Gesundheits-Apps Experten erklären Risiken bei Datenschutz und Haftung

Pulsmessen per App: Das ist schon länger möglich und medizinisch auch eher unbedenklich. Bald schon sollen Gesundheits-Apps aber viel weiter in die Behandlung von Patienten eingreifen können – und dann wird es kompliziert. (Symbolbild) Foto: Fabian Strauch/dpa

Pulsmesser, Ernährungsberatung und sogar Arztbesuche per Video: Gesundheits-Apps fürs Handy werden immer beliebter, Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will sie in Zukunft mehr fördern. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) aber warnt vor Datenschutz-Lücken und offenen rechtlichen Fragen. Wir haben bei Experten nachgefragt, ob Nutzer sich Sorgen machen müssen.

In einer Pressemitteilung ruft die KVB zur "Vorsicht bei der Nutzung und Verordnung digitaler Gesundheitsanwendungen in Form von Apps auf dem Smartphone" auf. Patienten sollten bei der Nutzung der Apps dringend darauf achten, dass sie nicht leichtfertig hochsensible Gesundheitsdaten preisgeben, die von den Anbietern der Apps eventuell für kommerzielle Zwecke verwendet werden könnten, heißt es weiter. Auch ist laut KVB oftmals nicht klar, wer eigentlich haften würde, wenn eine App fehlerhafte Daten ausgibt und so zu gesundheitlichen Problemen beiträgt: Patient, Arzt oder App-Programmierer?

Gesundheitsdaten sind besonders schützenswert

Der Datenschutz sei bei diesen Anwendungen in der Tat oft fragwürdig, sagt Christian Volkmer. Er ist Geschäftsführer bei der Regensburger Datenschutz-Firma "Projekt29", zu deren Kunden viele App-Entwickler und ein Klinikkonzern mit 40.000 Mitarbeitern gehören, der auch Gesundheits-Apps anbietet. "Gesundheitsdaten gehören zu den personenbezogenen Daten und gelten damit, ähnlich wie zum Beispiel sexuelle Orientierung oder politische Einstellung, als besonders schützenswert", erklärt er gegenüber idowa. "Das große Problem ist, dass viele Anbieter von Health-Apps schon bei der digitalen Übertragung solcher Daten selten ausreichende Schutzmaßnahmen treffen."

Ein weiteres Problem ist laut Volkmer, dass oft nicht klar sei, wer die Daten bekomme und von ihnen profitieren könne. "Die bekannten Datenschutzerklärungen sind oft wenig transparent, wenn es um die Weitergabe und Verarbeitung von Daten geht", sagt er. "Oft werden Drittanbieter wie Facebook oder Google ins Boot geholt, die dann tatsächlich sensible Gesundheitsdaten erhalten, ohne dass der Nutzer dem je zugestimmt hätte." Das könne dazu führen, dass diese großen Firmen bei entsprechenden Symptomen Werbung mit passenden Medikamenten schalten könnten. 

Bei Datenschutz in Apps ist generell Vorsicht geboten

Nun sind viele Menschen solche "personalisierte Werbung" inzwischen gewöhnt – aber damit enden die Probleme nicht, sagt Christian Volkmer: "Für Tech-Riesen oder Kriminelle sind Gesundheitsdaten natürlich um einiges wertvoller als nur ein Name oder eine E-Mail-Adresse. Ein Risiko besteht für alle Arten von personenbezogene Daten, nur die Folgen können sich gravierend unterscheiden."

Sollten Patienten oder gesundheitsbewusste Menschen also generell Abstand zu solchen Apps halten? "Pauschalisieren kann man das nicht", sagt der Datenschutz-Experte. "Generell gilt es aber, immer vorsichtig zu sein, nicht nur in Bezug auf Gesundheitsdaten." Viele Nutzer würden zum Beispiel mit der "FaceApp" komplett freiwillig Zugang zu Kamera, Standort und Telefonbuch geben, da die Anwendung sonst nicht funktioniere. "Da braucht man sich nicht wundern, wenn dann E-Mail-Konto und Telefonnummer missbraucht werden", betont Volkmer. 

Drei Tipps zum Umgang mit Anwendungen

Der Datenschützer empfiehlt einige einfache Kniffe im Umgang mit Gesundheits-Anwendungen und Apps im Allgemeinen: So sollten Nutzer stets prüfen, wer der App-Anbieter ist, und woher er kommt. "In Europa müssen sich Unternehmen an die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) halten", erklärt er. Das sei zwar auch kein 100-prozentiger Schutz, aber Drittländer außerhalb der EU hätten oft ein weit niedrigeres Datenschutzniveau. Zudem sollte immer die Datenschutzerklärung gelesen werden, sagt Experte Volkmer. "Das ist zwar mühsam, aber hier wird man oft über die genaue Datenverarbeitung aufgeklärt – und sollte man hier bereits Zweifel haben, sagt das schon viel aus." Auch sei davon auszugehen, dass eine seriöse Gesundheits-App niemals Zugriff auf alle Funktionen des Handys fordern würde, wie dies etwa "FaceApp" tue.

Erfahren Sie auf der zweiten Seite, wie ein Fachanwalt für Medizinrecht die Haftungs-Problematik bei Gesundheits-Apps einschätzt.

 

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