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Landshuter Traumhochzeit


Das Landshuter Traumpaar besteht aus Hedwig von Polen (rechts), Tochter von Polenkönig Kasimir IV. und seiner Frau Elisabeth, und Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut, Sohn von Herzog Ludwig dem Reichen und der sächsischen Kurfürstentochter Amalie. (Fotos: Archiv "Die Förderer" e.V./O.Haßler)

Das Landshuter Traumpaar besteht aus Hedwig von Polen (rechts), Tochter von Polenkönig Kasimir IV. und seiner Frau Elisabeth, und Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut, Sohn von Herzog Ludwig dem Reichen und der sächsischen Kurfürstentochter Amalie. (Fotos: Archiv "Die Förderer" e.V./O.Haßler)

Die 18-jährige Hedwig und der 20-jährige Georg haben sich noch nie gesehen und sprechen auch nicht die Sprache des anderen - doch ihre Hochzeit ist beschlossene Sache. Es wird das größte höfische Fest Europas im späten Mittelalter. Was damals passiert ist, spielen die Landshuter alle vier Jahre nach - beim größten historischen Kostümfest Europas.

Die prunkvolle Hochzeit von Hedwig und Georg wird seit 1903 alle vier Jahre nachgespielt. 2.500 Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer schlüpfen in historische Kostüme - und lassen als Edeldamen und Junker, Ritter und Reisige, Gesindemägde, Pagen oder Ratsherren das Mittelalter lebendig werden. Höhepunkt ist der Hochzeitszug an den vier Sonntagnachmittagen. Die Landshuter Hochzeit findet heuer von 28. Juni bis 21. Juli 2013 statt. Ausrichter ist der Verein "Die Förderer". Informationen gibt es im Internet unter www.landshuter-hochzeit.de. Die Tickets für die einzelnen Veranstaltungen sind heiß begehrt, Restkarten sind beim Verkehrsverein Landshut erhältlich. Dort gibt es auch eine Tauschbörse. Ein spezielles Familienprogramm mit freiem Eintritt für Kinder wird an den Freitagabenden auf dem Zehrplatz geboten.

So lief die Landshuter Hochzeit im Jahr 1475 ab

Nach schwierigen Verhandlungen wird die Hochzeit zwischen Hedwig und Georg beschlossen. Hedwig von Polen begibt sich auf die Reise nach Landshut. Diese Hochzeitsreise wird elf Monate lang vorbereitet - Gefolge und Aussteuer sollen so prächtig sein, wie es sich für die "geborene Königin von Polen" gehört. Hunderte Begleiter nimmt Hedwig mit auf die Reise von Polen nach Landshut. Ihre Eltern und Geschwister allerdings sind nicht dabei, die 18-Jährige reist alleine in das fremde Landshut...

In der Zwischenzeit bereitet sich auch Landshut auf das Jahrhundertereignis vor. Alle sollen von der Hochzeit erfahren - doch ohne E-Mail, Telefon und Fax ist das gar nicht so einfach. Tausende von Einladungen werden verschickt, unter anderem auch an Kaiser Friedrich III. Und natürlich muss auch die Verköstigung der Gäste vorbereitet werden. Es herrscht geschäftiges Treiben in der Stadt.

An einem grauen Novembertag schließlich trifft der Hochzeitszug der Braut in Landshut ein. Vor den Toren der festlich geschmückten Stadt warten Bräutigam, Kaiser und tausende Gäste auf Hedwig. Die Verlobten sehen sich zum ersten Mal. Kirchenglocken läuten. Blumen werden gestreut. Unvorstellbar der Jubel, unbeschreiblich die Aufregung in der Stadt...

Sofort geht es in einem großen Zug zur Martinskirche. Hunderte Trompeter und Pauker kündigen die Braut an. Der goldene Prunkwagen der Braut wird von acht Schimmeln gezogen, der Bräutigam folgt auf einem tänzelnden Rappen. Überall hört man ein lautes "Hallooooooo" - ein Ruf, der auch heute nicht mehr aus der Stadt wegzudenken ist.

