Geisterspiel in Regensburg Der Jahn spielt ohne Zuschauer gegen Kiel

 Foto: fotostyle-schindler.de

Ohne Zuschauer bestreitet der SSV Jahn Regensburg am Samstagnachmittag sein Heimspiel gegen Holstein Kiel.

Fußball-Zweitligist SSV Jahn Regensburg wird wegen des Coronavirus und der damit verbundenen Allgemeinverfügung der bayerischen Staatsregierung, Veranstaltungen mit über 1.000 Zuschauern abzusagen, sein Heimspiel am Samstagnachmittag (13 Uhr) gegen Holstein Kiel als "Geisterspiel" ohne Zuschauer austragen. Das gab der Club am Mittwochnachmittag bekannt. "Wir haben leider keine Alternative dazu", sagte Präsident Hans Rothammer.

Die Regelung gilt zunächst nur für das kommende Heimspiel. Am Montag steht eine Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an, bei der über das weitere Vorgehen beraten werden soll. Dabei gibt es aus Jahn-Sicht drei Möglichkeiten: Entweder es werden weitere Geisterspiele ausgetragen, die betreffenden Partien werden verschoben, oder – "und das wäre uns allen am liebsten", so Keller – die allgemeine Situation verbessert sich schneller als erwartet. Dass die Saison, wie zum Beispiel im Eishockey bereits geschehen, ganz beendet wird, "das können wir uns nicht vorstellen", sagte Rothammer.

Auswirkungen für den Jahn

Für den Oberpfälzer Club hat das Geisterspiel gegen Kiel verschiedene Auswirkungen. Da ist zum einen das Wegbrechen des Heimvorteils. Während Präsident Hans Rothammer dies als großen Nachteil einstufte, will es Geschäftsführer Keller nicht als Ausrede für die Spieler gelten lassen. "Ich habe der Mannschaft schon gesagt, du musst mit den Situationen umgehen, wie sie sind. Wir würden uns natürlich über ein Spiel mit unseren Fans freuen, aber das ist keine Ausrede. Die richtige Haltung ist entscheidend und die müssen wir schaffen."

Ebenfalls schwerwiegend ist der finanzielle Aspekt. Sollten bis zum 19. April alle bis dahin angesetzten Heimspiele des Jahn ohne Zuschauer stattfinden, rechnet man im Club alleine mit rund 1,1 Millionen Euro weniger Einnahmen durch das Ticketing. Durchaus ein großer Faktor beim Jahn, der einen Gesamtjahresumsatz von rund 25 Millionen Euro anstrebt. "Es ist wirtschaftlich alles andere als erfreulich, wenn Geld, das eingeplant ist, wegfällt", sagte Geschäftsführer Christian Keller. Man werde aber Lösungen finden und die Gefahr, in rote Zahlen zu rutschen, bestehe ebenfalls nicht.

Die 1,1 Millionen Euro setzen sich aus 600.000 Euro aus den Business-Karten und 500.000 Euro aus dem Public-Ticketing zusammen. Von letzterem würde alleine das Nürnberg-Spiel die Hälfte ausmachen. Nur für das Kiel-Spiel bezifferte Keller die Summe auf rund 300.000 Euro, also 200.000 Euro Business- und 100.000 Euro Public-Ticketing.

Drei Möglichkeiten für Ticket-Inhaber

Für bereits verkaufte Tickets gibt es beim Jahn drei Möglichkeiten: Entweder der Fan bekommt sein Geld zurück, er erhält einen Gutschein oder er macht das Ticket zu einem "Geisterticket" (Keller), fordert sein Geld also nicht zurück. "Die letzte Variante wäre uns die liebste", so Keller. Die Rückabwicklung wird aber erst ab der kommenden Woche über die Bühne gehen.

Im Sponsoring wird bei Geisterspielen laut Keller nur eine bestimmte Gruppe betroffen sein. So gebe es Sponsoren ohne den Spieltag betreffende Rechte, Sponsoren mit den Spieltag betreffenden Rechten mit ausschließlicher TV-Relevanz. Und es gebe Partner mit nicht-TV-relevanten, den Spieltag betreffenden Rechten (zum Beispiel Werbespots im Stadion). Mit diesen müsse man sich entsprechend absprechen.

Im Ablauf der Mannschaft habe man nichts verändert, sagte Christian Keller: "Die Situation ist ernst, aber man muss sie nicht mit Hysterie vermischen." Die Jahn-Spieler seien alle gesund. Sollte sich daran etwas ändern, würde man es schnell bemerken. "Denn ein Profifußballer wird medizinisch ganz anders begleitet."

 

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