Glosse Kaffee-Blues

Eine Woche ohne Kaffee - unsere Redakteurin hat es ausprobiert (Symbolbild). Foto: Jens Kalaene/dpa

Kaffee gehört zu einem der bekanntesten Laster unter den Journalisten. Unsere Redakteurin hat eine Woche vor dem Geburtstag von Koffeein-Entdecker F. F. Runge den Selbstversuch gewagt und sieben Tage auf Kaffee verzichtet.

Ich genieße den letzten Schluck meines goldbraunen Lebenselixiers. Schlürfe die letzten Tropfen aus meiner Frühstückstasche, ehe die Quelle für meine Energiereserven für eine Woche versiegt. Ich spüle die nostalgischen Ränder an meiner Kaffeetasse mit Wasser weg. Ade, lieber Kaffee, es war so schön mit dir! Eine Woche kein Umweg vor der Arbeit, um einen Cappuccino zu ergattern, kein Tropfen mehr aus der neuen Espressomaschine in meiner Küche, kein Herzflattern vom übermäßigen Kaffeegenuss.

Der Morgen ist grau, nass und grau. Aus der Küche höre ich das leise Rattern der Espressomaschine. Der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee steigt mir in die Nase. Ich ziehe erst einmal die Bettdecke weiter über mein Gesicht. Wenn ich schon keinen Kaffee trinken kann, dann lieber noch weiterschlafen. Im Supermarkt, beim Brunchen oder gar beim Geschenke kaufen: Überall werde ich mit Kaffee bombardiert. Cappuccino hier, Latte Macchiato da, ein Probepäckchen mit besonders tollen Kaffeebohnen aus Bioanbau zum Gutschein dazu – nein ich bleibe standhaft. Für 50 Minuten, dann hole ich mir stattdessen ein Spezi aus dem Automaten. 

Wenn ich mein Spezi jetzt in eine Kaffeetasse schütte und mit einem Löffel schnell umrühre, vielleicht kommt es dann dem Kaffee näher, überlege ich auf dem Weg zurück in die Redaktion. Schon komisch, wie abhängig Kaffee machen kann. Morgens trinken wir ihn zum Aufwachen, auf dem Weg zur Arbeit gibt es dann den „Coffee to go“ und am Nachmittag den Muntermacher-Kaffee. Was ich brauche, ist eine Ersatzdroge, etwas Zucker für meinen leicht angeschlagenen Kopf und meinem Körper, der dem Coffein hinterher trauert. Sind das die ersten Entzugserscheinungen?

Meinen Kollegen macht mein Kaffeeentzug inzwischen schon Sorgen. Es wird protokolliert, wie oft ich die Wörter „Kaffee“ oder „müde“ verwende. So oft denke ich doch gar nicht an Kaffee, überlege ich, während ich gedankenverloren auf meinem Block kritzle. Meine Hand macht sich selbstständig. Die Bleistiftstriche werden zu Bögen, die Bögen zu einem Gefäß und das Gefäß ähnelt - einer Tasse. Erschrocken knülle ich das Blatt Papier zusammen, ohne zu warten, mit was sich die Tasse füllen wird. Ich schließe die Augen, atme tief durch und bin froh, als ich einen Tag später sagen kann:  

Kaffee. ich gehöre wieder dir!

 
 

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