Fridays For Future Das sagt ein Experte zur grünen Entwicklung in Deutschland

Dem BN liegt besonders der Erhalt der Fauna und Flora in den Isarauen am Herzen. Aber auch verkehrstechnische Gedanken macht man sich. (Symbolbild) Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Mehr Klimaschützer als je zuvor wollen heute wieder auf die Straße gehen und für eine Klimawendedemonstrieren. In Berlin tagt unterdessen das Klimakabinett. Und wir fragen uns: Wie verändert die grüneBewegung die Politik Deutschlands? Mit Experte Franz Kohout suchten wir nach Antworten.

Ende der 1980er-Jahre hat die Wissenschaft erstmals darauf hingewiesen, dass es auf der Erde immer wärmer wird. Die Forschungen ergaben, dass der Mensch großen Einfluss auf diese Erwärmung hat. 1992 beschlossen daraufhin die Länder dieser Welt in Rio de Janeiro, etwas dagegen zu unternehmen.

Die Forscher hatten ausgerechnet, dass die Menschheit bis spätestens 2050 so leben muss, dass sie das Klima nicht mehr belastet. Das bedeutet, sie darf nicht mehr Klimagase in die Luft blasen, als Pflanzen und Wälder brauchen, um durch Photosynthese CO2 in Sauerstoff zu verwandeln. Nur so könne man die Erwärmung unter zwei Grad Celsius halten. Bei einem weiteren Treffen 1997 in Kyoto haben die Länder Etappenziele beschlossen, um dieses Ziel bis 2050 zu erreichen.

In den Jahren danach ist der CO2-Ausstoß aber weiter gestiegen. Deshalb haben die Länder der Welt 2015 in Paris ihre Pläne erneuert.

Keine Kohle, keine Atomkraft - geht das?

Am meisten CO2 wird durch die Herstellung von Strom verursacht. Denn dies geschieht durch die Verbrennung von Kohle. Ein großer Teil wird mittlerweile durch regenerative Energien, ein weiterer Teil durch Kernkraft und Erdgas erzeugt.

Seit Ende der 1990er-Jahre setzten sich die Regierungen dafür ein, dass Kohle und Atomkraft durch regenerative Energien wie Wind, Sonne und Wasser abgelöst werden. Doch nach einem Unfall in einem Kernkraftwerk in Fukushima 2011 wollte man so schnell wie möglich auch alle Atomkraftwerke abschalten. Aber allein durch Wasser, Sonne und Wind kann der Strombedarf noch nicht gedeckt werden.

Nicht mehr 60, sondern nur noch 30 Jahre Zeit

Deshalb sollte Kohle dann doch noch eine Weile als Übergangstechnologie dienen. Dadurch wurde aber klar: Damit erreicht man ein wichtiges Etappenziel des Klimaplans nicht. Nämlich, den CO2-Ausstoß bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu reduzieren. Beim sogenannten Kohlekompromiss wurde dennoch beschlossen, dass die Kohle bis 2038 bleibt.

"Fridays for Future" fordert aber ein Ende für Kohlekraftwerke bis 2030 und noch in diesem Jahr die Abschaltung von einem Viertel dieser Kraftwerke in Deutschland.

Außerdem soll Deutschland schon 2035 klimaneutral sein und seinen Energiebedarf zu hundert Prozent aus regenerativen Energien decken.

 

Wird bald alles teurer?

Autofahren, Heizen und industriell hergestellte Güter müssten eigentlich teurer sein. Bisher wurde nämlich nie einberechnet, dass ihre Nutzung auf Kosten der Umwelt geht. Das soll sich jetzt ändern:
1. Durch eine CO2-Steuer: Dabei soll auf jede Tonne CO2 eine Steuer erhoben werden. So würden viele Sachen teurer.
Vorteil: Die Menschen würden sparsamer Autofahren, heizen und so weiter.
Nachteil: Bei Geringverdienern gäbe es keinen Anreiz zum Sparen, denn sie will die Bundesregierung zum Ausgleich unterstützen.
2. Durch einen Zertifikate-Handel: Die CO2-Menge, die ausgestoßen werden darf, wird gedeckelt. Firmen können eine Erlaubnis kaufen, einen Teil der Menge zu verursachen.
Vorteil: Die Unternehmen haben einen Anreiz, ihre Produkte so herzustellen, dass sie möglichst wenig CO2 verursachen.
Nachteil: Firmen, die weiterhin CO2-intensive Produkte herstellen, müssen mehr Zertifikate kaufen. Diese Kosten schlagen sie auf die Preise. Die Produkte werden teurer. Kritiker finden das ungerecht.
„Fridays for Future“ ist für die erste Variante. Auch die SPD ist dafür. Die CDU/CSU ist für den Zertifikatehandel. 

