehälter gezahlt, Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und seltener in qualifizierten Führungspositionen. Hier könnten auch Erwerbspausen etwa zur Kindererziehung eine Rolle spielen, was aber statistisch nicht erfasst worden ist.

Den Berechnungen zufolge bleibt eine bereinigte Gehaltslücke von zuletzt 6 Prozent - also das, was Frauen bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit weniger verdienen als Männer. Auch diese Zahl ist tendenziell leicht rückläufig, wird aber nur alle vier Jahre genauer erhoben, zuletzt im Jahr 2014. Neuere Ergebnisse sollen erst Mitte dieses Jahres vorliegen. Das Bundesamt vermutet, dass sich ein Teil dieser verbleibenden Lücke durch die Karrierebrüche von Frauen erklären lässt, die ihre Erwerbsarbeit beispielsweise zur Kindererziehung unterbrochen oder reduziert haben.

Dies wird auch gestützt durch eine Studie der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung. Frauen übernähmen nach wie vor deutlich mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer - etwa Kinderbetreuung oder Aufgaben im Haushalt. "Frauen weichen deshalb im Job oft auf Teilzeit aus, was langfristig mit deutlichen Einbußen bei den Stundenlöhnen verbunden ist", erläutert die Forscherin und Mitautorin Karin Schulze Buschoff. Die Studie hat auch einzelne Berufe mit besonders hohen Einkommensunterschieden identifiziert. Bei gleicher Leistung und Qualifikation verdienen Frauen in Verkauf, Vertrieb und bei Banken weiterhin deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen.

Anlass der Veröffentlichung ist der so genannte Equal Pay Day, der in diesem Jahr auf den 17. März fällt. Der Termin gibt symbolisch an, bis zu welchem Tag im Jahr Frauen praktisch unbezahlt gearbeitet haben, obwohl sie die gleiche Arbeit wie Männer leisten, die bereits seit dem 1. Januar bezahlt werden. Unterschiede nach Qualifikation, Branchen oder Teilzeitquote werden hier nicht gemacht.

Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger verlangte eine stärkere Tarifbindung, weil in tarifgebundenen Branchen und Betrieben die Entgeltlücke deutlich geringer sei. Notwendig sei zudem die spürbare Aufwertung frauentypischer Berufe. "Wir brauchen aber auch eine andere Unternehmenskultur, etwa mit kurzer Vollzeit, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert wird", erklärte die Gewerkschafterin.

 

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