Hygiene-Zuschlag beim Haareschneiden Wie viel mehr ist der Friseurbesuch wert?

Petra Zander, Vorsitzende für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks, in ihrem Salon in Lindau am Bodensee. Auch in ihrem eigenen Salon achtet Petra Zander auf die Umsetzung der strengen Hygienevorschriften. Foto: Heiko Zander

Strenge Hygieneauflagen, mehr Arbeit, weniger Kunden: Fünf Monate nach dem Lockdown haben wir bei Friseuren in der Region nachgefragt, wie sehr sie die Folgen der Krise spüren und was es mit dem sogenannten Hygiene-Aufschlag auf sich hat.

„Für die Unternehmen ist seit Beginn der Corona-Krise mehr Arbeit angefallen“, sagt Petra Zander, Vorsitzende für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks auf idowa-Nachfrage.  

Die strengen Hygienevorschriften forderten den Friseurgeschäften einiges ab. „Wir brauchen ein Eintrittsprotokoll, eigenes Werkzeug für jeden Kunde, Schutzausrüstung für Mitarbeiter und auch eine erweiterte Gefährdungsbeurteilung. Die hatte schon zu Beginn 53 Seiten pro Salon“, erklärt Zander. Auch die Abstände zwischen Kunden und Mitarbeitern sowie die Abstände in den Aufenthaltsräumen mussten angepasst werden.

Das ist nicht immer einfach, wie auch Doris Kornherr bestätigt. Ihr gehören insgesamt drei Friseursalons in Niederbayern. "Wir können so wesentlich weniger Kunden im Salon bedienen. In den "KornHair Intercoiffure"- Salons in Wallersdorf und Osterhofen arbeiten wir im Zwei-Schichten-System, weil wir einfach den Platz nicht haben. In Deggendorf haben wir zwei Stockwerke, da können wir ausweichen."

Weniger Kunden, mehr Kosten

In vielen Betrieben ist die Auslastung seit Beginn der Krise geringer – trotz Mehrkosten, die auf die Friseursalons zukommen. Das bestätigt auch Petra Zander. Um dem entgegenzuwirken haben viele Friseure ihre Öffnungszeiten ausgeweitet, um die Termine im Schichtbetrieb zu entzerren und genug Zeit zu haben, um alles zwischendurch zu desinfizieren.

Damit ihre Mitarbeiter auf ihre Arbeitsstunden kommen, hat auch Doris Kornherr die Öffnungszeiten um zwei Stunden verlängert. Außerdem sind die Salons inzwischen auch montags geöffnet. "So können wir die Mitarbeiter besser auf die Fläche und Zeiten verteilen und trotzdem die Abstände einhalten."

August Aigner vom Friseursalon Aigner in Straubing hält die verlängerten Öffnungszeiten nicht immer für optimal. "Dafür braucht man den entsprechenden Personalkörper. Wir haben uns gesagt: Der Kunde hat durch Corona so viele Veränderungen erlebt, wir wollen hier keine haben, um auch das vertraute Gefühl zu geben", sagt er. Aigner und seine Frau setzen in der Krise weiter auf gute Terminarbeit, um auch den "Wellnessaspekt" für die Kunden weiter gewährleisten zu können.

Kunden sind vorsichtiger

Dennoch berichtet Aigner, dass sich das Verhalten der Kunden seit Beginn der Krise verändert habe. "Die Kunden sind etwas defensiver, was ja derzeit auch verständlich ist." Auch die Häufigkeit der Friseurbesuche habe sich bei vielen reduziert. "Corona trifft ja auch andere Bereiche und Branchen. Viele Menschen sind in Kurzarbeit und da muss auch jeder schauen, wo Geld überbleibt und in welchem Bereich sich Geld sparen lässt."

Auch Doris Kornherr sagt, dass die Krise bei den Kunden Spuren hinterlassen habe. Einige verzichten lieber auf eine neue Haarfarbe, weil sie die Maske nicht so lange tragen wollen, andere sind sehr vorsichtig geworden, weil sie Angst vor einer Ansteckung haben. "Wir halten uns aber strikt an alle Hygiene-Maßnahmen und wollen, dass sich die Kunden sicher fühlen."

