Geimpfte und Genesene Wie lange bleibt der Schutz vor Corona?

, aktualisiert am 13.05.2021 - 12:00 Uhr
Wie lange hält der Schutz von Geimpften und Genesenen vor dem Coronavirus? "Es existieren keine internationalen Schwellenwerte, die definieren, ab welchem Punkt man nicht mehr immun ist", erläutert Carsten Watzl, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Immer mehr Menschen in Deutschland sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft oder haben die Infektion hinter sich. Nach den Erleichterungen für diese Gruppen stellt sich noch einmal dringlicher die Frage: Wie lange hält ihr Schutz überhaupt?

Denn trotz des Wegfalls vieler Alltagsbeschränkungen für Geimpfte und Genesene sollte man nicht vergessen: Eine Impfung schützt nicht zu 100 Prozent und man weiß auch noch nicht genau, wie lange der Immun-Effekt nach Impfung oder durchgemachter Infektion anhält. Klar ist, dass der Schutz mit der Zeit nachlässt. Bislang gibt es keine Erfahrungswerte über lange Zeiträume, dafür sind Virus und auch Impfstoffe einfach zu neu.

Das Virus werde durch Impfungen nicht verschwinden, betonte kürzlich der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler: Sie gäben zwar eine Grundimmunität, die die Erkrankung verhindere oder die Schwere abmildere. "Aber sie verhindern nicht immer, dass eine Infektion mit dem Sars-CoV-2 geschieht." Auch bei Geimpften bestehe ein Restrisiko, dass sie sich infizieren und andere anstecken können. Das zeigt die Corona-Infektion von Bundesinnenminister Horst Seehofer.

Das sagen die Wissenschaftler dazu

Was lässt sich bisher sagen? "Die besten Daten, die wir haben, kommen von ehemals Infizierten", sagt der Immunologe Carsten Watzl. Für Studien wurden Betroffene von der ersten Phase der Pandemie an begleitet. Wissenschaftler interessieren sich zum Beispiel dafür, wie sich Antikörperspiegel entwickeln: Wie lange bleiben die Abwehrstoffe, die der Körper gegen Sars-CoV-2 gebildet hat, erhalten? Es gibt aber dabei nicht den einen Wert, der die Immunität anzeigt. "Es existieren keine internationalen Schwellenwerte, die definieren, ab welchem Punkt man nicht mehr immun ist", erläutert Watzl, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie ist.

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Experten unterscheiden mehrere Arten von Antikörpern, die zumindest wichtige Hinweise zur Immunität liefern. Zwei Beispiele: Die sogenannten IgA-Antikörper kann man sich als schnelle Eingreiftruppe vorstellen, die zum Beispiel im Nasenschleim und in der Lunge vorhanden ist und etwa eingeatmetes Virus unschädlich macht. Sogenannte IgG-Antikörper hingegen werden erst nach einer gewissen Zeit im Blut gebildet, gelten als Teil des Immun-Gedächtnisses und haben Einfluss auf die Schwere der Erkrankung. Sollte man sich erneut mit dem gleichen Erreger infizieren, sorgen sie für eine rasche Reaktion.

Was den Selbstschutz anbelangt - also das Vermeiden von schwerer Krankheit und Tod - rechnen Fachleute mit verlässlicher Abwehr auch noch nach einiger Zeit: Bisherige Daten von Genesenen zeigten relativ stabile Werte der IgG-Antikörper im Blut, sagte Watzl. "Da kann man bei vielen Genesenen von einer Immunität von einem Jahr ausgehen."

Es bilden aber nicht alle Infizierten Antikörper. Diese sind auch nicht allein entscheidend: Die körpereigene Abwehr hat auch noch einen zweiten Arm, sogenannte T-Zellen: Diese zerstören körpereigene Zellen, die vom Virus infiziert wurden. Eine US-Studie, die noch nicht von anderen Fachleuten begutachtet wurde, macht aber auch hier Hoffnung auf eine breite, recht lang anhaltende Abwehr.

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Durch Impfungen rechnet Watzl mit einem noch besseren, möglicherweise mehrjährigen Schutzeffekt vor schweren Verläufen bis hin zum Tod: Damit würden höhere Antikörperspiegel erreicht als bei der natürlichen Infektion. Die Hoffnung sei, dass die Antikörper von Geimpften ähnlich lange halten wie die von Genesenen. Die Nachbeobachtung des US-Herstellers Moderna zum Beispiel zeigt bisher, dass Antikörper mindestens sechs Monate nach der zweiten Dosis bestehen bleiben. Man kann aber nicht pauschalieren: Watzl zufolge bewirken verschiedene Impfstoffarten auch unterschiedliche Immunantworten.

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