Für den Drachenstich ist ihr kein Weg zu weit 1484 Kilometer für eine Rolle im Volk

Margaux Germain (hier links neben Ritterin Laura Lehminger) ist mit dem „Drachenstich-Virus“ infiziert. Foto: Julia Adam

In der Grenzstadt stellen sich im August nicht wenige alljährlich eine Frage: In den Urlaub fahren oder den Drachenstich erleben? Einer jungen Frau gelingt es, beides zu vereinen: Margaux Germain. Die Krankenschwester aus Bordeaux, der Metropole an der südfranzösischen Atlantikküste, opfert alljährlich ihren dreiwöchigen Sommerurlaub, um 1484 Kilometer quer durch Europa nach Furth im Wald zu reisen und dort zumindest an einem Teil der Drachenstich-Aufführungen mitzuwirken. Warum? Das verriet sie uns in einem Gespräch.

Zunächst muss man wissen, dass die junge Frau die Tochter von Brigitte Germain ist, einer gebürtigen Münchnerin, die in Furth im Wald aufwuchs. Damals wurde sie – was nicht überrascht – mit dem „Drachenstich-Virus“ infiziert. Dieser sorgte sogar dafür, dass sie immer wieder nach Möglichkeit zur Festspielzeit in die Grenzstadt zurückkehrte, als sie bereits mit ihrem Mann Yves, einen ehemals in Furth stationierten Franzosen, die halbe Welt bereiste. Djibouti, Tahiti, Cherbourg und Bordeaux waren die beruflichen Stationen der Familie Germain. Und dazwischen immer wieder Furth im Wald. Denn wenn es die Zeit und Wegstrecke irgendwie erlaubten, kehrten sie in die Grenzstadt zurück, um beim Drachenstich mitzuspielen. Daraus wuchs auch die Liebe von Marguax zum ältesten Volksschauspiel.

Seit 2006 konnte sie nur zweimal nicht in der Sandbahn am Stadtplatz stehen: 2010 war sie mit ihrer Familie in Tahiti, 2017 durfte sie nicht mitspielen, weil sie es nicht zu den Proben schaffte. Heuer nahm sie deshalb ihren dreiwöchigen Urlaub früher, konnte dagegen aber nur an drei regulären Aufführung mitwirken. Bereits am heutigen Freitag muss sie zurück nach Bordeaux. Keine Frage, dass sie gerne auch in der Festwoche dageblieben wäre, zumal mittlerweile ihre Familie in Furth lebt – ihre Großeltern, ihre Eltern und auch ihr Bruder Maxime. „Aber ohne die Teilnahme an den Proben hätte ich nicht spielen dürfen“, bedauert sie. Doch würde sie ihren Urlaub nicht lieber wie andere junge Erwachsene auf Mallorca, Ibiza oder am Atlantikstrand vor der Haustür verbringen?

Margaux Germain schüttelt den Kopf. „Furth ist auch schön. Der Drachenstich ist in meinem Blut“, betont sie. Die Deutsch-Französin beherrscht das Stück auswendig, der Drache begeistert sie. Und nicht zuletzt sei es eine gute Gelegenheit, die Familie zu sehen. Natürlich hat die Krankenschwester auch in der Grenzstadt mittlerweile Freunde, und ihren Bekannten in Bordeaux schwärmt sie mit Videos und Fotos von diesem Spektakel in Bayern so sehr vor, dass von dort bereits Freundinnen mit ihr nach Furth gekommen sind, um selbst beim Drachenstich mitzuwirken. Ob sie nicht auch ‘mal gerne eine andere Rolle als die einer Volk-Statistin spielen würde? Margaux Germain schmunzelt: „Seit meiner Kindheit träume ich davon, einmal die Prinzessin, die Ritterin zu sein.“ Doch weil sie nicht in Furth lebt, dürfte dies wohl ein Traum bleiben, meint sie. Das wird aber ebenso wenig ihre Liebe zum Drachenstich trüben, wie der 1484 Kilometer weite Weg, den sie alljährlich auf sich nimmt.

 

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