Geschichte Nazi-Opfer statt Nazi-Arzt: Augsburg benennt Straße um

Die Stadt Augsburg hat die bisherige "Dr.-Mack-Straße" in "Geschwister-Schönert-Straße" umbenannt. Foto: Ulf Vogler/dpa/Archivbild

35 Jahre lang erinnerte in Augsburg eine Straße an einen Arzt, der sich in der NS-Zeit an den Verbrechen der Nazis beteiligte. Nun vollzieht die Stadt die Kehrtwende und erinnert an die Kleinsten unter den Opfern der Nationalsozialisten.

Wegen der Nazi-Vergangenheit des Namensgebers ist die Zufahrtsstraße zur Hauptverwaltung der Bezirkskliniken Schwaben in Augsburg umbenannt worden. In Zukunft wird die Straße nach zwei Kindern heißen, die bei den von den Nationalsozialisten als "Euthanasie" bezeichneten Verbrechen ermordet wurden.

Die Umbenennung der "Dr.-Mack-Straße" in "Geschwister-Schönert-Straße" wurde praktisch bereits umgesetzt, indem neue Schilder montiert wurden. Offiziell werde am 31. März gemeinsam mit Nachfahren und Vertretern der Familie Schönert die Umbenennung vollzogen, kündigten die Bezirkskliniken an.

Der Augsburger Stadtrat hatte die Straße im Jahr 1986 zunächst nach Max Ludwig Mack (1909-1966) benannt. Dass der Mediziner während des Nationalsozialismus an der Zwangssterilisation von als erbkrank diffamierten Menschen beteiligt war, wurde damals nicht beachtet. Später sorgte dies für Kritik.

Nachdem die Stadt 2014 eine Kommission eingesetzt hatte, um problematische Straßennamen zu untersuchen, kam das Gremium zu einem eindeutigen Schluss: "Es kann als gesichert gelten, dass sich Dr. Mack in seiner Position als Arzt an der menschenverachtenden nationalsozialistischen Rassen- und Gesundheitspolitik beteiligte." Die "Kommission für Erinnerungskultur" empfahl die Umbenennung, was der Stadtrat dann auch umsetzte.

Mit dem neuen Namen wird ein bewusster Kontrapunkt zum bisherigen gesetzt. Die in Augsburg geborenen Geschwister Günther und Brigitte Schönert wurden 1942 beziehungsweise 1944 in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren im Allgäu gebracht. Dort wurden Anfang der 1940er Jahre Tausende Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen umgebracht.

Brigitte wurde nur zwei Jahre alt, ihr Bruder wurde im Alter von sechs Jahren ermordet. Vermutlich wurden beide mit überdosierten Medikamenten getötet, Günther soll zudem vernachlässigt worden sein.

Die Straße führt in Augsburg zum Bezirkskrankenhaus und zur Hauptverwaltung, die noch für die acht anderen Kliniken und weiteren Einrichtungen des Bezirks zuständig ist. Diese Häuser sind über ganz Schwaben verteilt.

Mehr als 75 Jahre nach dem Ende des Nazi-Terrors wird in Deutschland immer wieder über Straßennamen diskutiert, wenn die Namensgeber in der Diktatur eine Rolle spielten.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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