Match gegen Ungarn Davis-Cup: Tennisstar Zverev freut sich seine "Jungs"

Alexander Zverev (l) und Herrenchef Boris Becker vor dem Training in der Fraport Arena. Foto: Arne Dedert/dpa

Die Australian Open sind für Alexander Zverev mit einer Enttäuschung zu Ende gegangen. Nun freut sich der Hamburger Tennisprofi auf den Davis Cup gegen Außenseiter Ungarn. "Die Stimmung ist wahnsinnig", sagt der 21-Jährige. Im Training fliegen aber wieder die Schläger.

Frankfurt/Main - Alexander Zverev war genervt. Er schleuderte seinen Tennisschläger auf den blauen Hartplatz, trat einmal kräftig drauf, zertrümmerte ihn.

Keine Viertelstunde dauerte es im Training, bis die Wut aufkam, er ratlos mit den Schultern zuckte. Zu viele Vorhände flogen ins Aus. Wortlos und ohne erkennbare Gefühlsregung reichte Boris Becker ihm einen anderen Schläger.

In der Trinkpause versuchte Becker, als Herren-Chef im deutschen Tennis auch Berater im Davis-Cup-Team, Zverev eine positive Haltung zu vermitteln. Aus Spaß warf er ihm einen Ball an den Rücken. Mit ruhiger Stimme gab der dreimalige Wimbledonsieger dem 21-jährigen Hamburger immer wieder Tipps.

Noch waren bis auf wenige Schaulustige keine Zuschauer in der Frankfurter Fraport Arena. Bevor Zverev fürs erste Training am Dienstag auf den Platz ging, flachste er mit einem Kameramann, übernahm dessen Fernsehkamera und hielt sie kurz auf die unbekannten Spieler aus Ungarn, die Gegner am Freitag und Samstag.

"Ich bin froh, dass ich wieder in Deutschland bin, mit meiner Mannschaft, und mit den Jungs Davis Cup spielen darf", sagte Zverev im Videomagazin "Tiebreak" des Deutschen Tennis Bunds. "Die Stimmung ist wahnsinnig, wir verstehen uns alle einfach unheimlich gut."

Zverev ist bei den Auftritten am Freitag (16.00 Uhr/DAZN) und Samstag (12.00 Uhr/DAZN) gegen die nicht einmal zweitklassig aufgestellten Ungarn die Hauptperson. Gut 30 Jahre nach dem ersten deutschen Titel im Davis Cup soll Zverev mit Philipp Kohlschreiber, Jan-Lennard Struff, Peter Gojowczyk und Tim Pütz den Einzug in die neue Endrunde des reformierten Nationen-Wettbewerbs perfekt machen. Die Einzel dürften für ihn normalerweise zu einem besseren Training werden. Zsombor Piros etwa wurde vor zwei Jahren Junioren-Sieger der Australian Open, bestritt aber noch keine Partie auf der ATP-Tour.

Zverev hätte bei den am Sonntag beendeten Australian Open der Herren gern mehr erreicht, scheiterte aber im Achtelfinale deutlich am Kanadier Milos Raonic. Vor Wut hatte er in der Partie seinen Schläger gleich neunmal auf den Boden gedroschen. In Frankfurt ging ein Schläger gleich im ersten Training am Dienstag wieder zu Bruch.

"Ich glaube, die Art und Weise, wie er verloren hat, ärgert ihn am meisten, dass er nicht sein bestes Tennis auf den Platz gebracht hat", sagte Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann über Zverevs Auftritt in Melbourne: "Seine Ansprüche sind sicherlich andere."

Der Teamkapitän rechnet es Zverev hoch an, dass er im Davis Cup antritt. In der Vergangenheit hat auch der vielversprechendste deutsche Tennisprofi seit langem für den Nationen-Wettbewerb schon abgesagt, weil seine individuelle Karriere Vorrang hat.

Die stark kritisierte Davis-Cup-Reform soll den Profis auch entgegenkommen. Sie spielen beispielsweise nur an zwei statt an drei Tagen und über zwei statt drei Gewinnsätze. Kräftezehrende Fünf-Satz-Matches sind ausgeschlossen. Seine Teilnahme an der neuen Endrunde in Madrid hat Zverev aber bisher abgelehnt. Der Termin würde aus seiner Sicht die Pause bis zur neuen Saison zu sehr verkürzen.

Ohnehin gefällt Zverev das neue System nicht. "Ich wünsche mir, dass man nach eins, zwei Jahren vielleicht sagt, ok, das funktioniert vielleicht nicht so gut, wie man sich das vorgestellt hat und man wirklich das alte System mit den Heimspielen wieder zurückbekommt." Für ihn habe ein Titelgewinn in dem Nationen-Wettbewerb mit dem neuen Modus "ein bisschen" an Wert verloren, sagte Zverev.

In der Zukunft will die deutsche Nummer eins mit Ivan Lendl, der ihn seit dem Spätsommer neben seinem Vater trainiert, "viele Dinge" in seinem Spiel verbessern. "Er ist eigentlich der beste Mann für mich dafür", sagte der Hamburger und hob die Mentalität des ehemaligen Weltranglisten-Ersten hervor: "Wie man mit Siegen umgeht, wie man mit Niederlagen umgeht. Das kann er mir noch so ein bisschen beibringen."

 

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