Hohe Nachfrage in Coronazeiten Telemedizin "made in Oberschneiding" boomt

So sieht die Startseite von viomedi aus. Mit einer PIN, die sie von ihrem Arzt erhalten, können sich Patienten anmelden. Danach beginnt die Video-Sprechstunde. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie greifen immer mehr Ärzte auf Videosprechstunden wie viomedi zurück. Foto: Screenshot/viomedi

Vor etwa zwei Jahren hat idowa über Stefan und Melanie Knobl berichtet. Sie haben mit viomedi ein eigenes Videosprechstunden-Programm für Ärzte entwickelt. Damals war Telemedizin eher noch ein Nischenthema – durch die Ausbreitung des Coronavirus erhält sie nun aber viel Zulauf.

Die Zukunft ist digital. Da sind sich nicht nur Vertreter von Online-Unternehmen sicher, sondern auch viele Verbraucher. Und zwar auch wenn es um das heikle Thema Gesundheit geht. In einer Umfrage von bitkom, des Branchenverbands der Digitalwirtschaft, aus dem Jahr 2019 gingen 46 Prozent der Befragten davon aus, dass zumindest Teile der medizinischen Versorgung in Zukunft ausschließlich digital stattfinden werden. Und zwei von drei befragten Smartphone-Nutzern verwendeten bereits Gesundheits-Apps.  

Diesen Trend bedienen seit Dezember 2017 auch Stefan und Melanie Knobl mit ihrem Team von viomedi. Damals noch in Leiblfing, mittlerweile sitzen sie im nicht allzu weit entfernten Oberschneiding. Als wir im Februar 2018 über ihr Projekt berichteten, waren sie gerade in der "Akquise-Phase". "Wir wussten damals bereits, dass es mit der Telemedizin noch etwas dauert und wir dieses Produkt mit längerem Atem aufbauen müssen", berichtet Stefan Knobl heute. Doch das Durchhalten lohnte sich: "In den letzten Monaten war generell ein positiver Trend erkennbar", so der 35-Jährige. Besonders in Ballungsgebieten wie Hamburg oder Düsseldorf wurde ihre Videosprechstunde zunehmend beliebter.

Dann kam Corona. "Seitdem wir in Deutschland mit den Einschränkungen durch das Virus zu kämpfen haben, setzen sich Ärzte, egal welcher Fachrichtung, intensiver mit dem Thema Videosprechstunde auseinander. Dies merken wir auch an unseren stark wachsenden Nutzerzahlen", berichtet Knobl. Genaue Geschäftszahlen möchte er lieber nicht öffentlich nennen, nur so viel: "Im ostbayerischen Raum melden sich momentan ganze Ärztenetze bei uns, um die Versorgung ihrer Patienten weiterhin gewährleisten zu können."

Lesen Sie hier unseren ursprünglichen Artikel: Die Video-Sprechstunde ist auf dem Vormarsch

Sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten seien Befürchtungen vorhanden, sich mit dem neuartigen Virus anzustecken. Die Videosprechstunde ist für Knobl eine logische Lösung, denn es gibt keinen direkten Kontakt zwischen Arzt und Patient. "Patienten haben mit der Videosprechstunde die Möglichkeit, sich mit Ihrem Arzt auszutauschen, ohne das Risiko einer Ansteckung einzugehen." Das sei gerade für Angstpatienten eine große Erleichterung. Umgekehrt würden auch die Ärzte profitieren. Sie können Patienten auch ohne direkten Kontakt vorab in die richtige Richtung lenken.

Gesundheitssystem im Wandel

Generell seien die "Berührungsängste" beim Thema Telemedizin heute wesentlich geringer als noch vor zwei Jahren – unabhängig von der aktuellen Corona-Pandemie. "Das Gesundheitssystem verändert sich aktuell sehr stark. Sei es die digitale Patientenakte, das E-Rezept oder die elektronisch übermittelte Krankmeldung – es passiert im Moment viel Spannendes", so Knobl.

Komplett ersetzen kann und wird die Videosprechstunde den Arztbesuch natürlich nicht. Das war dem 35-Jährigen aber von Anfang an klar: "Es gibt natürlich auch Bereiche in der Medizin, bei denen der persönliche Kontakt einfach notwendig ist. Aber da, wo er es nicht ist, ist die Video-Sprechstunde eine gute Alternative." Das gilt heute noch genauso wie vor zwei Jahren.

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