Glosse zum Wechselunterricht Alice im Ministerland

Gibt es bald schon wieder für mehrere Jahrgangsstufen Wechselunterricht? (Symbolbild) Foto: picture alliance/dpa | Daniel Reinhardt

Irgendwann im Laufe des vergangenen Jahres ist es passiert – wir fielen wie die kleine Alice in dem Kinderbuchklassiker in den Hasenbau. Und was sich eröffnete, war eine Wunderwelt des Lehrens und Lernens voller Absurditäten: Schule in Corona-Zeiten. Da war ein großes Werkzeug, nennen wir es Mebis, mit dem alle gleichzeitig arbeiten sollten, obwohl alle wussten, dass das gar nicht geht – so als ob man mit einem Hammer eine Schraube in die Wand drehen wollte. Da sollten alle in Distanzunterricht gehen, obwohl das doch gar nicht ging – weil die Bandbreiten an den Schulen vielleicht zum gleichzeitigen Versenden von zwei bunten Bildchen taugten, nicht jedoch zum Streamen von Unterricht. Da sollten Lateinlehrer plötzlich am „computatrum“ Deklinationsoffensiven fahren und gleichzeitig Verbindungsprobleme in den Griff kriegen, von denen Cicero noch nichts wusste. Dann reiste man auf einmal in der Zeit – die Weihnachtsferien wurden vorverlegt. Ob das mit dem großen Werkzeug zu tun hatte? Man wusste es nicht. Vorher noch kam Geld vom Himmel geregnet – als die Schulmeisterinnen dankbar den freistaatlichen Talerregen in ihre Röckchen rieseln lassen sollten, wollten sie nicht.

Die neueste Episode in dieser wundersamen Welt: Der Unterricht mit Präsenzphasen startet für Abschlussklassen in Bayern schon am kommenden Montag, obwohl der Lockdown aus gesundheitlich verständlichen Gründen noch wenigstens bis 14. Februar dauert. Wie der Hasenfreund von Alice, so schaut auch der bayerische Kultusminister bedröppelt auf seine Uhr und fürchtet, dass er zu spät kommt mit der Schulöffnung. Praktischer Nutzen des Manövers? Es geht um Gerechtigkeit, alle mitnehmen, keinen zurücklassen, „semper fi" unterm Hasenbau. Die Frage, wem das was bringt, die bringt nichts. Auch nicht der Hinweis, dass der Distanzunterricht mittlerweile gut läuft, während der Wechselunterricht mit praktischen Problemen verbunden ist – Lehrer müssen in die Schule gurken, einen Teil der Abschlussklassen beschulen, wieder nach Hause gurken, Distanzunterricht für die anderen machen, und dann noch den zweiten Teil der nicht präsenten Abschlusspennäler fernbildlich auf Wissensstand bringen. Hört sich kompliziert an? Ja, schon. Ginge einfacher? Ja, Distanzunterricht bis zum 14. Aber unterm Hasenbau laufen die Uhren halt anders.

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