Frust wegen Maskenpflicht? Das sagen Einzelhändler in der Region zum Mundschutz

Seit über einem Monat gilt in Bayern die Maskenpflicht. Doch nicht alle tragen den Mund- und Nasenschutz gerne. Foto: Peter Kneffel/dpa

Für die einen ist sie Fluch, für andere ein Segen: Über die Maskenpflicht gehen die Meinungen bei den Menschen in Niederbayern und der Oberpfalz auseinander. Der Einzelhandel fürchtet vor allem den Sommer - und einen zweiten Lockdown.

Nach über einem Monat Maskenpflicht sprechen sich laut einer repräsentativen Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov in Deutschland immer noch 49 Prozent für die Maskenpflicht aus. An der Umfrage teilgenommen haben der Deutschen-Presse-Agentur zufolge 2.056 Menschen. Ein Drittel der Teilnehmer ist jedoch laut YouGov inzwischen für eine Lockerung oder gar für eine Abschaffung des Mund- und Nasenschutzes.

Diese Erfahrung mussten anscheinend auch die Verkäuferinnen der Straubinger Bäckerei Steinleitner machen. Das schreibt zumindest Geschäftsführerin Steffi Steinleitner vergangenen Freitag auf Facebook. Die Mitarbeiterinnen hätten sich an sie gewandt, weil sie nicht mehr weiter wüssten. „Da kommen Gäste ohne Gesichtsmaske – und was tun meine Mädels? Genau! Sie bitten höflich, das Ding aufzusetzen. Dann geschieht etwas völlig Unerwartetes – die Reaktion – respektlos und laut“, schreibt Steinleitner in ihrem Post. Ihr zufolge passiere das derzeit häufiger.

„Es kommt immer mal wieder vor, dass sich einzelne Kunden über die Maskenpflicht beklagen oder sich weigern, eine Maske aufzusetzen“, bestätigt Marianne Wagner, Pressesprecherin vom Landesinnungsverband für das bayerische Bäckereihandwerk. Allerdings seien das eher Ausnahmen, die meisten Kunden verhielten sich ihr zufolge durchaus respektvoll. „Ich rate dazu, den Kunden freundlich erklären, dass die Masken zum Schutze aller getragen werden müssen und die Kunden um Verständnis zu bitten, dass auch sie eine Maske tragen sollen“.

Steffi Steinleitner äußert in ihrem Post aber auch Verständnis für die Wut ihrer Gäste, allerdings bittet sie um mehr Respekt: "Es sollte nicht nur das Brot, wie früher schmecken- es wäre so schön, wenn Werte wie Respekt und Menschlichkeit ebenfalls zum täglich Brot gehören würden. Bitte lasst nicht zu, dass diese Zeit Dinge mit uns macht, die wir später bereuen."

"Viele kämpfen mit Schwindel oder Übelkeit"

Mit renitenten Kunden hat der Straubinger Einzelhandel laut Einzelhandelssprecher Martin Erdl dagegen kaum Probleme. Erdl und seine Schwester Brigitte Erdl-Lippuner leiten zusammen das Sportgeschäft Intersport Erdl und zeigen sich positiv überrascht vom Verhalten der Menschen.

„Vielleicht vergisst einmal einer seine Maske gleich wieder aufzusetzen, wenn er aus der Umkleide kommt. Aber der Kunde entschuldigt sich dann meist gleich und trägt die Maske wieder“, sagt Erdl-Lippuner. Bislang habe man sehr gute Erfahrungen mit der Maskenpflicht gemacht, was die Disziplin der Kunde beträfe.

„Sorgen macht uns eher, wie es wird, wenn es draußen 30 Grad hat und wir acht Stunden am Tag die Masken tragen müssen“, sagt die Geschäftsführerin. „Viele von uns haben schon jetzt abends mit Schwindel oder Übelkeit zu kämpfen. Man atmet ja immer seine eigene Luft ein.“ Hinzu komme, dass es vor allem hinter der Kasse schwierig sei, den Kunden zu verstehen.

„Durch die Maske und die Plexiglasscheibe versteht man den anderen kaum noch. Wir müssen ständig nachfragen, was der Kunde gesagt hat.“ Daher wünsche man sich statt der Masken eher Schilder aus Plexiglas, mit denen es leichter zu atmen sei und die Verständigung besser klappt. Doch das sei derzeit nicht erlaubt, sagt Erdl-Lippuner.

Auf seiner offiziellen Internetseite spricht sich das Gesundheitsministerium tatsächlich gegen sogenannte Face-Shields aus. Visiere aus Plastik oder anderem Material,  Face-Shields oder Plexiglasscheiben stellen demnach keinen gleichwertigen Ersatz für eine Maske dar, da sie den Mund-Nasen-Bereich nicht vollständig bedecken. Daher dürfen die Visiere nur ergänzend zu den Masken getragen werden.

"Viele bekommen Pausen zum Durchatmen"

Auch in Landshut halten sich laut der Interessengemeinschaft Landshut Innenstadt (I.L.I.) die meisten Menschen an die Verordnung und tragen in den Läden Masken. "Manche vergessen ab und an, die Maske aufzusetzen, aber die entschuldigen sich dann gleich", sagt Pressesprecherin Daniela Rech. Selten habe man es mit renitenten Kunden zu tun. "Was man allerdings schon beobachten kann, ist, dass sich einige Menschen weniger an den Sicherheitsabstand halten, seit es die Maskenpflicht gibt."

Schwierig sei das Tragen der Maske aber vor allem für die Verkäufer selbst. "Viele erzählen uns, dass die Maske nach einiger Zeit komplett durchfeuchtet ist und das ist für die Verkäufer sehr unangenehm", schildert die Pressesprecherin gegenüber idowa. Auch Brillenträger kämpfen immer wieder mit angeschlagenen Gläsern und eingeschränktem Blickfeld. 

Um es den Mitarbeitern leichter zu machen, haben sich einige Geschäftsinhaber etwas ausgedacht. "Viele Verkäufer bekommen Zusatzpausen, in denen sie für zehn Minuten im Freien einfach durchatmen können."

"Wir wollen keinen zweiten Lockdown"

„Ich bekomme öfter zu hören, wie mühsam und belastend es ist, im Arbeitsalltag eine Maske tragen zu müssen“, bestätigt Ingo Saar, Geschäftsführer vom Verein Faszination Altstadt, der in Regensburg unter anderem den Einzelhandel vertritt. „Manche Verkäufer haben anfangs auch solche Schilder getragen und als angenehmer empfunden. Aber sie entsprechen leider nicht einem Mund- und Nasenschutz.“

Derzeit hoffe man in Regensburg, dass die Aufhebung der Maskenpflicht in Österreich möglicherweise ein positives Zeichen für die Zukunft bedeuten könnte. Doch eins stellt Saar in dem Zusammenhang klar: „Keiner möchte die Möglichkeiten ausreizen und eine zweite Infektionswelle riskieren. Ein erneuter Lockdown wäre für den Einzelhandel schwer auszuhalten.“

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