Die Sonne brennt vom Himmel. Das Thermometer zeigt mehr als 30 Grad. Irgendwo auf dem Zeltplatz des Pfingst-Open-Airs brüllt jemand laut: "Achtung, Wasserschlacht!" Lisa-Marie sitzt im Schatten ihres Zeltes und schreibt "Free Hugs" auf ein Schild. Die 18-Jährige ist mit einigen Freundinnen hier. Die Mädchen entspannen gerade, bevor sie später zur Hauptbühne gehen, auf der an diesem Samstagabend die Band "K.I.Z." die Festival-Besucher zum Tanzen bringt. Aber nicht jeder feiert auf dem Festival. Hinter den Kulissen arbeiten rund 500 Helfer. Sie sorgen dafür, dass das Wochenende in Salching einzigartig wird.

Nachts um halb zwei haben sich Lisa-Marie und ihre Freundinnen schlafen gelegt. Um sechs Uhr morgens waren die Mädchen wieder wach. Die Straubingerin teilt sich zusammen mit der 17-jährigen Jessica ein Zelt. An diesem Samstag, bei über 30 Grad, streifen die beiden mit den anderen über das Gelände des Pfingst-Open-Airs. Es ist kurz nach eins, als die Guerilla-Stage, eine fahrende Bühne, ihren Weg kreuzt. "Lasst uns tanzen", ruft eine von Lisa-Maries Freundinnen. Sie packt die Hand einer anderen. Zappelnd verschwinden beide mitsamt der rollenden Bühne in der Menge.

Abends steht die Bühne auf Rädern in Skatetopia. Das ist ein neuer Bereich auf dem Pfingst-Open-Air, der Punkrock und eine Rampe für Skateboarder bietet. Dort bereitet gerade Michael alles für einen weiteren Abend auf dem Festival vor, während ein paar Skateboarder waghalsige Stunts ausprobieren. Der 25-Jährige kommt aus Berlin und leitet die neue Area. Wie ein Berliner auf ein Festival kommt, das 555 Kilometer von der Hauptstadt Deutschlands entfernt ist? "Ich habe 2012 ein Praktikum bei der Festivalleitung in Leipzig gemacht und mich dabei mit Logistik, Aufbau und vielem mehr beschäftigt", erinnert sich Michael. Das vergangene Jahr verbrachte der Student im Ausland.

Als er wieder in Deutschland war, kam einer der Organisatoren des Pfingst-Open-Airs in Salching auf ihn zu - mit der Idee von Skatetopia. Michael hat keine Sekunde gezögert. "Hier auf dem Festival zu arbeiten, ist eine gelungene Abwechslung zum Schreiben meiner Bachelor-Arbeit", erzählt der 25-Jährige und lacht.

16 Stunden auf den Beinen

Er ist nicht nur für Auf- und Abbau zuständig, sondern betreut auch die Bands, die abends auf der kleinen Bühne stehen. Rund 16 Stunden ist er an einem Festivaltag auf den Beinen. Dafür bekommt er keinen Lohn, sondern nur eine Aufwandsentschädigung. "Aber mir bleiben unbezahlbare Erlebnisse", sagt der junge Berliner.

Lisa-Marie, Jessica und ihre Freunde haben es sich unterdessen auf dem Zeltplatz gemütlich gemacht. Eine ihrer Mütter hat den Mädchen Eis vorbeigebracht. Nach der Erfrischung machen sich die Mädchen mit dem "Free Hugs"-Schild auf den Weg. Aus dem Nichts kommt ein junger Mann angerannt. Er umarmt Lisa-Marie und verschwindet wieder. Die Mädchen-Gruppe geht weiter und kommt an den weißen Zelten der Malteser vorbei. Dort kümmert sich Bettina um Festival-Besucher, denen zum Beispiel die Hitze zu viel geworden ist. Die 22-Jährige arbeitet hauptamtlich als Rettungsassistentin bei den Maltesern und konnte sich freiwillig dafür entscheiden, ob sie auf dem Pfingst-Open-Air helfen will. "Das macht mir sehr viel Spaß, denn die Leute hier haben immer gute Laune und das steckt an", findet Bettina. Viel von den Bands bekommt sie nicht mit, da sie immer beschäftigt ist. "Ich versorge Patienten, lege Verbände an. Manchmal wird nur ein Pflaster gebraucht. Viele kommen auch her, um sich mit uns Maltesern zu unterhalten", erzählt die 22-Jährige.

Langsam bricht die Abenddämmerung über dem Gelände in Salching herein. Auch die Hitze hat mittlerweile etwas nachgelassen. Die Mädchen-Gruppe treibt es zur Hauptbühne, auf der gleich die Rockband "Bonparte" auftritt.

Damit das Konzert problemlos über die Bühne gehen kann, muss hinter den Kulissen einiges passieren. Das weiß auch Peter. Der 23-Jährige hilft als sogenannte "Stage Hand" freiwillig und sorgt zum Beispiel dafür, dass alle Instrumente rechtzeitig auf der Bühne stehen. In diesem Jahr ist er das zweite Mal dabei. Durch eine Freundin, die auch auf dem Pfingst-Open-Air arbeitet, ist Peter darauf gekommen. "Ich war mit ihr auf einem Konzert. Dort hat sie mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, hinter der Bühne zu helfen", erinnert sich der 23-Jährige. Mittlerweile ist er fester Bestandteil in einem eingespielten Team. "Denn die Gruppe bleibt jedes Jahr gleich. Da sind teilweise Leute dabei, die ich wirklich nur hier sehe", sagt Peter. Zu seinen Aufgaben zählt nicht nur das Auf- und Abbauen von Instrumenten, er muss auch mal die Bühne saubermachen. "Heute Morgen habe ich zum Beispiel das Konfetti weggekehrt, dass MC Fitti bei seinem Auftritt hinterlassen hat", erzählt der 23-Jährige grinsend.

Wer jetzt aber glaubt, dass es richtig aufregend sein muss, die ganzen Musiker hinter der Hauptbühne zu treffen, den muss Peter enttäuschen: "Das ist eher unspektakulär. Die wollen vor ihrem Auftritt meistens Ruhe und wir reden nur mit ihnen, wenn sie Hilfe brauchen", erklärt Peter. Während den Konzerten haben er und die anderen Helfer auch Zeit, sich unter die Festival-Besucher zu mischen und dem Geschehen auf der Hauptbühne zu folgen. "Ich verpasse nur den Anfang einer Show und das Ende, um alles für den Wechsel der Musikgruppen klarzumachen", erzählt Peter.

Auch im nächsten Jahr will er wieder als "Stage Hand" helfen. Und auch Bettina und Michael wollen 2015 auf dem Pfingst-Open-Air arbeiten. Vielleicht treiben sich dann auch Lisa-Marie, Jessica und ihre Freundinnen auf dem Festival in Salching herum. Das Wochenende wird allen auf jeden Fall in Erinnerung bleiben.