Beim Hochzeitsmahl sitzt der Bräutigam an der Tafel des Kaisers, die Braut am Tisch der Schwiegermutter. Zur Unterhaltung der Gäste kämpfen edle Ritter auf prächtigen Rössern um ihre Ehre. Früher fanden die Turniere mitten in der Altstadt statt, heute gibt es dafür den großen Turnierplatz.

Eine Woche lang gibt es in dem Jahr 1475 Essen und Trinken umsonst - für alle Bürger der Stadt. Verzehrt werden während der zechfreien Festwoche unter anderem 323 Ochsen, 285 Brühschweine, 1.133 ungarische Schafe, 1.537 Lämmer, 490 Kälber, 11.500 Gänse, 40.000 Hühner und 194.345 Eier. Kein Wunder, dass die Abschlussrechnung alle Dimensionen sprengt. Umgerechnet kostet die Hochzeit zwölf Millionen Euro. Aber: Kein Problem für den Vater des Bräutigams - Herzog Ludwig wurde nicht umsonst nur "der Reiche" genannt....

Lange Haare und keine Piercings

Das Hochzeitsfieber steigt in Landshut schon viele Monate vor dem eigentlichen Ereignis - dann nämlich, wenn man sich um eines der 2.500 begehrten Kostüme bewerben kann. Doppelt so viele Interessenten wie Rollen gibt es jedes Mal. Bei der Auswahl spielt neben der Körpergröße die Haarlänge eine entscheidende Rolle. Auch Männer brauchen ohrenbedeckende Haare bis auf die Schultern und dürfen vor allem keinen Modeschnitt haben. Außerdem müssen die Teilnehmer auf Accessoires wie Brillen und Piercings verzichten und vor dem Besetzungsausschuss vortanzen. Die wichtigsten Rollen sind - logisch - Braut und Bräutigam. Beide müssen (als einzige Darsteller) gebürtige Landshuter sein. Wir stellen hier die beiden Hauptpersonen kurz vor.

Die Braut: Veronika Härtl

Sie wurde am 20. August 1992 in Landshut geboren und verbrachte hier auch ihre Kindheit. Veronika ("Vroni") Härtl besuchte die Grundschule Carl Orff und das Hans-Carossa-Gymnasium, wo sie 2011 das Abitur ablegte. Nach zwei Semestern Philosophie und Kulturwissenschaften an der Universität Regensburg will sie sich im Herbst 2013 für einen Studienplatz in den Studiengängen Soziale Arbeit oder Soziale Dienste an Schulen bewerben. Vroni wohnt zu Hause bei ihren Eltern beziehungsweise bei ihrem Freund.

Der Bräutigam: Ferdinand Schoßer

Er kam am 29. Oktober 1991 in Landshut zur Welt und besuchte die Grundschule Altfraunhofen. Ferdinand Schoßer wuchs in Landshut auf und machte 2011 am Maristen-Gymnasium Furth sein Abitur. Jetzt studiert er an der Hochschule Regensburg Architektur und wohnt dort auch unter der Woche in einer WG.


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Gefolge und Aussteuer der Braut sollen so prächtig sein, wie es sich für die "geborene Königin von Polen" gehört.

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Landshut bereitet sich auf die Hochzeit vor.

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Beim Hochzeitszug sehen sich die Verlobten das erste Mal.

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Sofort geht es in einem großen Zug zur Martinskirche.

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Edle Ritter kämpften um ihre Ehre.

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Umgerechnet kostet die Hochzeit zwölf Millionen Euro.

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Der Kaiser führt Hedwig zum Hochaltar, dort spendet Erzbischof Bernhard von Salzburg dem fürstlichen Paar das Sakrament der Ehe. Abends findet der Brauttanz statt. Das große Fest beginnt.

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Veronika Härtl.

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Ferdinand Schoßer