Freundschaft Mann und Frau - Kann das gut gehen?

Freundschaften entstehen oft schon im Kindergarten, auch zwischen Buben und Mädchen. Foto: Denise Zellmer

Oft werden Jungs- und Mädelskram immer noch strickt getrennt. Warum und welchen Einfluss hat das auf die Freundschaft zwischen Mann und Frau?

Erste Erinnerung: Ich bin eins von zehn Kindern, die im Altarraum einer Kirche stehen - die letzte Probe vor der Erstkommunion. Der Pfarrer sagt: "Fünf von euch werden hier links sitzen und die anderen fünf rechts." Sofort teilen wir uns auf. Ich sitze in einer Reihe mit meinen vier Freundinnen. Die Jungs sitzen drüben.

Das "nur" irritiert

Zweite Erinnerung: Wir, eine kleine Gruppe an Schülerinnen, sitzen im Aufenthaltsraum für die Oberstufe. Viele Jahre später. Ein beiläufiges Gespräch führt zu der Aussage: "Ich war in der Grundschule nur mit Jungs befreundet. Ich habe mich mit denen immer besser verstanden." Die anderen Mädchen schließen sich an: "Ja voll, ich auch." In meinem Kopf stimme ich schon mit ein. Dann denke ich an meine Freundinnen aus der Kindheit. Und merke: Stimmt doch gar nicht.

Die Aussage "Ich war als Kind nur mit Jungs befreundet" habe ich schon von vielen Mädchen gehört. Was mich dabei irritiert, ist das Wort "nur". Denn ich denke, dass es in vielen Fällen nicht stimmt, aber trotzdem dazu gesagt wird.

Auf der anderen Seite sind mir weniger Jungen untergekommen, die gerne betonen: "Ich war nur mit Mädchen befreundet". Damit, als Junge mit Mädchen befreundet gewesen zu sein, kann man nicht angeben. Andersherum schon. Woran liegt das?

Bauecke und Puppen

Schauen wir uns das Umfeld an, in dem die Kindheitsfreundschaften, die Gruppen aus der ersten Erinnerung, meist entstehen: die Kindergärten. Noch immer ist es in vielen Kindergärten so, dass Spielzeug thematisch einem Geschlecht zugeordnet wird. Die Bauecke - da sind die Jungs. Die Puppenecke - da sind die Mädchen. Alle Kinder, die sich also in der Puppenecke anfreunden, sind Mädchen.

Manche Kinder freunden sich vielleicht über die Eltern an: Sie sind es, die Nachmittagstreffen außerhalb des Kindergartens vereinbaren. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich dafür die Eltern zweier Kinder mit dem gleichen Geschlecht zusammentun.

Vielleicht identifizieren sich Kinder leichter mit Gleichgeschlechtlichen. Dass sich diese Gruppen bilden, von denen wohl meine erste Erinnerung handelt, hat bestimmt verschiedene Gründe. Was aber passiert, wenn ein Kind diese Gruppen verlassen möchte?

Zurück zum praktischen Beispiel: Bau- und Puppenecke. Wenn in meinem Kindergarten Mädchen in die Bauecke gegangen sind, wurden sie gelobt.

Wenn ein Junge viel lieber mit Puppen als mit Bauklötzen gespielt hat, war die Reaktion nicht so positiv. Der Junge galt als sensibel und etwas komisch.

Aber wertet das nicht das Mädchen-Sein ab? Ich finde schon. Es ist unglaublich wichtig, dass wir Rollenbilder überwinden. Wenn ein Mädchen nicht mit Puppen spielen will, dann sollte sie es nicht müssen. Wir sollten aber nicht sagen: "Sie ist nicht wie ein typisches Mädchen." Denn das tut nichts gegen die Rolle "Mädchen", sondern sorgt nur dafür, dass sich umso mehr Mädchen davon abgrenzen. Vielleicht kommt es so zu Aussagen wie: "Ich war nur mit Jungs befreundet."

Einfach Menschen, die sich mögen

Was wäre die Alternative? Ganz einfach: Nicht betonen, dass man anders als andere Mädchen ist - sondern mithelfen, das Bild, das wir von Mädchen haben, zu verändern.

Wenn das der Fall ist, haben es auch die Jungs leichter. Denn dann ist "wie ein Mädchen" zu sein, nicht mehr existent und somit nicht mehr abwertend. Und Jungs, die mit Puppen spielen wollen, können das tun. Und Freundschaften - die könnten einfach zwischen Menschen bestehen, die sich mögen.

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