Freunde für die Kunst Der "lieberscholli" bringt Kultur nach Passau

Jan-Erik Taubmann und Lukas Montag vom "lieberscholli" Passau. Foto: Andreas Reichelt

Die Kulturwelt steckt in der Krise. Events dürfen nicht stattfinden, Künstler haben kein Publikum. Doch zwei Freunde aus Passau gehen nun in die Offensive. In einem Haus, das für den Abriss vorgesehen ist, haben sie ein Kulturlokal ausgebaut. Nun warten sie auf die Möglichkeit der Eröffnung. Wir haben uns das fertige Lokal schon angesehen.

Lukas Montag und Jan-Erik Taubmann kennen sich schon seit dem Studium in Passau. Beim Basketball haben sich die Freunde zum ersten Mal getroffen. Schnell stellten sie fest, dass ihre Gemeinsamkeiten über den Sport hinausgehen.

2014 begannen beide, als Discjockeys zu arbeiten. Im Jahr darauf entstand die „Villa TuNichtGut“. Immer wieder wurden Kulturevents und sogar Festivals organisiert, darunter das regional bekannte „Schwerelos Festival“. Eines Tages seien dann die Eigentümer des Gebäudes, in dem das Interview stattfindet, auf sie zugegangen und haben das Objekt angeboten.

Mit Freude am Schaffensprozess

„Aus der Lust heraus, selbst irgendwas zu kreieren, etwas zu schaffen“, entwarfen die beiden das Konzept der Kulturbar „lieberscholli“, wie es Lukas Montag formuliert. Anders als ein Festival, soll es da sein, „um zu bleiben.“

Der Barraum ist wenige Tage zuvor fertig geworden und die Betreiber geben einen ersten Einblick: In der Mitte des ehemaligen Beate-Uhse-Ladens steht ein eigens konstruierter Tresen, gemauert aus alten Ziegelsteinen. Der Innenraum ist mit Werken überregionaler Künstler geschmückt. Überall kann man viel Liebe zum Detail erkennen.

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Ursprünglich sollte hier eine reine Bar entstehen, doch durch Corona hat man umdisponiert. „Der Betrieb soll mit Kaffee losgehen. Dann vielleicht ein Feierabendbierchen. Und am Ende soll man hier auch tanzen können“, erklärt Lukas Montag.

Eine Bühne für Kunstschaffende

Mitinhaber Jan-Erik Taubmann betont aber auch den kulturellen Aspekt. „Es war immer das Ziel, nicht nur eine Bar zu machen.“ Ihr Plan geht viel weiter. „Wir wollten schon immer die Jugendkulturlandschaft in Passau bereichern“, fährt Jan fort. „Deshalb soll der „lieberscholli“ eine Plattform geben für regionale Künstler, für nationale Künstler, auch für internationale Künstler.“

Ob Lesungen, Musikevents oder Poetry-Slams, die beiden Jungunternehmer sind für alles offen.

Abriss steht bereits fest

Dabei soll das Gebäude in den nächsten Jahren abgerissen werden. Der Mietvertrag läuft daher nur bis 30. Juni 2023. „Was uns beide so daran reizt, ist diese Zwischennutzungskultur“, sagt Lukas Montag. Sie wollen dem lange leer gestandenen Objekt endlich wieder Leben einhauchen. „Wir machen das, weil wir Lust dazu haben. Weil wir das auch können“, fährt er fort.

Ihre Lebensumstände und das handwerkliche Geschick machen es den beiden nämlich möglich, nahezu alle Arbeiten selbst auszuführen. Und das hält die Kosten niedrig. Dennoch wartet man nun gespannt auf eine Öffnungsperspektive. Ein weiterer Raum im Gebäude soll zum „böserscholli“ ausgebaut werden. Was sich dahinter verbirgt, wollen die beiden noch nicht verraten.

Um weitere Mittel zu generieren, haben sie kürzlich eine Fundraising-Kampagne auf der Plattform Startnext gegründet. Wie in vielen Unternehmungen hängt letztlich alles vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab. Doch Jan-Erik Taubmann und Lukas Montag haben so viel Emotion und Kraft in den „lieberscholli“ gesteckt, dass ihnen die Vorfreude regelrecht ins Gesicht geschrieben steht.
 

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