Gefährdeter Nager Feldhamster auch in Bayern fast ausgestorben

Für Bauern war er einst eine Plage und daher oft gejagt. Jetzt ist der Feldhamster offiziell vom Aussterben bedroht und reiht sich ein in die "Rote Liste" der Weltnaturschutzunion (IUCN). In Bayern bemühen sich Naturschützer und auch Bauern zwar mittlerweile um den Schutz der seit Jahren schrumpfenden Population – aber die Zukunft der süßen Nager bleibt ungewiss.

Der in Deutschland sehr rar gewordene Feldhamster ist jetzt offiziell in seinem gesamten Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht. Das geht aus der neuen Roten Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten der IUCN hervor. Auch mehrere Lemurenarten in Madagaskar und ein Glattwal im Atlantik sind neu vom Aussterben bedroht, wie die IUCN am Donnerstag in Genf berichtete. In der Europäischen Union wird der Feldhamster schon streng geschützt, aber bei der IUCN galt er bislang mangels Erhebungen gar nicht als gefährdet. Naturschützer hatten nämlich gedacht, es gebe noch jede Menge der Nager in Osteuropa und Russland – ein Trugschluss. "Wenn sich nichts ändert, wird der Feldhamster in den nächsten 30 Jahren aussterben", warnt die IUCN jetzt. "Wie sich herausgestellt hat, reicht die Katastrophe bis nach Sibirien", erklärt Feldhamster-Expertin Stefanie Monecke vom Institut für Medizinische Psychologie an der Universität München gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Feldhamster fast nur noch in Unterfranken

Für den Bund Naturschutz (BUND) Bayern ist die Katastrophe im Freistaat längst da. Der Verband schätzt die hiesige Population noch auf etwa 21.000 Tiere – allerdings mit einer Schwankungsbreite von 10.000 und 50.000, da die scheuen Winzlinge nur sehr schwer zu zählen sind. Das Verbreitungsgebiet des Feldhamsters in Bayern beschränkt sich heute fast ausschließlich auf Unterfranken, wo noch immer eine bundesweit bedeutsame Population zu finden ist. "Es handelt sich um ein verhältnismäßig großes Verbreitungsareal mit durchgängiger Besiedlung", erklärt Sprecherin Christine Margraf. Ansonsten sei die Art in Bayern aber in den letzten Jahrzehnten sowohl in Schwaben als auch in Oberfranken ausgestorben. Niederbayern und die Oberpfalz tauchen in der Feldhamster-Statistik des BUND schon lange nicht mehr auf. 

Moderne Landwirtschaft und Lichtverschmutzung als Problem

Vor allem die riesigen landwirtschaftlichen Monokulturen machen dem Feldhamster zu schaffen, vermuten Forscher. Außerdem wird heute viel schneller geerntet als früher – und den Hamstern damit innerhalb von Stunden ihr Lebensraum genommen. Ein weiteres Problem ist vermutlich die sogenannte "Lichtverschmutzung": Hamster haben eine "innere Uhr", die steuert, wann sie mit der Vermehrung im Sommer aufhören und wann sie aus dem Winterschlaf aufwachen. Diese Uhr justiereren die Tiere im Sommer und müssen dafür den Sonnenuntergang präzise wahrnehmen können –  künstliche Lichtquellen erschweren dies möglicherweise. Aber auch zu wenig Licht könnte ein falsches Signal erzeugen: "Wenn der Mähdrescher kommt und das Feld innerhalb von wenigen Stunden kahl ist, verkrümelt sich der Hamster in seinen Bau und sitzt dann im Dauerdunkel", sagt Expertin Monecke. Für die innere Uhr des Hamsters heiße das, dass jetzt Winter sei; und je früher er auf Winter umschalte, desto später fange er im Folgejahr mit der Reproduktion an. So werden immer weniger Hamsterjunge geboren.

Der BUND fordert deshalb Sofortmaßnahmen zur kurzfristigen Stabilisierung der Bestände: Der Lebensraumverlust müsse durch Bauleitplanung, wirksame landwirtschaftliche Förderprogramme und Anordnen von Bewirtschaftungsvorgaben begrenzt werden, erklärt Christine Markgraf. Außerdem brauche es mehr Schutzmaßnahmen, um eine längerfristigen Perspektive für die Rettung des Feldhamsters in seinen bayerischen Vorkommensgebieten zu schaffen. Und drittens müssten bereits genutzte Hamsterbaue bewahrt sowie neue geeignete Schwerpunktgebiete für den Schutz der Nager entwickelt werden.

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