Was stets aller persönlichen Bewerber im Speziellen und der Parteienlandschaft der Bundesrepublik im Allgemeinen Bestreben ist, nämlich die sozioökonomische Zukunft in Regierung oder Opposition zu gestalten, vermag zu dieser Bundestagswahl auch eine Bewegung verfolgen, die in die wissenschaftlichen Parteiencluster nicht zu passen scheint.

In einer globalisierten Welt mit Regionalbewusstsein in die Legislative des Bundes einzuziehen, lautet das ambitionierte Ziel der Freien Wähler, die bis vor wenigen Jahren nur lose bis kaum Beachtung und interne Organisation als Partei fanden. Während die Betonung der Regionalität und die allgemeine Skepsis gegenüber den Münchner oder Berliner Establishment in Bayern schon bis in die Staatsregierung führte, fehlt es in anderen Bundesländern noch an Basis und Bekanntheit. Über die Chance auf Realisierung des Einzugs in den Deutschen Bundestags und das Paradox der internationalen Regionalität unterhielt sich die Heimatzeitung daher mit dem Freie-Wähler- Bundestagskandidaten im Wahlkreis, Werner Schießl.

Die Freien Wähler verstehen sich insbesondere in Bayern als Partei der Regionalität, auch Sie haben als ehemaliger Bürgermeister Eggenfeldens jene zu ihrer politischen Kernthematik erkoren. Die Definition des Begriffs Region ist jedoch kaum möglich, je nachdem ob man aus europäischen, deutschen oder bayerischen Blickwinkel auf den Wahlkreis blickt, kann eine Region unterschiedliche Dimensionen und Züge annehmen. Was bedeutet für Sie ganz persönlich Regionalität und welcher Region würden Sie die betreffenden Landkreise zuordnen?

Werner Schießl: Den Begriff Region einzugrenzen, ist in der Tat schwer. So definiert die EU beispielsweise Bayern als Förderregion, obwohl auch der Freistaat bereits ein sehr heterogenes Gebilde darstellt. In unserem Wahlkreis haben wir den Industriestandort Dingolfing und das Chemiedreieck, dazwischen aber wiederum klassischen, kleinstrukturierten, ländlichen Raum mit vielen kleinen oder mittelständischen Unternehmen. Die Grenze einer Region würde ich daher von der Mentalität der Menschen ableiten wollen. So hat zum Beispiel der Bayerische Wald und deren Bewohner wieder eine andere Prägung, auch durch die Vergangenheit als Grenzregion. Die Landkreise Dingolfing-Landau und Rottal-Inn sind durchaus als Region zusammenzufassen, da sie sich beide zwischen den städtischen Gebieten Landshuts, Passaus und Regensburgs befinden.

Auch aufgrund der unklaren Definition wird der Begriff Regionalität regelmäßig vom Großhandel zu Werbezwecken missbraucht, besonders da regionale Produkte immer stärker nachgefragt werden. Wie kann man hier politisch entgegenwirken, um den Begriff der Regionalität im Bezug auf Konsumprodukte nicht weiter zu verwässern?