 

Lasst uns wählen!

Die Jungen protestieren gegen die Politik der Alten. Das ist eigentlich gar nicht so neu. 1968 waren es Studenten, die die Menschen wachrütteln wollten und fragten: „Habt ihr euch im Zweiten Weltkrieg mitschuldig gemacht?“ Allerdings waren diese Studenten meist älter als 18 Jahre.
Jetzt sind es meist unter 18-Jährige, die nicht wählen dürfen, und die die Älteren fragen: „Warum unternehmt ihr nicht mehr gegen den Klimawandel?“ Das sei das Besondere an „Fridays for Future“, erklärt Politikwissenschaftler Franz Kohout. Weil eine Mehrheit – die Älteren – über die Zukunft einer Minderheit entscheidet, wollen viele das Wahlrecht ändern.
Zum Beispiel so: Ältere Menschen sollten gar nicht mehr wählen dürfen. Oder: Wählen sollte ab null Jahren erlaubt sein, Eltern könnten für ihre Kinder wählen. Oder: Jugendliche zwischen 16 und 35 Jahren sollen mehr als eine Stimme bekommen, Senioren ab 65 nur noch eine Zwei-Drittel-Stimme.
Franz Kohout befürwortet solche Überlegungen. Die letzte Herabsetzung des Wahlalters gab es übrigens nach den 68er-Protesten. Seitdem darf man ab 18 Jahren wählen.    

 

Ein grüner Bundeskanzler?

Für das Thema Klimawandel gibt es in Deutschland eigentlich eine Partei: die Grünen. Sollten nicht sie es sein, die sich für Umweltthemen einsetzen? Haben sie versagt?
Politikwissenschaftler Franz Kohout sagt Nein. Auch die Grünen seien einst eine Protestpartei gewesen. Bereits 1998 forderten sie: Der Sprit muss teurer werden. Fünf Deutsche Mark, umgerechnet circa 2,50 Euro, sollte der Liter kosten. Vielen Wählern war der Vorschlag zu heftig. Die Partei musste ihre Radikalität deshalb etwas ablegen, erklärt Kohout.
Forscher oder Organisationen können leichter radikal denken, erklärt er. Sie müssen sich nicht dem Wähler stellen. Parteien dagegen müssten Kompromisse finden. Das sei Teil der Demokratie. Dennoch: Noch nie war der Zuspruch für die Grünen so groß. Jüngste Umfragen haben ergeben, dass bei den nächsten Wahlen 25 oder 26 Prozent möglich sind.
Wenn die Stimmung im Land so bleibt, könnte es sein, dass die Grünen bald die stärkste Partei sind. Robert Habeck, einer der beiden Chefs, könnte Bundeskanzler werden.    

 

Das plant die Politik

Als Reaktion auf die Proteste von „Fridays for Future“ hat die Bundesregierung im April das sogenannte Klimakabinett ins Leben gerufen. Das ist sozusagen eine Miniregierung, die sich nur mit dem Thema Klima befasst.
Im Mittelpunkt steht dabei der Vorsatz, dass sich die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD darüber einigen, wie die Kosten für CO2 auf die Preise umgelegt werden können (siehe Artikel links, Mitte). Daneben diskutieren die beiden auch verschiedene Einzelmaßnahmen, zum Beispiel wie man das Fliegen teurer und das Bahnfahren billiger machen kann. Einigen will man sich auch in der Frage, welche Anreize man schafft, damit sich mehr Menschen Elektroautos und neue, umweltschonendere Heizungen kaufen. Außerdem geht es um ein Klimaschutzgesetz, das vorsieht, dass alle Ministerien nur noch eine bestimmte Menge Kohlendioxid im Jahr ausstoßen dürfen.     

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