Gesundheit Interview "Die Zahl der Pflegekräfte hat zugenommen"

Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen würde den Pflegeberuf attraktiver machen. Foto: Fabian Sommer/dpa

In vielen Krankenhäusern fehlt es an Personal. Ein Mittel dagegen: die Arbeitsbedingungen der Pflegerinnen und Pfleger verbessern. Eine Sprecherin des Bayerischen Gesundheitsministeriums gab uns Auskunft.

In vielen Krankenhäusern in Bayern fehlt es an Personal. Wie groß ist dieser Notstand wirklich?

In den bayerischen Krankenhäusern ist die stationäre Versorgung flächendeckend und auf hohem Niveau sichergestellt. Trotz der Berichte von Krankenhausträgern über Schwierigkeiten, ärztliches und pflegerisches Personal einzustellen und an die Einrichtungen zu binden, gibt es bislang keine Anhaltspunkte, aufgrund derer mittelfristig mit Versorgungsengpässen zu rechnen wäre. Ein Blick auf die reinen Zahlen bestätigt vielmehr, dass die Zahl der Ärzte und Pflegekräfte in Bayerns Krankenhäusern in den vergangenen Jahren durchaus nennenswert zugenommen hat.

Mehr Personal würde weniger Stress im Beruf bedeuten und die Arbeit als Pflegekraft wieder attraktiver gestalten. Das Problem könnte sich quasi von selbst lösen. Warum wollen trotzdem wenig Menschen in der Krankenpflege arbeiten?

Es ist richtig, dass eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen den Pflegeberuf attraktiver machen würde. Der zentrale Lösungsansatz ist, mehr junge Menschen dazu zu motivieren, eine Ausbildung und Karriere in der Pflege zu wählen und das Berufsbild so zu gestalten, dass die Pflegenden den Beruf auch dauerhaft ausüben. Die Entwicklung der Schüler-Zahlen in der Pflegeausbildung in Bayern zeigt, dass die Tendenz jedenfalls in die richtige Richtung geht.

Der Pflegenotstand ist schon lange Thema. Krankenhäuser schließen Stationen. Pflegerinnen und Pfleger arbeiten Doppelschichten und müssen sich teilweise alleine um 35 Patienten kümmern. Gibt es eine schnelle, effiziente Lösung, um das Problem zu lösen?

Die rein statistische Betrachtung der Personalsituation an Krankenhäusern bedeutet freilich nicht, dass Hinweise vonseiten der Pflegekräfte - aber auch von Ärztinnen und Ärzten - auf eine zunehmende Arbeitsverdichtung nicht ernst zu nehmen wären. Es ist sicherlich Aufgabe der Politik, insbesondere aber auch der Klinikträger, in diesem sensiblen Bereich auf Rahmenbedingungen hinzuarbeiten, die es ermöglichen, dem Versorgungsauftrag sachgerecht und in der gebotenen Qualität nachzukommen. Einer der wichtigsten Punkte war dabei das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz, das seit dem 1. Januar 2019 gilt. (Eine Erklärung des Gesetzes findest du unten).

Wie kann man den Beruf des Krankenpflegers, der Krankenpflegerin für junge Leute attraktiver gestalten?

Zum 1. Januar 2020 wurde mit Inkrafttreten des Pflegeberufegesetzes (Eine Erklärung des Gesetzes findest du unten im Kasten) die generalistische Pflegeausbildung eingeführt. In Werbekampagnen wird die neue Pflegeausbildung gezielt bei jungen Menschen bekannt gemacht. Die bundesweite Kampagne "Mach Karriere als Mensch" ist bereits angelaufen. Ab Herbst 2020 wird es zusätzlich eine bayernweite Werbekampagne für den Pflegeberuf geben.

Wie hat sich der Arbeitsmarkt in Pflegeberufen in den vergangenen fünf Jahren entwickelt und wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Nach den aktuellsten uns vorliegenden Zahlen geht die Entwicklung mit einer Steigerung der in der Pflege tätigen Personen in die richtige Richtung, wenngleich eine noch deutlichere Steigerung notwendig ist.

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