Großeinsatz auf A9 Vorwurf jetzt versuchter Mord – Verdächtiger in Klinik untergebracht

, aktualisiert am 22.09.2021 - 12:31 Uhr
Polizisten stehen mit ihren Fahrzeugen auf der Autobahn 9. Wegen eines mutmaßlich bewaffneten Passagiers in einem Reisebus musste die bayerische Polizei die Autobahn 9 zwischen den Anschlussstellen Hilpoltstein und Greding in beiden Fahrtrichtungen komplett sperren. Foto: picture alliance/dpa/Vifogra | Ralph Goppelt

Ein stundenlanger Großeinsatz auf einer Autobahn in Bayern hielt die Polizei in Atem. Am Tag danach können die Ermittler eine Geiselnahme ausschließen. Der Vorwurf gegen einen Tatverdächtigen wiegt aber dennoch schwer.

Einem 30-jährigen Mann wird nach einem Großeinsatz auf der Autobahn 9 versuchter Totschlag vorgeworfen. Er soll am Dienstag in einem Reisebus zwei Fahrgäste mit Schlägen und Tritten verletzt und dabei Todesdrohungen geäußert haben, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Eine Geiselnahme schlossen die Ermittler aber aus.

Einen vor ihm sitzenden und schlafenden 20-Jährigen soll der Serbe nach Polizeiangaben unvermittelt angegriffen haben. Er soll ihn auf den Boden geschleudert und ihm mehrmals gegen den Kopf getreten haben. Der 20-Jährige kam ins Krankenhaus, wurde aber noch in der Nacht zum Mittwoch entlassen. Außerdem soll der mutmaßliche Täter einer 24-Jährigen ins Gesicht geschlagen haben.

Lesen Sie dazu auch: Festnahme nach mutmaßlicher Geiselnahme in Reisebus

Widerstandslose Festnahme

Der Vorfall hatte am Dienstagabend große Aufmerksamkeit ausgelöst: Die Polizei hatte von einer "Bedrohungslage" und einem möglicherweise bewaffneten Mann gesprochen, der noch mit einigen Personen in dem Reisebus sei. Nach stundenlangem Großeinsatz und einer Vollsperrung der Autobahn nahmen Spezialeinsatzkräfte der Polizei den Tatverdächtigen auf der A9 zwischen Hilpoltstein und Greding widerstandslos fest.

Eine Geiselnahme habe zu keinem Zeitpunkt vorgelegen, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Auch der Verdacht, dass der Mann eine Waffe bei sich getragen habe, habe sich nicht bewahrheitet. Man habe die Lage am Dienstagabend von außen nicht sofort klären können, erklärte der Sprecher am Mittwoch. Fahrgäste hätten von einer bedrohlichen Lage und auch einer Waffe gesprochen. Es gebe aber keine Anhaltspunkte dafür, dass der 30-Jährige die Busfahrer - die sich zuletzt noch mit ihm in dem Reisebus aufhielten - gewaltsam festgehalten habe. Die Fahrer hätten sich vielmehr freiwillig in dem Bus aufgehalten.

Vorwurf jetzt versuchter Mord

Das mögliche Motiv des 30-Jährigen war laut Polizei zunächst unklar. Er sei noch nicht vernommen worden. Am Mittwochnachmittag wurde er in einer psychiatrischen Fachklinik untergebracht. Ein Ermittlungsrichter habe einen Unterbringungsbefehl erlassen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Es sei nicht auszuschließen, dass sich der Mann in einem psychischen Ausnahmezustand befinde. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst Haftantrag wegen versuchten Totschlags gegen den 30-Jährigen gestellt. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, der Ermittlungsrichter habe dann auf den Vorwurf des versuchten Mordes entschieden. Denn das 20-Jährige Opfer soll geschlafen haben, als es angegriffen wurde - das könnte das Mordmerkmal "Heimtücke" erfüllen.

Ein psychiatrischer Sachverständiger habe mit dem Beschuldigten gesprochen und sei zu dem Schluss gekommen, dass eine verminderte Schuldfähigkeit nicht auszuschließen sei, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Diese wäre aber Voraussetzung für einen Haftbefehl. Zur Tat äußerte sich der 30-Jährige nicht, das Motiv ist weiter unklar.

In dem Bus waren elf Fahrgäste und drei Busfahrer. Er war unterwegs in Richtung München und sollte laut Polizei weiter nach Serbien fahren. Nach serbischen Medienberichten handelt es sich um einen Linienbus des Unternehmens Lasta auf der Linie Dortmund-Belgrad. Diese Busse werden vor allem von ausländischen Arbeitskräften und deren Angehörigen genutzt. Laut Polizei wurden die Fahrgäste von Notfallseelsorgern betreut, ihnen sei eine Hotelübernachtung und ein Ersatzbus für die Weiterfahrt nach Belgrad organisiert worden.

Die Autobahn 9 zwischen den Anschlussstellen Hilpoltstein und Greding war in beiden Fahrtrichtungen komplett gesperrt worden. Es bildeten sich Staus. Gegen 22.30 Uhr wurde die Strecke wieder freigegeben. Am späten Dienstagabend floss der Verkehr dann wieder. Auch die Bahnstrecke, die entlang der Autobahn verläuft, war zeitweise gesperrt.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading