Grandsberg bei Schwarzach Luchsjunges halb tot gefunden

"Karlchen", der kleine Luchs, der am 5. September am Grandsberg bei Schwarzach im Garten eines Einödhofes gefunden wurde, ist halb verhungert und kämpft seitdem um sein Leben. Noch ist ungewiss, ob er es schafft. Foto: privat

Erneut stehen Luchs-Experten vor einem Rätsel: Anfang September ist im Garten eines Einödhofes am Grandsberg bei Schwarzach ein junger Luchs gefunden worden: Etwa zwölf Wochen alt und halb verhungert.

Beim Tierarzt in Schwarzach wurde das Junge erstversorgt. Jetzt ist es in Obhut von Experten des Luchsprojekts Bayern in einer Quarantänestation, mit dem Ziel, es aufzupäppeln und irgendwann wieder auszuwildern. "Doch die Chancen stehen schlecht", sagt Sybille Wölfl, die Luchsexpertin in Bayern, die auch das länderübergreifende Luchsmonitoring zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien leitet.

"Karlchen", diesen Namen hat Wölfl dem kleinen Luchs gegeben, "kämpft um sein Leben und es ist so ein Elend, ihm dabei zusehen zu müssen", sagt Sybille Wölfl. Alle drei Stunden wird der Kleine gefüttert, er bekommt immer wieder Infusionen. "Trotzdem stehen die Chancen 50 zu 50, dass er es schafft."

Normalerweise werden Jungtiere in diesem Alter noch von der Mutter gesäugt. "Er sucht auch nach einer Zitze." Doch wo ist die Mutter von Karlchen? Überfahren, erschossen oder hat sie das Junge verstoßen, weil es krank war? Die Experten wissen es nicht. Bisher wurde auch kein Kadaver eines erwachsenen Tieres in der Region gefunden.

Sybille Wölfl leitet seit Jahren das Luchsmonitoring in Bayern. Fotofallen sind in der Region um den Hirschenstein und Sankt Englmar aufgestellt. Wer die Mutter des kleinen Luchses sein könnte, weiß sie nicht. Bis 2014 konnte sie dort sechs Jahre lang die "Eremitin" nachweisen. "In dem Jahr, in dem sie Junge hatte, ist sie verschwunden."

Wenn Luchse ihren Nachwuchs großziehen, seien sie besonders verletzlich. Wie der Fall im Lamer Winkel (Kreis Cham) beweist, hat der Luchs noch immer manchen Menschen zum Feind, obwohl diese seltene Tierart streng geschützt ist: Ende vergangener Woche ist am Chamer Amtsgericht ein 54 Jahre alter Landwirt zu 3.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden, weil er mindestens zwei Luchse getötet haben soll. Ausgesagt haben gegen ihn zwei Jagdgäste, denen er im Jahr 2016 detailliert erzählt haben soll, wie er Luchse fängt - mit einer Lebendfalle. Einer der Jagdgäste war ein verdeckter Ermittler, weil vor allem rund um den Lamer Winkel über Jahre hinweg auffällig viele Luchse verschwunden sind.

Tatort Bayerischer Wald: Ermittler tappten im Dunkeln

Vergiftet, erschossen, erwürgt - meist tappte die Polizei im Dunkeln. Am spektakulärsten und von großem Medieninteresse begleitet war der Fall von Leo und Leonie, einem Luchspärchen, dessen abgetrennte Pfoten 2015 unweit einer Fotofalle gefunden wurden. Diese Tat konnte dem verurteilten Landwirt zwar nicht nachgewiesen werden, bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei jedoch illegale Waffen und eine sehr große Lebendfalle im Wald. Neben der Geldstrafe ist der 54-Jährige auch seinen Jagdschein los.

Täter war Mitglied im Bayerischen Jagdverband

Laut Eric Imm, Referent für Naturschutz beim Bayerischen Jagdverband, hat sich der Jagdverband zusammen mit der Wildland Stiftung über 20 Jahre hinweg finanziell am intensivsten für den Schutz des Luchses eingebracht. "Umso dramatischer ist es dann, da sich nun herausgestellt hat, dass der Täter tatsächlich ein Jäger und auch noch ein Mitglied ist." Ist das Urteil erst rechtskräftig, werde er aus dem Verband entlassen, wegen verbandsschädigendem Verhaltens.

Der Bund Naturschutz (BN) in Bayern erwartet "von diesem wichtigen Urteil eine Signalwirkung, dass Wilderei in Bayern ab sofort stärker geahndet wird", wie der BN in einer Pressemitteilung bekannt gibt.

Wo Karlchen herkommt und ob seiner Mutter ein ähnlich grausames Schicksal wie Leo und Leonie widerfahren ist, wissen die Experten noch nicht. Fest steht nur, dass er am Ende seiner Kräfte war, als er gefunden wurde. Nur deshalb war er überhaupt in der Nähe eines Hauses und nur deshalb konnte er auch eingefangen werden. "Es ist ein Wildtier, keine Schmusekatze, der trotzdem noch gebissen hat", erzählt der Tierarzt, der Karlchen erstversorgt hat. Knapp drei Kilogramm bringt er momentan auf die Waage. Ein gesundes Jungtier müsste in seinem Alter etwa fünf Kilogramm schwer sein. Ob er es schaffen wird, ist zu Redaktionsschluss noch ungewiss. "Es ist einfach nur sehr traurig, aber wir tun unser Bestes", sagt Sybille Wölfl.

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