Hausen Ursachenforschung auf der A93: Wer haftet?

, aktualisiert am 18.11.2018 - 10:00 Uhr
Betonbrocken auf der A93 hatten in der Nacht auf Mittwoch zu einer Kettenreaktion geführt. Autos wurden durch die Trümmer beschädigt, anschließend raste ein Kleintransporter in die Absicherung der Unfallstelle. Foto: Franz Doblinger/ FF Langquaid

Die Autobahndirektion Südbayern zieht die Notbremse auf der A93. Tempolimit 80 auf einem Streckenabschnitt zwischen Regensburg-Süd und Elsendorf. Auslöser für diese Maßnahme waren Unfälle in der Nacht auf Mittwoch durch herausgebrochene Betonstücke. Doch wer haftet nun dafür?

Nach den Unfällen in der Nacht auf Mittwoch auf der A93 bei Hausen (Kreis Kelheim) in Richtung München ist auf dieser Strecke besondere Vorsicht geboten. Dort waren größere Brocken eines an sich stabilen Materials herausgebrochen, die letztlich Schäden an Fahrzeugen verursachten und zu einem schweren Unfall führten, als ein Kleintransporter in einen Sicherungsanhänger der Autobahnmeisterei krachte.

Tags darauf reagierte die Autobahndirektion Südbayern sofort und ordnete ein Tempolimit von 80 km/h an. Betroffen davon ist der rund 40 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen den Anschlussstellen Regensburg-Süd und Elsendorf. Der Grund: Aktuell kann nicht gewährleistet werden, dass nicht auch an anderen Stellen Teile des Epoxidharzmörtels herausgebrochen sind. Erhöhtes Unfallrisiko.

Lesen Sie hierzu: Autobahndirektion zieht die Notbremse auf der A93

Eine Fachfirma hatte im Jahr 2013 die Reparaturarbeiten mit dem Epoxidharzmörtel durchgeführt. „Normal hat man eine Gewährleistung von vier bis fünf Jahren nach solchen Arbeiten. Zusätzlich werden wöchentlich mehrmals Kontrollen durchgeführt. Eine Garantie hat man leider nie“, berichtet Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern, gegenüber idowa. Derzeit werde ermittelt, wie es zu diesem Vorfall kommen konnte. Wie schätzt der Sprecher die Fachfirma ein, die die Arbeiten ausgeführt hat? „Diese Firma führt seit vielen Jahren entsprechende Arbeiten für uns durch und hat dies stets gut und solide gemacht.“

Auswirkungen der Massenkarambolage 2013

Im Raum steht die Haftungsfrage. Seebacher erklärt: „Zunächst einmal sind die Verkehrsteilnehmer selbst in der Verantwortung. Jeder Verkehrsteilnehmer ist per Gesetz dazu angehalten, seine Geschwindigkeit so anzupassen, dass er im Fall der Fälle vor einem solchen Hindernis anhalten könnte.“ Bedeutet also im Umkehrschluss, dass die bei den Unfällen am Mittwoch betroffenen Autofahrer möglicherweise erst einmal auf ihrem Schaden sitzenbleiben.

Die Autobahndirektion Südbayern sei laut Seebacher dazu angehalten, unverzüglich vor einer möglichen Gefahrensituation zu warnen. „Das haben wir getan. Deshalb auch das Tempolimit von 80 km/h“, sagt Seebacher. Erst, wenn es zu einem weiteren Vorfall dieser Art kommen sollte, seien nicht mehr die Verkehrsteilnehmer in der Verantwortung.

Immer wenn es zu Vorfällen wie diesen kommt, bedeutet das auch noch in anderer Hinsicht Probleme. Es finden sich kaum noch Fachfirmen, die für ihre Arbeiten Gewährleistungen geben wollen. Der Grund: die Massenkarambolage durch „Blow-Ups“ auf der A93, bei der im Juni 2013 ein Motorradfahrer ums Leben kam. Laut Seebacher habe die Staatsanwaltschaft sehr genau nachgeforscht und prüfte, ob man die Arbeiter dafür verantwortlich machen könne.

Keine Zementarbeiten möglich

Der damalige Unfall ereignete sich nur wenige Kilometer entfernt von der aktuellen Unfallstelle auf der A93 bei Hausen. Von einer Gefahrenstelle möchte Seebacher jedoch keinesfalls sprechen und erklärt: „Beide Fälle sind absolut nicht miteinander vergleichbar. Damals hatte sich die Fahrbahn durch die hohen Temperaturen ausgedehnt und aufgewölbt. Diesmal sind Teile des ansonsten besonders stabilen Epoxidharzmörtels herausgebrochen. Die genaue Ursache dafür gilt es noch zu klären.“

Ein weiteres Problem derzeit: im Herbst und im Winter lassen sich derartige Reparaturarbeiten kaum mehr durchführen. „Durch die hohe Luftfeuchtigkeit in dieser Jahreszeit sind keine Zementarbeiten möglich. Man würde daher Gefahr laufen, den Zustand sogar noch zu verschlechtern“, begründet Seebacher. Er appelliert daher an alle Verkehrsteilnehmer auf der A93 das Tempolimit nicht nur einzuhalten, „sondern bei schlechten Sichtverhältnissen noch langsamer zu fahren als 80 km/h“. Stand jetzt kann niemand ausschließen, dass es in dem betroffenen Streckenabschnitt nicht noch weitere Stellen gibt, wo derartige Betonbrocken zu Geschossen werden könnten.

 
 

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