Furth im Wald Lautstark gegen Rassismus

Nachdem Wera Müller verhindert war, zeigte sich Siegi Ehrnböck (Mitte) als einziger Stadtrat solidarisch mit dieser Aktion gegen Fremdenhass. Foto: Th. Linsmeier
Nachdem Wera Müller verhindert war, zeigte sich Siegi Ehrnböck (Mitte) als einziger Stadtrat solidarisch mit dieser Aktion gegen Fremdenhass. Foto: Th. Linsmeier

Der Anti-Rassismus-Slogan „Wir sind mehr“ traf am Dienstagabend zumindest in Furth im Wald zu: Rund 50 Demonstranten standen weniger AfD-Anhängern, die sich im Nebenzimmer des Hotels Hohenbogen versammelt hatten, gegenüber. Zu dieser Protestaktion, durch die Sympathisanten der „Alternative für Deutschland“ mit Pfiffen und Buh-Rufen auf den letzten Metern ins Versammlungslokal begleitet werden sollten, hatten die Further Sozialdemokraten aufgerufen.

„Wir wollten Flagge zeigen und kurzfristig etwas auf die Beine stellen“, so Silke Schell, die zusammen mit ihrer Mutter, Sozialreferentin Wera Müller, diese Aktion initiiert hatte. Dem Aufruf waren neben SPD-Mitgliedern aus Furth im Wald und Neukirchen b. Hl. Blut (unter ihnen Altbürgermeister Sepp Berlinger) auch Angehörige des DGB und des Further Helferkreises für Flüchtlinge gefolgt. „Wir sind nett“, versprach Schell. Das Ziel dieser Demonstration: „Zeigen, dass nicht jeder so denkt wie die da drüben“, meinte sie mit Blick aufs Hotel Hohenbogen.

Das machten die Demonstranten nicht nur mit Plakaten und Transparenten, auf denen Slogans wie „Vielfalt statt Ausgrenzung“ oder „Unsere Alternative heißt Respekt und Solidarität“ zu lesen waren, deutlich, sondern auch lautstark mit Pfiffen und Buh-Rufen, sobald Teilnehmer an der AfD-Versammlung in Richtung Hotel-Eingang steuerten. Ebenso hieß es: „Nazis raus!“ und „Geht's hoam!“.

„Die AfD hat mit ihrer Hetze gegen Minderheiten dazu beigetragen, ein gesellschaftliches Klima entstehen zu lassen, in dem Gewalt in Worten vorbereitet und – wie das Beispiel Chemnitz uns erst kürzlich vor Augen geführt hat – auf der Straße ausgeführt wird“, so der DGB-Ortskartellvorsitzende Herbert Breu. Die AfD bemühe sich, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben und das gesellschaftliche Klima mit Hilfe von Sprache zu vergiften.

Die Demonstration verlief absolut friedlich. Auf der einen Seite blieb es bei Buh-Rufen, auf der anderen bei Kopfschütteln und demonstrativer Missachtung. Vorsichtshalber war die Polizei unter der Führung des Vize-PI-Leiters Ludwig Kreitl mit drei Streifen und zwei Zivilbeamten vor Ort. Nur einmal spitzte sich die Situation etwas zu, falls man es überhaupt so bezeichnen will: Ein junger Mann trat auf die Demonstranten zu, suchte schmunzelnd das Gespräch und fragte dann nach dem Weg zur AfD-Versammlung. „Ach da muss ich rein“, meinte er grinsend und wechselte die Straßenseite. Darauf eine Demonstrantin: „Denen muss man sogar den Weg zeigen...“

Übrigens: Demonstriert wurde vor dem Bahnhof, neben dem Gedenkstein der Vertriebenen, der auch daran erinnert, dass Deutschland schon einmal von Gewalt bedrohten Menschen geholfen hat – vor 73 Jahren genau an diesem Ort.

 

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