idowa-Umfrage Mehr Urlaub für Nichtraucher? Das sagen Wirte in Ostbayern

Ein Kellner bringt ein Tablett mit Bier an den Tisch. Foto: Marc Tirl/dpa

Regelmäßige Rauchpausen oder fünf Tage mehr Urlaub? Vor diese Wahl stellt ein Wirt aus Neustadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz seine Mitarbeiter in Küche und Service. Das Modell wird im Netz heiß diskutiert und auch bei den Wirten in Ostbayern gehen die Meinungen auseinander, wie eine idowa-Blitzumfrage zeigt.

Ein Wirt aus Rheinland-Pfalz will seinen Mitarbeitern, die auf Zigarettenpausen verzichten, im Ausgleich fünf Tage mehr Urlaub geben. Während die Netzgemeinde diskutiert, ob zusammengerechnete Paffpausen zwischendurch denn mit echten Urlaubstagen gleichgesetzt werden sollten, haben Juristen bereits Stellung bezogen: Im Prinzip sei eine solche Regelung möglich. „Die rauchenden Mitarbeiter erhalten durch zusätzliche Pausen einen Freizeitvorteil, der bei den nicht rauchenden Mitarbeitern durch die Urlaubstage angeglichen wird“, sagt Nathalie Oberthür, die Fachanwältin für Arbeitsrecht Juristin.

Der bayerische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sieht grundsätzlich kein Problem darin, wenn einzelne Wirte eine solche Regelung übernehmen wollen: „Wir haben Vertragsfreiheit“, sagt Dehoga-Bayern-Sprecher Frank-Ulrich John: „Wenn es Gastronomen so handhaben wollen, können sie das in ihre Verträge schreiben.“ Im Verband seien Zigarettenpausen der Mitarbeiter aber nie ein Thema gewesen: „Das regelt sich von ganz alleine. Als Bedienung zum Beispiel hat man seine Tische zu managen. Wenn die Gäste da ewig lange warten, während die Bedienung beim Rauchen ist, wird ein Wirt das nicht lange gut finden. Deshalb braucht es da unserer Erfahrung nach keine spezielle Regelung für Raucher und Nichtraucher.“

Urlaub gegen Rauchstopp ist anscheinend auch für viele ostbayerische Wirte kein attraktives Modell – aus unterschiedlichen Gründen, wie sie gegenüber idowa sagen.

„Wenn es eine Regelung braucht, stimmt was im Team nicht“

Für Michi Stöberl, die Wirtin der „Geiss“ in Straubing, ist das Rheinland-Pfälzer Modell eine Lösung für ein Nicht-Problem. „Bei den Mitarbeitern, die rauchen, merken wir es gar nicht, wann und wie oft sie zum Rauchen gehen“, sagt Stöberl: „Wenn es für Rauchpausen eine Regelung braucht, dann stimmt aus meiner Sicht etwas im Team nicht. Es muss selbstverständlich sein, dass man nicht zum Rauchen geht, wenn es gerade viel zu tun gibt und die Kollegen am Rotieren sind. Aber in einem Gastronomiebetrieb gibt es auch immer wieder zwischendurch Leerlauf, wo es niemanden stört, wenn jemand mal eine Zigarette raucht.“ Regelmäßige Pausen seien arbeitsrechtlich ohnehin vorgeschrieben, sagt Stöberl und fügt hinzu: „Eine Rauchpause dauert nicht lange. Die Leute gehen ja nicht raus und rauchen eine Zigarre, sondern sie sind nach zwei, drei Minuten wieder da.“

„Die Sache hat sich längst selbst erledigt“

Franz Hopper vom „Landshuter Hof“ in Landshut hingegen hat durchaus schon mal überlegt, eine Regelung wie die in dem Wirtshaus am Rhein einzuführen. Bis vor wenigen Jahren hatte er mit dem Gedanken gespielt, den Nichtrauchern drei Urlaubstage mehr anzubieten – auch als Anreiz für Raucher, aufzuhören. „Das hat sich aber dann ganz von selbst erledigt“, erzählt Hopper im Gespräch mit idowa: „Über die Jahre hatten wir immer weniger Raucher unter unseren Mitarbeitern. Mittlerweile haben wir fast keine Raucher mehr in der Belegschaft. Wir haben die Regelung, dass bei uns während der Arbeitszeit nicht geraucht wird. Daran halten sich die Mitarbeiter.“

„Lieber sollten die Nichtraucher eine zusätzliche Pause machen“

„Was für ein Blödsinn“, kommentiert Jan Pötke vom Wirtshaus und Biergarten „Oma in da Antn“ in Regensburg die Idee des Neustädter Gastwirts: „Ich biete den Nichtrauchern im Service und in der Küche an, dass sie sich stattdessen gerne für eine halbe Stunde mal hinsetzen und ein Bierchen trinken.“ Das sei die sinnvollere Variante, um die Pausen, die Raucher extra machen, auszugleichen: „Fünf Tage muss man auch erst mal zusammenbekommen. Ich glaube nicht, dass der Umrechnungsfaktor stimmt.“ Mit Blick auf die eigene Belegschaft und die Regensburger Kollegen zweifelt Pötke außerdem daran, dass eine solche Regelung allzu viel Unterstützung unter den Gastronomen finden würde: „Die Leute, die ich kenne, die in der Gastronomie arbeiten, rauchen praktisch alle.“

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