Eine junge Familie hat ein Grundstück neben dem elterlichen Anwesen, das im Außenbereich eines Ortsteils liegt. Zugleich gibt es im gleichen Ortsteil freie Bauparzellen, deren Besitzer sich davon jedoch nicht trennen möchten oder zu hohe Preisvorstellungen haben. Was macht nun der Stadtrat? Genehmigen, obwohl es eigentlich nicht genehmigungsfähig ist und dem Schutz von unbebauter Fläche widerspricht? - Vor diesem Dilemma steht man in Furth regelmäßig. Etwas Aufklärung erhofften sich die Stadträte in der dreistündigen Mammutsitzung am Donnerstagabend.

Denn um zu erfahren, wie es wirklich um die Further Baulücken steht und wie generell die Entwicklung der Bevölkerungszahl einzuschätzen ist, hatte man Prof. Dr. Markus Lemberger, Leiter des Projekts "Siedlungsmanagement" am Landratsamt Cham, eingeladen. Zusammen mit dessen Mitarbeiter Jonathan Reger lieferte er interessante Daten. Seine Projektarbeit soll dem nachhaltigen Umgang mit Flächen dienen, zu dem auch die Staatsregierung aufruft. Möglich macht dies die akribische Sammlung von Informationen über Grundstücke und Anwesen, die in das Online-Kartenportal GIS einflossen. Das Ergebnis: Im Landkreis Cham gibt es laut Reger derzeit rund 40.000 Wohngebäude; davon stehen 1.800 leer. Zudem sind etwa 4.000 Baulücken erfasst, die insgesamt eine Gesamtfläche von knapp 600 Hektar ergeben. "Das sind in etwa 850 Fußballfelder." Der östliche Teil des Landkreises sei davon stärker betroffen als der Rest. Das bedeute: Rein theoretisch sei der Baubedarf im Kreis im Verhältnis zur Einwohnerzahl für die nächsten 42 Jahre gedeckt.