Geisling "Poldermodell fällt!" - Video

Mit einem symbolischen Akt beendete die „Interessengemeinschaft Flutpolder“ mit ihrem Sprecher Markus Hörner am Montagnachmittag vorerst ihre Arbeit. Mit ratternder Motorsäge rückte man dem Poldermodell in Geisling zu Leibe und brachte es zum Einstürzen.

Genauso gestürzt wurde das Projekt auch seitens der Politik. Im Koalitionsvertrag zwischen der CSU und den Freien Wählern ist das „Aus“ für die Polder Eltheim und Wörthhof festgeschrieben. Hubert Aiwanger, der Chef der Freien Wähler, hat damit seine Zusage anlässlich der Podiumsdiskussion im Juni 2018 in Barbing eingehalten. Auch Politiker anderer Parteien aus der Region hatten sich in Sachen Flutpolder gegen das Vorhaben der Regierung und damit gegen ihre Partei gestellt und die Initiative vor Ort unterstützt. Zu dem kleinen Umtrunk anlässlich des Sieges über diese gigantische zentrale Hochwasserschutzmaßnahme, die auch wegen der Grundwasserproblematik im südöstlich Landkreis große Nachteile für die Anrainer hätte erwarten lassen, hatten FW-Landrätin Tanja Schweiger und ihr Referent Harald Hillebrand eingeladen.

"Wurzel des Übels liegt nicht in der Naturgewalt"

Die Landrätin, der ebenfalls ein großer Stein vom Herzen fiel, bekräftigte wiederum ihre Vorstellung für einen vernünftigen Hochwasserschutz, sie setzt nach wie vor auf dezentrale Maßnahmen. „Starkregen werden künftig nicht ausbleiben, und nur wenn jeder seinen Beitrag leistet, können wir uns vor Katastrophen schützen.“ IG-Sprecher Markus Hörner fand aber auch nachdenkliche und mahnende Worte: „Es wird sicher kritisch auf unsere Region geschaut und gefragt, ob wir etwa nicht solidarisch wären. In den letzten fünf Jahren der Diskussionen und Debatten wurden wir auf viele Aspekte aufmerksam gemacht. Ein ganz entscheidendes Kriterium: Je höher der vermeintliche Hochwasserschutz geschraubt wird, umso unvernünftiger wird anschließend gebaut. Die Wurzel des Übels liegt nicht in der Naturgewalt Wasser, sondern in der Unvernunft der Menschen. Viele Wohnbau- und Gewerbegebiete liegen in Bereichen, in die man vernünftigerweise nicht reinbauen sollte. Dieses Verhalten trägt den Namen Hochwasserdemenz – das muss viel mehr Eingang finden in Bayerns Bauleitplanungen, hier liegt einiges im Argen.“

Drei Dinge probagiert Hörner: Erstens flächendeckender Hochwassergrundschutz nach HQ100 – die Probleme gab es in der Vergangenheit da, wo dieser noch nicht umgesetzt war. Als Zweites nennt Hörner den dezentralen Hochwasserschutz, also den Rückhalt in der Fläche. Und drittens dürfen Risikogebiete in Zukunft nicht mehr bebaut werden. Es sei unsinnig, so Hörner, diese Bereiche mit Dämmen HQ100 zu schützen, diese durch Polder sogar auf HQ200 aufzupeppen, aber was mache man bei HQ300? „Die Ergebnisse, die dieser Hochwasserdialog hier gebracht hat, muss Eingang in die Bauleitplanung finden“ fordert der IG-Sprecher. Bleibt zu hoffen, dass die Flutpolder auch in ferner Zukunft nicht wieder in den Fokus der Politik rücken und ein Hochwasserschutz zugunsten eines Gebietes nicht zu Lasten einer anderer Region gehen wird.

 
 

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