Gaming Extraleben: Wie der Tod in Videospielen umgesetzt wird und wurde

Im Spiel „Dark Souls“ spielt der Tod eine ganz besondere Rolle. Foto: Nintendo

In den meisten Spielen ist der Tod nur eine Hürde, die der Spieler überwinden muss – außer, die Entwickler werden kreativ.

Super Mario hat es einfach. Wenn er von einer Piranha-Pflanze gefressen oder von einer bösen Schildkröte niedergetrampelt wird, stirbt er zwar – „game over“ heißt das aber noch lange nicht. Denn zu sterben heißt für ihn nur, eines seiner vielen Extraleben zu verlieren und das Level noch einmal von vorne anfangen zu müssen. Wie Mario geht es auch vielen anderen Videospielfiguren. Und insgesamt weisen Games beim Thema Tod und Sterben eine erstaunliche Vielfalt auf.

Früher gab es Arcade-Spiele

Dass die klassischen Videohelden wie Mario oder Sonic viele Extraleben haben, hat natürlich einen Grund. Der findet sich, wenn man in die Anfangszeit der Gaming-Geschichte zurückgeht: in die späten 1970er und frühen 1980er Jahre, als Games bei uns noch Videospiele hießen und nur wenige Familien eine Konsole oder sogar einen Computer hatten. Wer zocken wollte, musste dazu in eine so genannte Arcade gehen, in der unter anderem auch Videospiele standen. Um sie zu spielen, musste man Münzen einwerfen. Und damit kein Spieler ewig lange vor dem Automaten stand, waren die Versuche, also die Leben, begrenzt.

Manche blieben bei dem Prinzip

Auch nach der Zeit der großen Arcaden behielten die Entwickler zunächst das Konzept des Lebens bei – zumindest in Shootern und Jump ’n’ Runs. Längere und komplexere Spiele, wie „Legend of Zelda“ oder „Ultima“, die von Haus aus für das Spielen daheim programmiert wurden, ließen den Spieler stattdessen seinen Fortschritt abspeichern. Der Charakter hatte nur ein Leben – war das aber weg, musste der Spieler nicht von vorne starten, sondern zu einem späteren Zeitpunkt.

Dafür, dass das Konzept der Leben eigentlich schon seit Beginn der 2000er Jahre überflüssig war, hat es erstaunlich lange gedauert, bis die Entwickler damit in eine kreative Richtung gegangen sind. Ein früher Vertreter war das Spiel „Prince of Persia: Sands of Time“. Die Geschichte des Spiels ist als Abenteuer aufgezogen, das der Protagonist dem Spieler erzählt. Macht Letzterer einen Fehler und lässt den Prinzen in sein Verderben springen, meint dieser nur „Nein! So war das nicht!“ und fängt die Erzählung zu einem früheren Zeitpunkt wieder an.

Das Rollenspiel „Undertale“ schafft gleich die Möglichkeit, das Spiel komplett ohne Tote zu schaffen. Zwar kann der Spielercharakter wie bei einem üblichen Rollenspiel Monster und Gegner töten, das beste Ende erreicht er aber nur dann, wenn er sich ihre Probleme anhört und mit ihnen Freundschaft schließt.

Eine der kreativsten Methoden, mit dem Thema umzugehen, haben aber die Spiele der „Dark Souls“-Reihe gefunden. In diesen düsteren Fantasyspielen ist die Welt eigentlich schon lange kaputt und der Charakter einer der wenigen, die überhaupt noch etwas dagegen unternehmen können. Die Games sind außerdem ziemlich schwer. Was heißt, dass der Charakter immer wieder stirbt. Diese Tode sind aber in die Spielwelt integriert. Anderen Charakteren geht es ebenso und eine der zentralen Fragen der Spiele ist, was den Spielercharakter eigentlich dazu befähigt, immer und immer wieder aufzustehen.

Roguelikes wieder im Trend

Damit ähnelt „Dark Souls“ den sogenannten „Roguelikes“. In diesem Genre hat der Spieler nur einen Versuch. Stirbt der Charakter, ändert sich auch die Spielewelt. In den vergangenen Jahren hat das Genre eine Renaissance erlebt und Entwickler dazu angespornt, sich auch hier kreative Ideen zu überlegen. „Dead Cells“ geht einen ähnlichen Weg wie „Dark Souls“. Auch hier macht die Fähigkeit des Charakters, niemals ganz zu sterben, ihn zu etwas Besonderem.

In „Hades“ ist der Spielercharakter Sohn des gleichnamigen Totengottes. Es ist also normal, dass er nicht stirbt – er kann sich mit einigen der Monster sogar darüber in der Cafeteria unterhalten.

Jump ’n’ Runs hinken nach

Nur ein Genre hat sich immer noch nicht vom Konzept der Leben getrennt: das Jump ’n’ Run. Aber auch hier gehen die Entwickler mit der Zeit: Vor Kurzem ist nämlich „Crash Bandicoot 4“ erschienen. Der Spieler hat hier zwei Möglichkeiten. Entweder, er bekommt beliebig viele Versuche oder eine begrenzte Anzahl von Leben. Sind die futsch, muss er wieder von vorne anfangen – ganz wie bei Super Mario.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading