Hochwasser in Passau Weitere Fluten oder vorsichtiges Aufatmen?

, aktualisiert am 19.07.2021 - 07:18 Uhr
Ein Mann trägt Sandsäcke um Abdichten von Türen und Fenstern durch das Wasser der Donau, das auf der Uferpromenade der Stadt Passau steht. Foto: Peter Kneffel, dpa

Die Hochwasser-Gefahr in Bayern ist noch nicht gebannt. Im Berchtesgadener Land ist der Schaden schon groß. Nun richten sich die Blicke auf Passau.

Die Hochwasserlage im Süden und Osten Bayerns ist weiter angespannt, hat sich aber zuletzt nicht weiter zugespitzt. In Passau stieg der Pegelstand der Donau zunächst zwar an, blieb in der Nacht zum Montag aber dann stabil und erreichte nicht, wie zuvor befürchtet, die höchste Hochwasserwarnstufe. Uferpromenade und Parkplätze waren bereits überflutet worden, Bewohner schützen Häuser mit Sandsäcken und Barrieren.

Im Berchtesgadener Land in Oberbayern gingen einem Polizeisprecher zufolge in der Nacht zum Montag die Regenfälle zurück. Dort hatte die Wucht des Wassers am Wochenende mit voller Kraft zugeschlagen, weil der Fluss Ache über die Ufer trat. Mehr als 160 Menschen mussten in der Urlaubsregion rund um den Königssee aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden, wie eine Sprecherin des Landratsamtes am Sonntagabend erklärte. Ein Geologe prüfe stets die Hänge, ob es dort zu Abrutschen kommen könne. Vorsichtigen Anlass zur Hoffnung gibt die Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der für Montag das "Ende der Dauerregenlage" erwartet.

In Passau schaute man derweil mit bangen Blicken auf Donau und Inn. Am Sonntagabend betrug der Pegel an der Donau 8 Meter, das entspricht der zweithöchsten Warnstufe, wie die Stadt mitteilte. In der Nacht zum Montag blieb der Pegelstand zunächst deutlich unter der Marke von 8,50 Meter, ab der die Hochwasserwarnstufe 4 gilt. Prognosen des Hochwassernachrichtendienstes hatten zuvor einen Anstieg des Pegelstands in der Nacht auf maximal 8,65 Meter nahegelegt.

"An der Donau, also an der Schanzlbrücke, befinden wir uns derzeit zwischen den Meldestufen 3 und 4", so Siegfried Brunner vom Hochwassernachrichtendienst des Wasserwirtschaftsamts Deggendorf am Montagmorgen im Telefoninterview. "Die höchste Meldestufe haben wir also nicht erreicht. Der Wasserstand fällt bereits jetzt tendenziell wieder."

Am Inn sei die Situation ähnlich: "An der Marienbrücke sind wir bei Meldestufe 2. Auch hier werden im Laufe des Tages fallende Wasserstände erwartet", so Siegfried Brunner weiter.

Vorsorglich seien Fahrzeuge an den Ufern entfernt worden, man rechne aber mittlerweile mit einer Beruhigung der Lage, sagte ein Polizeisprecher am frühen Montagmorgen. "So wie es aktuell ausschaut, haben wir alles im Griff."

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Das Eulensiegel Festival ist von der Ortsspitze auf den Domplatz umgezogen. Die Konzerte finden dennoch statt. "Wir spielen immer", schreibt Organisator Till Hofmann auf seinem Facebook Account.

Meldestufe drei erreichten zunächst auch Flüsse in anderen Regionen wie in Oberbayern die Salzach im Raum Burghausen (Landkreis Altötting) und die Loisach bei Eschenlohe im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Es drohten auch in München an der Isar und im Landkreis Altötting Überschwemmungen. In Wasserburg am Inn könnte in der Nacht die Hochwasser-Meldestufe drei überschritten werden. Weitere Angaben gebe es allerdings erst am Montagmorgen, sagte der Sprecher.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat den vom Hochwasser betroffenen Menschen in Südostbayern derweil Hilfe und Unterstützung zugesichert. "Wir lassen da niemanden allein, ganz sicher nicht", sagte Söder am Sonntagnachmittag in Schönau am Königssee. Unabhängig von in Aussicht gestellten Hilfen des Bundes werde man auch in Bayern überlegen, wie man helfen könne. Söder und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatten sich am Sonntag in dem Hochwassergebiet über die Lage informiert.

Das bayerische Kabinett werde am Dienstag beschließen, wie Hilfen aussehen könnten, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Sonntagabend im Interview mit der "BR24 Rundschau". Hilfen solle es auch vom Bund geben. "Wir werden diese Menschen dort nicht allein lassen", betonte auch Herrmann. Es gehe darum, Straßen und Brücken so schnell wie möglich wieder aufzubauen, aber auch betroffenen Familien zu helfen. "Das wird sehr unbürokratisch und schnell erfolgen müssen", machte der Innenminister deutlich.

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