Gemischter Religionsunterricht Straubinger Pfarrer: "Das ist einfach bereichernd"

Um die Vermischung von Klassen in der Corona-Pandemie zu verhindern, ist seit Kurzem an bayerischen Schulen ein konfessionell gemischter Religionsunterricht möglich. (Symbolbild) Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Wegen der Corona-Krise kann vorübergehend konfessionsgemischter Religionsunterricht an Bayerns Schulen stattfinden. Vor der Pandemie in Bayern fast undenkbar. Katholische und evangelische Schüler und Konfessionslose sollen erstmals gemeinsam lernen. Das sagen zwei Straubinger Stadtpfarrer zu dem Konzept der Staatsregierung.

Ein Novum in Bayern: Katholische, evangelische, muslimische, jüdische und Schüler weiterer Glaubensgemeinschaften sowie Konfessionslose können vorübergehend gemeinsam am Religionsunterricht teilnehmen. Das Vorgehen ist auf die „Dauer“ der Corona-Pandemie begrenzt. Durch den gemeinsamen Unterricht soll die Vermischung von Klassen verhindert und dadurch den Maßgaben des Infektionsschutzes zusätzlich Rechnung getragen werden. Bislang wurden zumeist Schüler mehrerer Klassen für die jeweiligen Religionsstunden in eine Gruppe zusammengeführt.

Das Kultusministerium sieht in Zusammenarbeit mit der katholischen und evangelischen Kirche und je nach den Gegebenheiten vor Ort verschiedene Modelle vor. In einer Ausprägung werden Schüler, die sonst in den evangelischen oder katholischen Religionsunterricht gehen, gemeinsam mit Ethik-Schülern unterrichtet. Die jeweiligen Lehrer sollen dabei "weltanschaulich sensibel" unterrichten und sich etwa alle sechs Wochen abwechseln, wie aus dem Schreiben des Kultusministeriums an die Schulen vom 5. November hervorgeht.

Der Wunsch nach einem gemeinsamen Religionsunterricht war von Elternseite an das Ministerium herangetragen worden, wie ein Sprecher des Kultusministeriums vergangene Woche in München sagte.

Voraussetzung ist Zustimmung aller Eltern

Damit der „temporär kooperative Religionsunterricht“, wie er offiziell heißt, Wirklichkeit wird, müssten mehrere Voraussetzungen erfüllt werden, betont Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler): „Die Schulen müssen das nicht wahrnehmen, es ist also kein Muss. Voraussetzung ist immer auch die Zustimmung aller Eltern der betroffenen Schüler und auch die Zustimmung der beteiligten Lehrkräfte.“

Aber ist die neu geschaffene Möglichkeit überhaupt eine angemessene Lösung angesichts der Unterschiede? „Da geht’s nämlich schon los“, sagt Johannes Plank, Stadtpfarrer der Katholischen Pfarrei St. Elisabeth in Straubing. Er kann sich zwar einen gemeinsamen Unterricht im Sinne des ökumenischen Fortschritts vorstellen, betont aber gleichzeitig, dass es auch Unterschiede gebe.

Bei speziellen Unterrichtsinhalten müsse er als Religionslehrer von dritten Klassen durchaus sensibel vorgehen. Er unterrichtet unter anderem katholische und evangelische Schüler. „Man kann irgendwann bestimmte Sachen nicht mehr machen, zum Beispiel bei der Sakramentenvorbereitung.“ Da müsse man dann einige Schüler in die Pfarreien auslagern.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Pfarrer Plank ist nicht glücklich über die Idee vom Kultusministerium. „In Bayern gibt es eh nur einen Herrgott. Das hört man oft“, sagt er im idowa-Gespräch weiter. Das sei aber nur eine Floskel. Man müsse den Spruch reflektieren. Plank hat Angst, dass sich die Menschen irgendwann über den Unterschied zwischen den Konfessionen nicht mehr bewusst sind. Das Bistum Regensburg äußerte sich ebenfalls kritisch. Der Pressesprecher des Bistums sagte in einem BR-Bericht vom Dienstag, dass schon mit konfessionsgemischtem Unterricht Alleinstellungsmerkmale und Traditionen verloren gingen. Gelehrt werden solle stattdessen die eigene Glaubensrichtung. Das sei gerade in der Corona-Zeit essentiell.

Dagegen weniger bis gar nicht bedenklich sieht die alternativen Unterrichtsformen Dirk Hartleben, Pfarrer der Evangelischen Christuskirche in Straubing und ebenfalls Religionslehrer. Hartleben kann das angedachte Modell zumindest für die Corona-Zeit durchaus nachvollziehen. Es gebe kaum andere Möglichkeiten, die man beim Religionsunterricht hätte treffen können, sagt er. Wenn Hartleben andere Religionen wie den Islam behandelt, freut er sich nun über muslimische Schüler, die von ihren Religionserfahrungen berichten können. „Das ist einfach bereichernd.“ Katholische und evangelische Schüler gemeinsam zu unterrichten, stellt für Hartleben während Corona kein großes Problem dar. „In dieser Zeit sollten wir unsere Gemeinsamkeiten betonen.“

Eine Dauerlösung soll der ökumenische Schulterschluss aber nicht werden. „Sobald die Auflagen zum Gesundheitsschutz auslaufen, ist der reguläre konfessionelle Religionsunterricht wieder aufzunehmen“, heißt es vonseiten des Kultusministeriums ausdrücklich. Ein Ausfall des Religionsunterrichts zur Fokussierung auf Kernfächer käme nicht in Frage, betont Piazolo: „Auf ihn einfach zu verzichten, geht auch verfassungsrechtlich nicht. Das wollen wir auch nicht.“

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