Gymnasium Pfarrkirchen im Fokus Corona und digitale Schule: Welche Baustellen gibt es noch?

Internet als Angebot für Schüler. Foto: Andreas Reichelt

Die Corona-Pandemie hat unsere moderne Gesellschaft im Mark erschüttert. Wirtschaft, Unternehmertum und Kultur kämpfen teils ums Überleben. Doch auch unser Bildungssystem ist von den Einschränkungen betroffen. Manche Schulen kommen damit jedoch besser zurecht als andere. Das Gymnasium Pfarrkirchen hat sich seit längerer Zeit Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben. Mit Erfolg?

Andreas Rohbogner ist erst seit wenigen Wochen Schulleiter am Gymnasium Pfarrkirchen (GymPAN). Der Familienvater hatte bisher nicht allzu viel mit dem Thema Digitalisierung am Hut. Als Latein- und Deutschlehrer hatte er zuvor die Schulleitung am Kurfürst-Maximilian-Gymnasium (Kumax) im oberbayerischen Burghausen inne.

Sich nach Pfarrkirchen zu bewerben, war nicht nur ein Wechsel des Regierungsbezirks. Es war eine persönliche Reise vom kleinen "Kumax" zum doppelt so großen "GymPAN". Von einem traditionell ausgelegten, musischen und sprachlichen Gymnasium, zu einer Internatsschule mit Unternehmergymnasium und digitaler Orientierung.

Im Video: Interview mit Schulleiter Andreas Rohbogner und Stellvertreter Dr. Hubert Gratz

Digitale Schule im Fokus

Doch wie ist es, solch einen Paradigmenwechsel zu durchleben? "Nachteile kann ich bisher überhaupt keine erkennen", erklärt Andreas Rohbogner im Interview. "Es ist für mich als neuen Schulleiter sehr beruhigend, an eine Schule gekommen zu sein, die sich des Digitalen seit Jahren annimmt."

Und er ist natürlich nicht der Einzige, der sich an diese Themensetzung anpassen musste. Mit Beginn der Corona-Pandemie rückte diese in den Alltag aller Lehrkräfte.

"Corona ist so etwas wie die größte Fortbildungsinitiative im digitalen Bereich", fasst es der stellvertretende Schulleiter Dr. Hubert Gratz zusammen. Und gerade hier habe man glücklicherweise in der Hochschulstadt einen Vorsprung in der Hard- und Software-Ausstattung. Jeder Lehrer hat ein Dienstgerät.

Die Jahrgangsstufen 5 bis 8 bekommen ein Gerät von der Schule, auch für alle weiteren Jahrgangsstufen können bei Bedarf Leihgeräte angeboten werden. Alle sind mit entsprechender Software bespielt. Die Internetgeschwindigkeit ist hoch, das gesamte Gebäude mit W-Lan ausgestattet. Die Kommunikation ist also auch im Distanzunterricht gewährleistet. Eigentlich.

Breitbandausbau nötig

Die Probleme sind jedoch häufig woanders zu verorten. Was nützt einem Schüler ein hochwertiges Endgerät, wenn er Zuhause keine gute Internetanbindung verfügbar hat? Viele Bereiche Niederbayerns sind diesbezüglich nicht ausgebaut. "Es hat sich schon viel zum Positiven verändert", lautet jedoch das Resümee von Dr. Gratz.

Wechselunterricht versus Distanzunterricht

Der Landkreis Rottal-Inn liegt in den Inzidenzwerten aktuell unter dem magischen Wert von 100. Daher können die Schüler, teils wechselweise, die Schule tatsächlich besuchen.

Doch eines stellen beide Schulleiter fest: Präsenzunterricht mit Maske ist immer noch besser als Wechselunterricht. Selbst Home Schooling sei "nicht zu verachten", wie es Hubert Gratz formuliert.

Andreas Rohbogner bringt es schließlich auf den Punkt: "Wechselunterricht ist methodisch die größte Herausforderung für eine Lehrkraft."

Schule ist mehr als Lernen

Ziel eines Gymnasiums sei es, "in einer Lehr- und Reifezeit von 9 Jahren enzyklopädisches Wissen zu erwerben" erklärt Andreas Rohbogner. Gerade im Bereich der "Reife" ist allerdings mehr nötig, als vor dem Bildschirm Vokabeln zu pauken. Insgesamt sei bei den Schülern zu beobachten, dass sie froh sind, sich wieder treffen zu können.

Als am 14. März die Internatsschüler zurückkehren durften, sei die Wiedersehensfreude groß gewesen. Um also die Schüler weiter im Haus haben zu können, nehme man die neue Vorkehrung der Selbsttests in Kauf. "Selbsttests sind eine Anordnung der Politik", erklärt der neue Schulleiter. Als staatliche Schule sei man daran gebunden. "Wir werden das Beste daraus machen."

Auch beim Thema Schulfahrten gibt es derzeit keine Lösung. Abschlussfahrten, Schullandheimbesuche und Schüleraustausch sind wichtige Marken im Leben eines Jugendlichen. Events, an die man sich oft ein Leben lang erinnert. Dass diese nun ersatzlos ausfallen könnten, will man am GymPAN nicht hinnehmen. Immer wieder diskutiert man, wie Ersatzangebote aussehen könnten.

Gute digitale Protokolle hin, Hygienemaßnahmen her. "Schule besteht nicht nur aus dem Lernen, sondern auch aus sozialen Kontakten, aus dem Lebensraum Schule", sagt Hubert Gratz. Er bringt den Wunsch aller Beteiligten auf den Punkt: "Wir hoffen, dass wir möglichst bald aus der Krise rauskommen!"

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