Hygiene-Pauschale für Mehraufwand

Viele Friseure verlangen von ihren Kunden inzwischen einen sogenannten Hygiene-Zuschlag. Dabei gehe es aber nicht um Gewinnmaximierung, sondern um den Erhalt des Unternehmens. „Durch die neuen Bedingungen haben Friseursalons wegen der Mehrarbeit und zusätzlichen Fixkosten höhere Ausgaben. Deswegen müssen teilweise die Preise angepasst werden“; erklärt Petra Zander.

Wie hoch der Hygiene-Aufschlag ausfällt, lasse sich pauschal aber nicht sagen. „Jeder Unternehmer hat andere Ausgaben und da ist es dann eine Frage der individuellen Kalkulation, wie hoch der Zuschlag sein muss, um über die Runden zu kommen.“

Doris Kornherr hat sich für einen Hygiene-Aufschlag entschieden. Vier Euro mehr verlangt sie pro Haarschnitt. "Wir müssen jetzt jedes Haar vor dem Schneiden und auch vor den Steckfrisuren extra waschen. Das ist mit einem enormen Zeitaufwand verbunden." Dazu komme die Zeit, die man brauche, um jeden Platz und jedes Werkzeug zu desinfizieren. 

Preise an neue Situation angepasst

"Wir sind ein Handwerksbetrieb und rechnen nach Stunden ab wie andere Handwerker auch. Wir müssen wegen der Hygienevorschriften meist 15 Minuten pro Kunden mehr einplanen. Der Mitarbeiter kann den nächsten Kunden nicht schon nach einer halben Stunde, sondern erst nach einer Dreiviertelstunde frisieren. Das muss ich in meine Preise einkalkulieren", erklärt Kornherr.

Diesen Zuschlag macht sie sowohl in Gesprächen als auch auf ihrer Homepage transparent. Dort schlüsselt sie zudem auf, welche zusätzliche Kosten derzeit auf ihre Salons zukommen. "Die meisten haben Verständnis dafür, weil sie den Aufwand auch sehen, wenn sie zu uns kommen."

Der Friseursalon Aigner hat sich dagegen für eine andere Lösung entschieden. Auch dort spürt man den Mehraufwand und die zusätzlichen Kosten für Desinfektionsmittel, Schutzmasken und Plexiglasscheiben. "Wir haben auch eine Preisanpassung durchgeführt. Aber nicht mit einem Hygiene-Aufschlag. Das finde ich schwierig. Wie soll ich den Aufwand für einen Kinderhaarschnitt, der eine halbe Stunde dauert, mit dem einer aufwendigen Damenfrisur gleichsetzen, bei dem die Frau drei Stunden im Salon sitzt?" Man habe sich daher entschlossen, die Preise einzeln umzulegen, je nachdem, wie viel Mehraufwand die jeweilige Behandlung erfordere. 

Umsatzverluste noch nicht genau bezifferbar

"Die meisten Kunden haben das aber auch verstanden", sagt Aigner. Zugute käme den Kunden jedoch inzwischen die Mehrwertsteuersenkung der Regierung, die im Salon Aigner an die Kundschaft weitergegeben wird. "Wir haben 95 Prozent Stammkunden und für ihre Treue wollten wir ihnen auch etwas zu gute kommen lassen. Somit hat sich die Preisanpassung inzwischen durch die Mehrwertsteuersenkung fast relativiert."

Den Kunden rät die Petra Zander, sich vorher nach den Preisen zu erkundigen. „Jeder kann seinen Friseur ja selbst wählen und entscheiden, was ihm ein Friseurbesuch sowie sicheres und hygienisches Arbeiten wert sind.“

Wie hoch genau die Umsatzverluste ausfallen, lässt sich laut Landesinnungsverband erst am Jahresende sagen. "Natürlich spürt man die sechs Wochen ohne Umsätze während des Lockdowns. Aber wer vernünftig arbeitet, kann solche Krisen auch überstehen - solange kein zweiter Lockdown kommt", sagt Aigner. 

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