Amtsgericht Landshut Polizist soll Flüchtling mit Messer bedroht haben

Was tun, wenn ein junger Flüchtling seinen Fingerabdruck nicht freiwillig hergeben will? Ein Landshuter Polizeihauptkommissar soll sein Messer zu Hilfe genommen haben. (Symbolbild) Foto: dpa

Was tun, wenn ein junger Flüchtling seinen Fingerabdruck nicht freiwillig hergeben will? Ein Landshuter Polizeihauptkommissar soll sein Messer zu Hilfe genommen haben.

Der Junge zeigte sich unbeeindruckt – im Gegensatz zu den Kollegen des Beamten. „Wir waren wirklich schockiert“, sagte am Donnerstag eine 27-jährige Polizistin vor dem Amtsgericht. Die Frau hatte sich nach dem Vorfall an ihren Vorgesetzten gewandt. Dadurch wurden die Ermittlungen gegen den 48-jährigen Polizisten in Gang gesetzt. Dieser ließ zu Prozessbeginn über seinen Verteidiger Christoph Lang alle Vorwürfe bestreiten.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Beamten, der seit einem Jahr vom Dienst suspendiert ist, zwei Fälle der Körperverletzung im Amt zur Last. Als Dienstgruppenleiter soll er am 16. August vergangenen Jahres zu Hilfe gerufen worden sein, als zwei Kollegen die Identität von drei jungen Afghanen feststellen wollten. Diese weigerten sich aber, ihre Personalien anzugeben beziehungsweise ihren Fingerabdruck abzugeben.

Laut Anklage ging er den Älteren der Jungen, einen 15-Jähriger, der von den Zeugen als „Rädelsführer“ bezeichnet wurde, an. Er bedrohte ihn mit einem Messer und sagte auf englisch „Gib' mir Deine Fingerabdrücke oder ich benutze es“. Als dieser bei seinem "Nein" blieb, steckte der Beamte das Messer wieder weg.

Anschließend schleifte er einen der beiden 13-Jährigen zum Fingerabdruckscanner, wo er dem Jungen erst einmal einen Klaps mit der flachen Hand auf den Hinterkopf verpasste. Dann, so die Anklage, fixierte er den Oberkörper des Jungen auf der Tischplatte, indem er sich mit seinen 130 Kilogramm auf dessen Arm setzte.

Schließlich soll der Angeklagte noch den 15-Jährigen, der in der Zwischenzeit von Kollegen mit dem Bauch auf dem Boden liegend an Händen und Beinen fixiert worden war, an den Handschellen hochgezogen haben, so dass dieser vor Schmerzen schrie. Zwei Beamte sollen dem Afghanen zu Hilfe gekommen sein und ihn aus seiner misslichen Lage befreit haben.

 

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