Zwei Jahre nach Gretas erstem Streik Wie geht es mit Fridays for Future weiter? Aktivisten aus der Region erzählen

Mit Mundschutz und Abstand: So sieht Fridays for Future in Corona-Zeiten aus. Hier ein Demonstrant in Düsseldorf. Foto: Fabian Strauch/dpa

Von Fridays for Future war in letzter Zeit wenig zu hören. Wie geht es mit der Bewegung weiter? So ist die Stimmung in der Region.

I. Angst

Alles beginnt mit der Sorge um die Zukunft. Im August 2018 setzt sich Greta Thunberg deshalb vor den Reichstag in Stockholm. Sie hat ein Schild dabei: "Schulstreik fürs Klima". Denn Auslöser ihrer Angst ist der Klimawandel. Zwei Jahre später ist Fridays for Future eine globale Bewegung, die sich für mehr Klimaschutz einsetzt. Millionen junge Menschen haben ebenso Angst um ihre Zukunft. Darunter sind viele aus unserer Region.

II. Euphorie

Im Frühjahr 2019 kommt Fridays for Future bei uns an. Überall erreichen die Organisatoren schnell viele Menschen. Marie Waldmann, 17, aus Deggendorf sagt: "Ich weiß noch, wie ich nach der ersten Demo am Abend vor dem Fernseher gesessen bin und mich gefreut habe, dass darüber berichtet wurde." Das ganze Jahr über finden in vielen Orten Demonstrationen statt.

In Regensburg stehen am 20. September knapp 4 000 Leute auf dem Ernst-Reuter-Platz. Laura Wanninger, 19, ist Teil des Orga-Teams: "Dieser Platz hat mit den vielen Menschen so klein gewirkt. Da hat man wirklich gemerkt, wie viel wir schaffen können."

III. Enttäuschung

Nicht nur mit Demos versuchen die Aktivisten, ihre Botschaft an die Politik zu bringen. Thomas Keil, 20, aus Landshut nennt das Bündnis "Landshut muss handeln": "Über 60 Vereine, Verbände und Firmen stellen sich da hinter unsere Forderungen." Ein Blick nach Straubing zu Annalina Gentner, 21: "Wir haben Bäume gepflanzt, ein Festival veranstaltet und mit dem Oberbürgermeister, Politikern und Vertretern der Wirtschaft gesprochen." In Deggendorf erarbeitet die Hochschule ein Klimakonzept für die Stadt. Die Forderungen von Fridays for Future sind darin enthalten.

Das alles sind wertvolle Fortschritte, die zeigen: Im Kleinen waren die Ortsgruppen durchaus erfolgreich. Deutschlandweit sehen die Aktivisten das allerdings anders: "Ich habe nicht das Gefühl, dass man wirklich zu Maßnahmen bereit ist. Da geht viel zu wenig viel zu langsam vorwärts", sagt Ferdinand Klemm, 19, aus Regensburg. Franziska Sänftl, 18, vom Dingolfinger Orga-Team fügt an: "Natürlich, Politik ist ein schleppender Prozess. Aber der Klimawandel ist nicht verhandelbar."

IV. Veränderung

In einem sind sich alle Aktivisten einig: Sie haben wahnsinnig viel gelernt. Vom Organisieren einer Demo bis zur Umstellung der eigenen Lebensweise. Patricia Kricke, 21, aus Straubing gibt zu: "Wir waren früher eine Wegwerfgesellschaft daheim. Durch Fridays for Future hat sich da viel verändert." Laura aus Regensburg sagt: "Ich war vorher politisch gar nicht aktiv."

Für Marie war Klimaschutz schon immer wichtig. Erst durch Fridays for Future hat sie das aber nach außen getragen. Laurin Kröplin, 15, mit Marie im Orga-Team in Deggendorf, fügt an: "Meine Einstellung zu dem, was ich verändern kann, ist heute eine andere. Wenn neue Maßnahmen getroffen werden, überlege ich als Erstes: Sind die gut oder schlecht?" Sarah Schöps, 16, aus Landshut geht es ähnlich: "Ich habe eine viel größere Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen."

Auch Fridays for Future hat sich verändert. Bei den ersten Demos oft ohne Konzept, ist die Bewegung heute gut organisiert. Die Ortsgruppen tauschen sich aus, für wichtige Themen gibt es Arbeitsgruppen. Die Ziele sind immer noch die gleichen: "Wir wollen, dass das 1,5-Grad-Ziel eingehalten wird", sagt Franziska. Und die Bewegung denkt weiter: "Wir sehen uns als Klimagerechtigkeits-Bewegung und wollen uns bei vielen Themen einbringen - gegen Rassismus und Faschismus, für gerechte Löhne", sagt Sarah.

Weitere Stimmen aus den Ortsgruppen sowie ein Interview mit dem Sprecher der Arbeitsgruppe Social Media gibt’s in der neuen Folge unseres Podcasts „Sprechstunde“ zu hören. Du findest sie hier.

V. Hoffnung

Die Corona-Pandemie ändert für Fridays for Future alles. Ihr wichtigstes Instrument wird verboten - viele Menschen dicht gedrängt auf öffentlichen Plätzen. Das hat Folgen: "Man ist aus den Medien draußen und muss versuchen, irgendwie wieder reinzukommen", sagt Annalina. Die Ortsgruppen machen über die sozialen Netzwerke weiter, aber das ist nicht dasselbe, wie auf der Straße zu sein.

Ferdinand kann der Pandemie dennoch etwas Positives abgewinnen: "Der Staat hat Geldsummen in die Wirtschaft gepumpt, die unvorstellbar sind. Das zeigt: Wenn wir wollen, können wir. Und die Mittel sind da. Die Politik kann sich nicht mehr dahinter verstecken." Vielen Aktivisten hat die Zwangspause auch gut getan: "Ich habe die Zeit genutzt, um Kraft zu tanken", sagt Marie. "Meine Motivation ist wieder auf einem hohen Level."

Ein Interview mit dem Sprecher der Social-Media-Arbeitsgruppe Florian Fischer findest du hier.

Für den 25. September hat Fridays for Future den nächsten globalen Klimastreik angekündigt. Die Ortsgruppen haben kreative Ideen, um die Corona-Auflagen einzuhalten: Menschenreihen mit Abstand, Fahrrad-Demos, Mahnwachen. In Deggendorf steht schon das Motto: "Wir schaffen 1,5 Meter Abstand, schaffen wir auch 1,5 Grad Erderwärmung?"

Werden die Menschen so zahlreich zu den Demos zurückkommen? "Ja", sagt Laurin, "weil sie sich nicht verändert haben." Thomas erklärt: "Das Motto von Fridays for Future war von Anfang an: Wir streiken, bis ihr handelt. Und nachdem bisher kaum gehandelt wurde, wird weiter gestreikt."

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