Helsinki EVP wählt Manfred Weber zu ihrem Spitzenkandidaten

, aktualisiert am 08.11.2018 - 14:35 Uhr
Glückwünsche: Der gewählte Spitzenkandidat für die Europawahl, Manfred Weber, umarmt Kanzlerin Merkel. Foto: Markku Ulander/Lehtikuva

Mit 79 Prozent der Stimmen haben die Delegierten des Parteikongresses der europäischen Volkspartei (EVP) am Donnerstag den CSU-Politiker und EVP-Fraktionschef Manfred Weber zu ihrem Spitzenkandidaten für die Europawahl im kommenden Jahr gewählt. Der Niederbayer hat damit gute Chancen darauf, Jean-Claude Juncker als Präsidenten der EU-Kommission abzulösen.

Weber setzte sich damit klar gegen seinen Mitbewerber, den früheren finnischen Regierungschef Alexander Stubb, durch. Mit einer immer wieder von viel Beifall unterbrochenen Rede hatte Weber zuvor vor den Delegierten für seine Wahl geworben. Mit sehr persönlichen Worten entwarf Weber ein Bild von Europa, in dem die Menschen das Gefühl haben, „zu Hause zu sein“. Er sein ein Brückenbauer, das liege in seiner „DNA“. Die EVP-Parteienfamilie forderte er zu Selbstbewusstsein auf, basierend auf einem klaren Wertegerüst: „Ich brauche keine Liberalen, keine Sozialisten, keine Brüssel-Blase, die mir sagt, was die Zukunft Europas ist“, sagte er unter stehendem Applaus der Delegierten.

Europa den Menschen zurückgeben ist schon seit Längerem das Motto des Europapolitikers. Zugleich distanzierte sich Weber klar von Rechtspopulisten wie dem italienischen Innenminister Matteo Salvini oder der polnischen PiS, deren Ziel es sei, Europa „zur Hölle“ zu schicken. Er wolle ihnen nicht erlauben, Europa zu spalten. Zudem sprach er sich für einen starken Grenzschutz auf. Illegale Migration müsse gestoppt werden.

Kampf gegen Krebs forcieren

Weber rief dazu auf, gemeinsam den Kampf gegen Krebs zu forcieren. Sein Bruder sei an Krebs gestorben. Ziel müsse es sein, einen Masterplan zu entwickeln, um Krebs zu besiegen. Europa dürfe nicht nur zum Nutzen von hochgebildeten Eliten, „die mehrere Sprachen sprechen“ dienen, sondern für alle Menschen da sein. Das war eine klare Spitze gegen seinen Kontrahenten Stubb, der sich in seiner Rede in mehreren Sprachen an die Delegierten wandte.

Stubb blieb in seiner Rede im Gegensatz zu Weber eher im Allgemeinen. Er warb für seine Vision von einem vereinten, sichereren und moderneren Europa. Europa müsse die Digitalisierung als Anlass nehmen, um seine Wirtschaft zu modernisieren und mehr für den Klimaschutz tun. Er erinnerte daran, dass seine Partei Kokoomus (Nationale Sammlungspartei) auf der Verteidigung von Werten basiere und zu den am stärksten von einer pro europäischen Haltung getragenen Partei sei.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte für Weber geworden. Sie dankte Stubb für dessen Kandidatur, machte aber klar: „Mein Herz schlägt für Manfred Weber.“ Sie rief dazu auf, sich nicht von Hass und Desinformation beeindrucken zu lassen. Der Europawahlkampf werde einer der schwierigsten seit Langem werden. Doch die EVP habe die Chance, wieder stärkste Kraft zu werden.

Im Wahlkampf wird sich Weber mit dem amtierenden Kommissionsvize Frans Timmermanns auseinandersetzen müssen. Die Sozialdemokraten hatten den Niederländer bereits zu ihrem Spitzenkandidaten bestimmt.

Ein ausführliches Porträt zu Manfred Weber lesen Sie auf idowa+.

 
 

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