Fünf Grad und es wird noch kälter Luisa Lang ist Eisschwimmerin

Beim Eisschwimmen ist nur Schwimmbekleidung erlaubt. Foto: Dr. Claus Fochler

Luisa Lang aus Salching zieht im Eiswasser ihre Bahnen. Wie sie das aushält.

"Take of your clothes“, rauscht es aus den Lautsprechern. Die Schwimmer ziehen ihre Bademäntel aus. „Go into the water!“ Sie steigen in den See. „On your marks!“ Jeder begibt sich an seine Position. „Tüüüüt!“ Ein schrilles Pfeifen erklingt. Das Startsignal. Die Schwimmer stoßen sich ab. Sie kraulen durch das Wasser. Die Köpfe tauchen auf und wieder unter.

Wir befinden uns auf einem Schwimmwettkampf. Mitten unter den Teilnehmern ist Luisa Lang aus Salching im Landkreis Straubing-Bogen. Die 17-Jährige schwimmt bereits seit zehn Jahren. Ihr Körper gleitet schnell durch den See. Alles ganz gewöhnlich – bis auf die Wassertemperatur. Denn die beträgt nur etwa drei Grad Celsius. Trotzdem trägt die Schwimmerin nur einen normalen Badeanzug, Schwimmbrille, Badekappe und Ohrstöpsel. Luisa ist Eisschwimmerin.

Luisa: „Ich hatte noch nie Probleme mit Kälte“

Das Mädchen strampelt mit den Füßen. Wassertropfen spritzen in alle Richtungen. Luisa hat ihre Gegner schon längst überholt. Der letzte Zug. Ziel. Luisa taucht aus dem Wasser auf und holt tief Luft. Sie steigt aus dem See und lächelt. Nach ein paar Minuten beginnt sie, heftig zu zittern. „Das dauert ungefähr zehn bis 15 Minuten“, sagt Luisa. Es ist kein Zittern, als hätte man im Winter seine Jacke vergessen – Luisas ganzer Körper schüttelt sich. Eine natürliche Reaktion des Körpers, um sich aufzuwärmen.

Wie kommt man auf die verrückte Idee, bei unter fünf Grad Wassertemperatur seine Bahnen zu ziehen? „Ich bin bei der Schwimmgemeinschaft Mallersdorf-Pfaffenberg bei Trainer Dr. Claus Fochler als Becken- und Freiwasserschwimmerin“, erklärt Luisa. Beim Freiwasserschwimmen werden im Sommer in Seen Distanzen von 2,5 bis zu 25 Kilometer geschwommen. Über 7,5 Kilometer belegt Luisa 2018 sogar den zweiten Platz bei den Bayerischen Meisterschaften. „Ich hatte noch nie Probleme mit Kälte. Beim Freiwasserschwimmen ist das Wasser oft auch nicht warm, deshalb war das Eisschwimmen für mich nicht so schlimm.“

Im Oktober 2018 probiert Luisa das Eisschwimmen beim Verein Serwus Burghausen zum ersten Mal aus. „Wir haben damals mit 13 Grad Wassertemperatur begonnen“, blickt Luisa zurück. In langsamen Schritten gewöhnen sich die Schwimmer an kühlere Temperaturen. Seitdem trainiert Luisa bei den Eisschwimmern in Burghausen im Landkreis Altötting mit. „Beim Training schwimmen wir zuerst im Wöhrsee in Burghausen, weil es dort eine Infrarotkabine gibt“, erklärt Luisa.

Diese Kabine ist für die Eisschwimmer wichtig, um sich richtig aufzuwärmen – nämlich langsam. Während des Trainings erkundigt sich der Trainer immer wieder, wie es den Schwimmern geht. „Er kontrolliert damit, ob es auch jedem in dem eiskalten Wasser gut geht“, sagt sie. „Montags habe ich vor der Schule Frühtraining im Hallenbad im Kloster Aiterhofen. Das beginnt um sechs Uhr.“ Ansonsten stehen Luisa die Hallenbäder in Mallersdorf, Bogen und Landau zum Training zur Verfügung. „Ich finde es aber schade, dass ich keine Möglichkeit habe, das Eisschwimmen in einem See in der Nähe von Straubing zu trainieren, weil es keine abgesperrten Bereiche und keine Wärmekabine gibt“, sagt die 17-Jährige.

Je kälter das Wasser ist, in dem Luisa schwimmt, desto kälter wird auch ihr. „Steige ich bei 13 Grad in einen See, wird mir erstmal heiß“, sagt Luisa und schmunzelt. „Wassertemperaturen zwischen sechs und zehn Grad finde ich am schlimmsten. Ab vier Grad und weniger, spürt man keinen Unterschied mehr.“ Das kälteste Wasser, in dem Luisa bisher geschwommen ist, hatte nur 1,3 Grad. Aber die 17-Jährige sagt: „Man kann es aushalten. Das Glücksgefühl danach ist es wert.“

Eisschwimmen: Das Leckerli für den Winter

Auch wenn sie es gewöhnt ist, fällt es Luisa nicht immer leicht, ins Wasser zu steigen. „Ich denke mir oft: ‚Schwimm so schnell du kannst, dass du schnell wieder rauskommst’“ Derzeit trainiert sie maximal zehn Minuten im kalten Wasser. Länger als 30 Minuten sollte niemand im Eiswasser bleiben – für Untrainierte können zwei Minuten schon gefährlich sein.

Zurück zum Wettkampf: Die Lautsprecher-Stimme nennt die Namen der nächsten Schwimmer. Luisa ist für heute fertig. Es wird Zeit, sich in der Infrarotkabine aufzuwärmen. „Das sollte man nur langsam tun und auf keinen Fall heißes Wasser über den Kopf gießen, das wäre für den Körper zu viel“, erklärt sie. Die Reaktionen aus Luisas Umfeld zu ihrem ungewöhnlichen Hobby sind unterschiedlich. „Viele sagen, dass ich spinne“, erzählt sie. „Mir macht das Extreme einfach Spaß.“

Trotz ihres Erfolgs beim Eisschwimmen liegt der Fokus bei Luisa weiterhin auf dem Freiwasserschwimmen: „Mein Trainer in Burghausen, Stefan Hetzer, hat gesagt, das Eisschwimmen wäre mein Leckerli für den Winter.“ Der See ist leer. Die Lautsprecher-Stimme verkündet die Siegerin des Wettkampfs: Luisa Lang. Das Publikum applaudiert. Luisa strahlt. Ihr Körper ist wieder warm und das Zittern vorbei.

 

Das ist Eisschwimmen

Eisschwimmen ist eine Wintersportart, die 2022 bei den olympischen Winterspielen vertreten sein soll. Eine Saison dauert von Anfang Dezember bis Januar. Geschwommen wird über die Distanzen 50, 100, 200, 500 und 1000 Meter. Die Wettkämpfe finden in durch Leinen abgetrennten 25 oder 50 Meter langen Bereichen statt, meist in Seen und manchmal auch in Freibädern. Damit es als Eisschwimmen gilt, ist eine Wassertemperatur von unter fünf Grad Celsius erforderlich. In diesem Winter lagen die Wassertemperaturen zwischen ein und drei Grad.

Neoprenanzüge oder anderer Kälteschutz wie Hautcremes sind ausdrücklich verboten. Es muss Badebekleidung wie beim normalen Wettkampfschwimmen angezogen werden. Erlaubt sind zusätzlich nur Schwimmkappe, Schwimmbrille und Ohrstöpsel.

 

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