Heute startet das „Grenzfähnlein“ nach Spanien Vorstand Roder: Ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte

Geschützt von einem Leinentuch wird die „Grenzfahne“ feinsäuberlich aufgerollt und reisefertig gemacht: Bereits am Sonntagabend hatten die Spielmannszügler einen Transporter bepackt, der sich in der Nacht zum Mittwoch auf den Weg nach Spanien machte. Foto: Thomas Linsmeier

Furth im Wald. Wenn Sie diese Zeilen lesen, dürfte die Further Grenzfahne bereits irgendwo in Frankreich unterwegs sein - mit dem dreiköpfigen Vorauskommando des Spielmannszuges „Grenzfähnlein“. Ziel: Malgrat de Mar, nördlich von Barcelona. Der Rest des Zuges folgt ab 11 Uhr, zunächst mit dem Bus, später mit dem Flugzeug. An der Mittelmeerküste will der deutsche Meister einen weiteren Meilenstein in seiner 58-jährigen Vereinsgeschichte setzen - mit einer guten Platzierung beim XVI. Festival International de Bandes de Musica. Erstmals nimmt der Further Spielmannszug damit an einem internationalen Wettstreit mit Zügen aus fünf Nationen teil. Doch warum überhaupt?

Diese Frage stellte die Chamer Zeitung Andreas Roder, dem Vorstand des „Grenzfähnleins“, der diesen Musikzug unter seiner Ägide zu bisher nie da gewesenen Erfolgen geführt hat. Dass diese Erfolge möglich waren und auch sind, dafür ist für ihn eines unerlässlich: ein Vereinsleben, das Spaß macht. „Niemand geht mit einer dicken Uniform bei 30 Grad gerne durch die Stadt und spielt dabei ein Instrument. Wichtig ist die Kameradschaft, dass man mit Freunden zusammen ist“, erklärt Roder die Basis für den Erfolg. Aus diesem Grund versuche der Spielmannszug immer wieder, während des Vereinsjahres das eine oder andere „Highlight“ zu setzen. Das kann die Teilnahme an Meisterschaften sein, aber auch ein herausragender Einsatz. Und es ist natürlich der Drachenstich, an dem jeder Spielmannszügler - in der verschiedensten Art - mitwirkt.

Doch der „Feind“ guter Motivation ist der Herbst und der Winter. Dann ist der Spielmannszug weniger zu sehen - abgesehen vom Christkindlmarkt. Und genau in diese Zeit versuchen Roder und sein Vorstands-Team, immer wieder Höhepunkte zu setzen. „Ansonsten wäre die Zeit vom Ende des Drachenstichs bis zu den ersten Meisterschaften, die im Frühjahr stattfinden, einfach zu lange.“ Deshalb legt das „Grenzfähnlein“ in diese Monate alle paar Jahre große Konzertabende, aber auch Konzertfahrten. So ging es im September vor vier Jahren nach New York zur Steuben-Parade, im Oktober 2005 nach Rom zum Gastspiel vor Papst Benedikt. Diesmal hat man sich eben Malgrat de Mar in Spanien zum Ziel gesetzt. Und da ist Roder bereits beim zweiten Grund, warum das „Grenzfähnlein“ zu dieser Tour aufbricht.

„Titel verpflichten“, betont er. Das mag arrogant klingen, ist es aber keineswegs. Wie kaum ein anderer Verein dominiert das „Grenzfähnlein“ seit Jahren die bayerische und bundesweite Spielmannszug–szene. Zweimal deutscher Meister, einmal deutscher Vizemeister, viele Male bayerischer Meister in den verschiedenen Kategorien. Diese kontinuierlich hohen Leistungen, die in erster Linie Gesamtausbilder Hermann Dirscherl zu verdanken sind, lassen die Further aus der Masse herausstechen. Und daraus ergeben sich wiederum solche Auftritte wie ab heute in Spanien.

„Einfach so teilnehmen darf man bei einer internationalen Meisterschaft nicht. Man muss sich bewerben, seine bisherigen Leistungen aufzeigen. Dort treten Formationen mit sehr hohem Niveau auf“, betont Roder. Er sieht die Zeit reif, dass sich das „Grenzfähnlein“ auch mal auf internationaler Ebene vergleicht, sieht, wo der Zug steht, dabei Erfahrungen sammeln kann für künftige Herausforderungen. „Wenn wir es dabei schaffen sollten, am Ende auf dem Siegertreppchen zu landen, um so besser. Das wäre natürlich ein Traum“, betont der Vorstand, gibt es doch bereits für einen dritten Platz - anders als bei deutschen Wettwerben – eine Siegprämie im vierstelligen Bereich. Nervös sind er und seine Musiker deshalb noch nicht. „Angespannt, ja, das sind wir schon. Wir freuen uns schon riesig darauf“, betont der Vorsitzende, der im beruflichen Leben die Further Sparkasse leitet, und stellt auch das Gruppenerlebnis heraus. „Das wird für alle, die dabei sind, eine tolle Sache!“

Natürlich hofft Roder, dass alles ohne Probleme abläuft. Mit einer 53-köpfigen Gruppe, davon viele im Jugendalter, durch halb Europa zu reisen, bringt sicherlich so manche Herausforderung mit sich. „Haben wir alle Instrumente dabei, fällt uns nicht noch kurzfristig ein wichtiger Spieler aus, klappt unten in Spanien alles...“, beschreibt er die Sorgen, die ihm seit Tagen immer wieder durch den Kopf gehen. Doch er weiß auch, dass man mit New York bereits organisatorisch ein größeres Abenteuer problemlos gemeistert hat. „Mittlerweile haben wir darin schon eine gewisse Routine.“

Das war auch am Sonntagabend spürbar, als die Uniformen und die Instrumente in einen Transporter, den das Autohaus Mühlbauer kostenlos zur Verfügung stellt, vor dem Ausbildungsheim auf der Festwiese verladen wurden. Dieser machte sich am heutigen Mittwoch um 2 Uhr mit Vize-Vorstand Christian Staudner, Melanie Eibl und Nicolas Traurig auf den rund 1500 Kilometer weiten Weg nach Malgrat de Mar. Mit an Bord die Grenzfahne, die bereits in Berlin, Nancy, Rom und New York geweht hat.

 
 
 

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