Höhenluft Lukas Irmler ist Slackliner

Lukas war weltweit schon auf vielen Slacklines unterwegs. Die über die Victoriafälle in Afrika war eines seiner Highlights. Foto: Jaques Marais/adidas

Lukas Irmler ist professioneller Slackliner. Nach Projekten auf der ganzen Welt will der Extremsportler schon bald auch in Landshut eine Strecke gehen – von der Martinskirche zur Burg Trausnitz.

Luke Skywalker lebt. Wie jetzt? Starb der nicht am Ende von „Stars Wars: Die letzten Jedi“? Doch, du hast im Kino schon aufgepasst. Alles richtig. Und trotzdem nochmal: Luke Skywalker lebt. Unter uns. Ist in Bayern daheim. Und in der Welt zuhause. Luke Skywalker – der Spitzname von Lukas Irmler. Was er macht? Auch nichts anderes als du im Sportunterricht, an der Uni in der Freistunde oder nachmittags im Park um die Ecke. Nur professionell. Slacklinen. Das Balancieren auf einem gespannten Seil. 25 Millimeter misst das Kunststoffband, auf dem Lukas herumspaziert. Und wer es schon mal selbst ausprobiert hat, der weiß: gar nicht so einfach. Nicht im Garten. Und noch viel weniger dort, wo der 30-Jährige unterwegs ist. Beispiele gefällig? Kein Problem: Er balancierte vor der traumhaften Kulisse der Victoriafälle mitten in Afrika, stellte in Peru am Vulkan Misti in über 5 700 Metern einen neuen Höhenrekord auf oder lag auf der Zugspitze unweit des Gipfelkreuzes ganz entspannt auf seiner Slackline – unter ihm ein tiefer Abgrund.

Hoch, schwierig, unmöglich: Lukas kann nicht genug haben

Man könnte die Liste mühelos fortführen. Lukas ist so etwas wie ein moderner Hochseilartist. Es kann ihm gar nicht zu hoch, zu schwierig, zu unmöglich sein. Auf der Slackline fühlt er sich am wohlsten. Was ihn antreibt? „Das Neue. Ich suche stets die Herausforderung.“ Das Spannende ist nicht unbedingt das Slacklinen an sich, sondern das Davor und das Danach, erklärt Lukas. „Wie komm’ ich hin, wie bau’ ich auf, wie komm’ ich gefahrlos wieder weg. Am Anfang weiß man nie, wie das funktionieren soll. Aber irgendwie klappt’s doch jedes Mal wieder.“ So wie zum Beispiel voriges Jahr. Da beging er in Frankreich bei Grenoble eine 430 Meter lange Highline, die in zwei gefrorenen Wasserfällen verankert war. Klingt völlig verrückt? War es für den Freisinger selbst auch – bis er die verrückte Idee mit anderen Slacklinern gründlich durchdachte und in die Tat umsetzte. „Man geht natürlich immer ein gewisses, kalkuliertes Risiko ein. Wichtig ist, immer so viele Vorkehrungen zu treffen, dass selbst im schlimmsten Fall eine Sicherung vorhanden ist.“

Einen Weltrekordversuch bricht Lukas ab – zu gefährlich

Sicherheit ist ihm überhaupt sehr wichtig. Lukas würde nie ohne zusätzliche Sicherungsleine und Klettergurt gehen. Er zählt zu den Vorreitern bei diesem Thema. Und wenn es zu gefährlich wird, bricht er ein Projekt auch mal ab. Wie im Sommer 2018 in Norwegen. Dort wollte Lukas eine 2,8 Kilometer lange Slackline begehen. Ohne Pause. Es wäre der Längenweltrekord gewesen. Wäre. Starker Wind ließ das Vorhaben scheitern, die Slackline war ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach nicht mehr begehbar. „Das war eine krasse Challenge und das Gefährlichste, was ich auf einer Slackline je erlebt habe“, gesteht der Extremsportler.

Dagegen klingt eine andere Idee ganz harmlos. In Straubing war Lukas bereits mehrmals zu Gast, balancierte zum Beispiel die 172 Meter lange Strecke vom Turm der Basilika St. Jakob bis zum Stadtturm. In Landshut hat er ähnliches vor. Die Strecke Martinskirche – Burg Trausnitz hat es ihm angetan. Lukas hofft, die Verantwortlichen von Stadt, Schlösserverwaltung und Diözese von seiner Idee zu überzeugen.

Vielleicht lassen sie sich ja begeistern, wenn sie das Video sehen, das erklärt, wie Lukas seinen Spitznamen bekam: Er stürzt sich von der Slackline kopfüber nach unten, fliegt unter dem Kunststoffband durch und landet dann, von der Sicherungsleine nach oben gezogen, mit beiden Beinen wieder auf dem Band. „Skywalker“ heißt der Trick, den vorher noch niemand schaffte. Und der Lukas Irmler in der Szene eben seinen Namen einbrachte: Luke Skywalker.

 

Foto: Vale Rapp

Steckbrief

Geboren ist Lukas 1988 in Dachau. Er hat nach seinem Abitur studiert und auf seinen Bachelor in Chemie einen Master in Wirtschaftswissenschaften draufgepackt. Zum Slacklinen kam er erst im Alter von 18 Jahren. Mittlerweile kann er davon leben – dank Sponsoren, Events, Shows und Vorträgen bei Firmen und Veranstaltungen, etwa zu den Themen Motivation, Zielsetzung und Selbstwirksamkeit. Eindrücke von seinen Projekten gibt’s auf Instagram, Facebook und YouTube oder auf seiner Webseite unter www.lukas-irmler.com.

 
 

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